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„Hallo Andreas,
hat Spaß gemacht, dich mal wieder zu sehen. So hatte die halbstündige Verspätung des Zuges sogar noch einen Sinn. Leider bin ich trotz Verspätung nicht dazu gekommen, dir die Geschichte meiner Galerie zu erzählen. Das hole ich jetzt auf diesem Weg einfach nach. Die Idee, eine Galerie – und dann auch noch eine für zeitgenössische afrikanische Malerei – ist aus einer Freundschaft entstanden. Vor ca. 6 Jahren lernte ich Abdoulaye Guissé, einen Künstler aus dem Senegal, kennen und seine Bilder lieben. Und in einem Moment großer Euphorie versprach ich, seine Werke zu verkaufen. Guissé kam nach Berlin. Wir luden Freunde und Bekannte ein und präsentierten seine Bilder. Das Ergebnis waren einige Verkäufe, die geradezu nach mehr verlangten. Wir fuhren in den Senegal, lernten weitere Maler kennen und kauften ein….“

So beginnt mein Brief an einen Vertrauten, den ich schrieb, um mir mit Hilfe von MyCle – dem Geschäftsverstärker über die Zukunft meiner Galerie „african-painters“ klar zu werden. Sechs Jahre lang war es mir nicht gelungen, das Ding zum Laufen zu bekommen. Gelernt hatte ich viel. Inzwischen habe ich eine Ahnung, wie das Geschäft funktioniert. Aber reichte das, aus einer in Deutschland höchst ungewöhnlichen Spezialisierung ein profitables Geschäft zu machen?

complex_spiralDie Fertigstellung von MyCle kam genau im richtigen Moment. Es musste etwas passieren. Einerseits drohte ein erhebliches finanzielles Risiko. Andererseits begannen die ersten Blätter eines kleinen, aber vielversprechenden Pflänzleins zu sprießen – ein Kunstraum, in dem die ganz eigene Mathematik eines nigerianischen Mathematikers und Journalisten von einer Reihe sehr spannender Künstler gewandelt wurde. Ich schrieb also – wie im MyCle-Zyklus vorgesehen – einen Brief an einen Vertrauten, den ich seit einigen Jahren nicht mehr gesehen hatte. Anschließend analysierte ich den Brief mit MyCle’s Werkzeugen.

Die Analyse brachte eine Überraschung und einen klaren Schwerpunkt. Die  Überraschung: ich konnte zunächst die Frage nach dem Sinn der Galerie-Tätigkeit nicht beantworten. Warum hatte ich die Galerie gegründet? Warum bin ich so lange dabei geblieben? Was hat mich angetrieben, soviel Energie hineinzustecken? Warum sollte ich sie weiter führen? Ich musste lange nachdenken, um dahinter zu 3Radarchart_african-painterkommen. Es sind diese einzigartigen Menschen, gleichzeitig unglaublich kreativ, intellektuell anregend und – in meiner Wahrnehmung – scheinbar hilflos. Was für eine tolle Verbindung von geistiger Auseinandersetzung und Anstachelns meines Helfersyndroms. Es schien, als könnte ich anderen mit meinen Fähigkeiten helfen.

Der Schwerpunkt des Briefes unterschied sich davon klar und deutlich. Mir fehlten (fast) alle Ressourcen, die für dieses Geschäft erforderlich sind. Ich hatte kein künstlerisches oder kunsthistorisches Know How. Ich verstand zu Beginn das Geschäftsmodell der Galerien nicht. Ich hatte keinen Zugang zu den wichtigsten Multiplikatoren in diesem Geschäft, den Kuratoren. Und außer meinem Cousin kannte ich keinen einzigen Sammler. Das wäre vielleicht mit finanziellen Mitteln auszugleichen gewesen, indem ich entsprechenden Sachverstand einkaufte. Aber die standen nicht zur Verfügung. Zu allem Überfluss drohte auch noch ein nicht unerhebliches finanzielles Risiko, dass es abzuwenden galt. Kurzum: es fehlte eigentlich an allem.

Sinn_300pxDas Resümee hätte deutlicher nicht ausfallen können: Wenn ich mir gegenüber ehrlich bin, muss ich erkennen, dass ich den Künstlern mit meinen derzeitigen Ressourcen nicht helfen kann. Entweder ich mache es richtig, oder ich lasse es. „Es richtig machen“ würde heißen, ich gebe meinen Broterwerb auf, stürze mich ins Galeriegeschäft, besorge über alle möglichen Kanäle Geld und suche einen ausgebildeten Kurator als Partner oder Angestellten. Ein niederschmetterndes aber deutliches Ergebnis: Der Sinn war in sich zusammengefallen, und die Ressourcen fehlten.

Eigentlich gab es nur eine vernünftige Entscheidung. MyCle stand nach zwei Jahren Entwicklungszeit kurz vor der Fertigstellung. Das ist mein Turf. Hier arbeitete ich bereits in einer gut funktionierenden Gruppe mit extrem fähigen Leuten. Hier kann ich meine Fähigkeiten viel besser einsetzen. Trotzdem war es schwer, african-painters aufzugeben. Sechs Jahre Arbeit mit Herzblut sollten sich in Nichts auflösen. Da gab es emotional einiges zu verarbeiten.

Heute weiß ich, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. MyCle – der Geschäftsverstärker ist fertig. Er aufgeben_300pxist richtig gut geworden. Er entfaltet seine Wirkung und hat in der Zwischenzeit nicht nur mir geholfen, Gewissheit für den nächsten Schritt zu erlangen und die Perspektive richtig zu setzen.

Nachtrag: Zwei Dinge will ich nicht unerwähnt lassen, weil sie zu der Geschichte gehören. Der „Flow of the Zero Spiral“-Kunstraum schien zunächst weiter zu funktionieren. Dann erlitt Lere Shakunle, der Mathematiker mit der großen Affinität zur Kunst, einen schweren Schlaganfall an dem er schließlich verstarb. Ohne ihn, den Spiritus Rektor, hatte das zarte Pflänzlein keine Chance. Der zweite Nachtrag ist von erfreulicherer Art. Es gibt ein einmaliges Nachspiel von african-painters. Die verbliebenen Bilder müssen den derzeitigen Lagerort verlassen. Das wollen wir nutzen, um Ende August eine Art „Tupperware-Party“ zu veranstalten. Im privaten Rahmen werden die Bilder ein letztes Mal gezeigt und können zu vermutlich sehr günstigen Preisen erstanden werden. So schließen wir ab, wie wir begonnen haben – im privaten Kreis und in Anwesenheit von Abdoulaye Guissé, dem senegalesischen Maler, von dem bereits am Anfang die Rede war.

Lere_und_Abdoulaye

Im Gedenken an Lere Shakunle, einen Großen seiner Art.

 

Über den Autor

Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen.

Als gelernter Politologe und seit 1990 in beratenden Berufen tätig, ist er gemeinsam mit Steffen Moldenhauer als Geschäftsführer des Geschäftswarenladens für den Überblick und das Ganze und für das Vorankommen zuständig.

 

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