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Lieber Mounsif,
erinnerst Du Dich noch an den Oktober 2015? Es war die Zeit, zu der in Deutschland die Herausforderungen der andauernden Flüchtlingswelle realisiert wurden. Es war die Zeit, in der sich die Gesellschaft zu teilen drohte: in diejenigen, die vor den Risiken warnten und Angst verbreiteten, und in diejenigen, die blauäugig nur auf die Chancen geschaut haben, die die Neuankömmlinge böten. Einen gesunden Realismus, geschweige denn ein tragfähiges Konzept gab es nicht.

Gemeinsam mit Nadir war die Idee entstanden, MyCle zu modifizieren. Wir fragten uns, was zu ändern war, um ihn für die Flüchtlingsarbeit einzusetzen?

RettungEs entstand eine Version, die sehr einfach durch haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter vor Ort in den Kommunen eingesetzt werden können, um verschiedenste Aspekte der Flüchtlingsarbeit zu betrachten.

  • Für die Kommunen bot MyCle die Möglichkeit eine „Geschichte“ zu entwickeln, wie sie Flüchtlinge integrieren wollen. Welche Voraussetzungen und welche Anforderungen waren an die Integrationsbereitschaft der neuen Mitbürger zu stellen? Was könnten, sollten und müssten sie selbst einbringen.
    Die resultierende Klarheit erlaubte es den Kommunen den enormen Druck zu bewältigen. Sie konnten eine klare Strategie und pragmatische Umsetzungsansätze entwickeln. Frust, Unverständnis und Angst konnten durch Verständnis und transparente Kommunikation ersetzt werden.
  • Für die Betreuungskräfte schuf MyCle die Möglichkeit, unterschiedliche Perspektiven der Beteiligten (Kommune, Bürger, Flüchtlinge, Hilfsorganisationen, Unternehmen etc.) einnehmen und verstehen zu können. Betreuungskräfte konnten ermächtigt werden, gegenseitiges Verständnis zu fördern, vermittelnd und steuernd in Konflikte einzugreifen und sie sogar zu vermeiden, kurz: die Integrationsbasis zu bauen.
  • Für die Flüchtlinge entstand die Möglichkeit, das Erlebte zu verstehen und einzuordnen. Vielen gelang eigener_Beitrages, sich ein Bild der (noch) ungewissen eigenen Zukunft zu machen, zu erkennen, was machbar war und was sie selbst dafür tun mussten. Vor allem aber erkannten sie, wie man ein nutzbringendes Mitglied der neuen Gemeinschaft werden kann.

Am Anfang wurden wir belächelt – und teilweise auch beschimpft. Aber die Ergebnisse überraschten – zumindest auf den ersten Blick.

Die Kommunen und Helfer waren überrascht, ein Mittel zu finden, das die Entwicklung von Gemeinsamkeiten und gegenseitiges Verständnis bewirkte.

Die Flüchtlinge waren überrascht, weil sie erkannten, was sie selbst als Mitbürger einer neuen Gesellschaft einbringen mussten und wo sie sich (mental) verändern müssen.

Wir waren überrascht, dass MyCle – ursprünglich für Strategieprozesse in Unternehmen entwickelt – in der leicht modifizierten Fassung einen so wesentlichen Beitrag bei der Integration unserer neuen Mitbürger stiften konnte.

P.S.: Diese Flüchtlingsversion von MyCle bereiten wir gerade in Zusammenarbeit mit mehreren Migranten und deren Organisationen vor, um sie Kommunen und Hilfsorganisationen anbieten zu können. Eine erste Idee besteht darin, die Aufgabenstellungen in Zusammenarbeit mit Muttersprachlern ins arabische und englische zu übersetzen. Damit gäbe es eine Ausgabe, die drei Sprachen auf einem Dokument vereint. Das schafft im Bearbeitungsprozess Transparenz, hilft beim Erlernen der Sprache und bei der Definition der neuen, eigenen Lebensgeschichte in einer neuen und fremden Umgebung. Mehr Ideen sind sehr willkommen.

P.S.2: Nebenbei sei noch erwähnt, dass ich die Form des Briefes „zurück aus der Zukunft“ deshalb gewählt habe, weil er eine Möglichkeit des Einstiegs in die Arbeit  mit MyCle ist.

 

Über den Autor

Steffen Moldenhauer ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens, Interimsmanager und Sanierungsexperte.

Als gelernter Banker und mit 15 Jahren Management-Erfahrung in Konzernen und mittleren Unternehmen trägt er wesentlich dazu bei, dass die Zahlen stimmen.

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