Originalfoto: Ryan McGuire on gratisography.com

 Einer muss es tun, jetzt wo alle plötzlich auf dem digitalen Trip sind. Einer muss diejenigen unterstützen, die ihre sorgfältig aufgebaute und lang gepflegte Haltung zu bewahren suchen. Denn eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche: digitale Live-Workshops und –Trainings sind Müll. Aber irgend so ein dahergelaufener und selbsternannter Experte wie ich kann viel behaupten. Am besten überzeugen sie sich selbst. Meine 5 Tipps haben das Ziel, Ihnen die Erfahrungen zu verschaffen, die Sie in Ihrer Überzeugung bestärken.

1.     Lesen Sie drei der zahllosen „5 Tipps für dein Online-Seminar“-Artikel.

In einem ersten Schritt empfehle ich die Lektüre von mindestens drei der inzwischen zahllosen Artikel mit den vorzugsweise ungeraden Zahlen in der Überschrift. Ich habe von 3 bis 33 so ziemlich alles gefunden.

Im Einzelnen wissen Sie sicher den Hinweis zu schätzen, es lohne sich, die Anzahl der Moderatoren im Vorfeld festzulegen. In meinen Augen stach vor allem ein Ratschlag hervor: die Idee, pünktlich zu beginnen und den Konferenzraum frühzeitig zu öffnen. Mehr als drei Artikel lohnen sich allerdings nicht. Es wiederholt sich halt einiges. 

2.     Kämpfen sie sich durch die Technik.

Ein anderer Weg, die eigenen Überzeugungen sicher zu bewahren, ist eine ausgiebige und tiefgreifende Auseinandersetzung mit der Technik. Insbesondere technische Laien werden sich ob der Vielzahl der Funktionalitäten und der phantastischen Kompliziertheit einschlägiger Systeme vor Begeisterung kaum halten können. Besonders zu empfehlen ist eine Kombination der verschiedenen Tools, wenn etwa das Video-System mit einem Whiteboard gekoppelt, ein Beleuchtungssystem mit externer Kamera einen gut ins Bild setzen und ein Profi-Mikrophon mit zugehörigem Audio-System und schallschluckender Peripherie quasi als Königsdisziplin gekoppelt werden.

In diesem Zusammenhang halte ich es für sehr hilfreich, einen hohen Anspruch an die eigene Qualität auch auf die Technik zu übertragen. Jeder und jede sollten mindesten

  • 4 Konferenzsysteme, wie Zoom, MS Teams, Webex, Adobe Connect, GoToMeeting, Blizz …
  • 3 Whiteboard-Systeme wie MIRO, Mural, MS Teams Whiteboard, ZoomWhiteboard …
  • unterschiedliche Kamerasysteme mit zugehörigen Scheinwerfer-Varianten,
  • verschiedene Audiosysteme mit professionellen Mikrophonen und schallschluckender Peripherie,

im Detail kennen und natürlich über die regelmäßigen Neuerungen auf dem Laufenden bleiben und zwar auf allen Ebenen. Ich glaube nichts ist besser geeignet, technisches Versagen sicherzustellen.

3.     Schreiben Sie sich für ein kostenloses Webinar ein.

Ein sicheres Verfahren, praktische Erkenntnisse zu vermeiden, ist die Teilnahme an kostenlosen Webinaren. Dabei sind besonders automatisierte Webinare zu empfehlen, die den Eindruck vermitteln, es handele sich um eine Live-Veranstaltung. Sie erkennen sie daran, dass sie zufällig in ca. 10-15 Minuten beginnen.

Sie können sicher sein, am Ende vor allem die weiterführenden vorzugsweise höherpreisigen Angebote des Webinar-Leiters kennengelernt haben. Anderes wird ihnen aus den weiter oben beschriebenen „5 Tipps für …“-Artikeln bekannt vorkommen. Aber das ist keinesfalls schädlich. Wissen wir als Lernexperten doch, dass vieles erst hängen bleibt, wenn es angemessen oft wiederholt wurde.

4.     Buchen Sie einen Kurs „Remote Facilitation“.

Wollen Sie im weiteren Verlauf Ihren eigenen Ärgerpegel beim Einstieg in die virtuelle Welt von Live-Trainings und -Workshops erhöhen, bieten sich kostenpflichtige Kurse an. Besonders geeignet sind Kurse, die Ihnen versprechen, Sie in drei bis sechs Stunden fit für eigene Trainings und Workshops zu machen. Sie sollten nicht weniger als 100 €, besser noch ca. 400 € kosten. Schließlich ist es wichtig, ein bisschen Geld nutzlos aus dem Fenster zu werfen.

Empfehlenswert sind auch Live-Kurse, die mittels ausgereifter Vortragstechnik über mehrere Tage verteilt in die Einstellvarianten einzelner Systeme, wie Zoom oder Mural, einführen. Dabei kommen dann auch eigene Praxisanteile nicht zu kurz, etwa wenn auf einem Whiteboard eine Aufgabe zu lösen ist. Wie war ich froh, dass ich bei dieser Gelegenheit endlich, endlich und nach langer Zeit wieder in die Umkehrmethode eingeführt wurde. War ich mir doch nie ganz sicher gewesen, ob ich sie in den letzten zwanzig Jahren methodisch korrekt eingesetzt hatte. Hat zwar jetzt nichts mit der virtuellen Welt zu tun, aber immerhin.

Wenn jemand konkrete Hinweise möchte, könnte ich den einen oder anderen Kurs empfehlen.

5.     Vermeiden Sie es unbedingt, eigene Konzeptideen praktisch auszuprobieren.

Schließlich möchte ich nachdrücklich und in aller Deutlichkeit auf eine große Gefahr für die eigene ablehnende Haltung gegenüber virtuellen Live-Workshops und –Trainings hinweisen. Vermeiden Sie es unbedingt, eigene praktische Experimente zu machen und Erfahrungen zu sammeln. Tun Sie’s doch, laufen Sie Gefahr, die ablehnende Haltung gegenüber virtuellen Workshops und Trainings womöglich aufgeben zu müssen. Denn – und das ist die schlechte Nachricht – es geht eine ganze Menge. Ich musste beispielsweise erleben, dass eine Traumreise durch das „Haus der Veränderungen“ mit Kopfhörer auf den Ohren hervorragend funktioniert hat, dass trotz physischer Ferne sogar Prototyping in einer Ideation-Session geglückt ist. Und wenn das Experiment schief läuft, wie es mir in einer Sequenz agilen Arbeitens widerfahren ist, laufen Sie Gefahr auch noch Spaß am Scheitern zu entwickeln.

Das will ich Ihnen nicht zumuten. Das könnte dazu führen, dass Sie positive Erfahrungen mit diesem seltsamen Medium machen. Und das gilt es schließlich mit aller Macht zu verhindern. Aber da habe ich volles Vertrauen in die tiefgreifende Wirkung von Glaubenssätzen.

Sollten Sie sich allerdings wider erwarten, der Gefahr eigener Erfahrungen des heiteren Scheiterns aussetzen wollen, klicken sie einfach auf diesen Button.

Foto 1: Jo Szczepanska auf Unsplash, Fotos 2 und 3: Ryan McGuire auf Gratisography, Foto 4: geschaeftswarenladen

Über den Autor Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen. Als gelernter Politologe und seit 1990 in beratenden Berufen tätig, ist er als Geschäftsführer des Geschäftswarenladens für den Überblick und das Ganze und für das Vorankommen zuständig.

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