Wie MyCle in der Flüchtlingskrise half – eine Geschichte aus dem Jahr 2020

Wie MyCle in der Flüchtlingskrise half – eine Geschichte aus dem Jahr 2020

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Lieber Mounsif,
erinnerst Du Dich noch an den Oktober 2015? Es war die Zeit, zu der in Deutschland die Herausforderungen der andauernden Flüchtlingswelle realisiert wurden. Es war die Zeit, in der sich die Gesellschaft zu teilen drohte: in diejenigen, die vor den Risiken warnten und Angst verbreiteten, und in diejenigen, die blauäugig nur auf die Chancen geschaut haben, die die Neuankömmlinge böten. Einen gesunden Realismus, geschweige denn ein tragfähiges Konzept gab es nicht.

Gemeinsam mit Nadir war die Idee entstanden, MyCle zu modifizieren. Wir fragten uns, was zu ändern war, um ihn für die Flüchtlingsarbeit einzusetzen?

RettungEs entstand eine Version, die sehr einfach durch haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter vor Ort in den Kommunen eingesetzt werden können, um verschiedenste Aspekte der Flüchtlingsarbeit zu betrachten.

  • Für die Kommunen bot MyCle die Möglichkeit eine „Geschichte“ zu entwickeln, wie sie Flüchtlinge integrieren wollen. Welche Voraussetzungen und welche Anforderungen waren an die Integrationsbereitschaft der neuen Mitbürger zu stellen? Was könnten, sollten und müssten sie selbst einbringen.
    Die resultierende Klarheit erlaubte es den Kommunen den enormen Druck zu bewältigen. Sie konnten eine klare Strategie und pragmatische Umsetzungsansätze entwickeln. Frust, Unverständnis und Angst konnten durch Verständnis und transparente Kommunikation ersetzt werden.
  • Für die Betreuungskräfte schuf MyCle die Möglichkeit, unterschiedliche Perspektiven der Beteiligten (Kommune, Bürger, Flüchtlinge, Hilfsorganisationen, Unternehmen etc.) einnehmen und verstehen zu können. Betreuungskräfte konnten ermächtigt werden, gegenseitiges Verständnis zu fördern, vermittelnd und steuernd in Konflikte einzugreifen und sie sogar zu vermeiden, kurz: die Integrationsbasis zu bauen.
  • Für die Flüchtlinge entstand die Möglichkeit, das Erlebte zu verstehen und einzuordnen. Vielen gelang eigener_Beitrages, sich ein Bild der (noch) ungewissen eigenen Zukunft zu machen, zu erkennen, was machbar war und was sie selbst dafür tun mussten. Vor allem aber erkannten sie, wie man ein nutzbringendes Mitglied der neuen Gemeinschaft werden kann.

Am Anfang wurden wir belächelt – und teilweise auch beschimpft. Aber die Ergebnisse überraschten – zumindest auf den ersten Blick.

Die Kommunen und Helfer waren überrascht, ein Mittel zu finden, das die Entwicklung von Gemeinsamkeiten und gegenseitiges Verständnis bewirkte.

Die Flüchtlinge waren überrascht, weil sie erkannten, was sie selbst als Mitbürger einer neuen Gesellschaft einbringen mussten und wo sie sich (mental) verändern müssen.

Wir waren überrascht, dass MyCle – ursprünglich für Strategieprozesse in Unternehmen entwickelt – in der leicht modifizierten Fassung einen so wesentlichen Beitrag bei der Integration unserer neuen Mitbürger stiften konnte.

P.S.: Diese Flüchtlingsversion von MyCle bereiten wir gerade in Zusammenarbeit mit mehreren Migranten und deren Organisationen vor, um sie Kommunen und Hilfsorganisationen anbieten zu können. Eine erste Idee besteht darin, die Aufgabenstellungen in Zusammenarbeit mit Muttersprachlern ins arabische und englische zu übersetzen. Damit gäbe es eine Ausgabe, die drei Sprachen auf einem Dokument vereint. Das schafft im Bearbeitungsprozess Transparenz, hilft beim Erlernen der Sprache und bei der Definition der neuen, eigenen Lebensgeschichte in einer neuen und fremden Umgebung. Mehr Ideen sind sehr willkommen.

P.S.2: Nebenbei sei noch erwähnt, dass ich die Form des Briefes „zurück aus der Zukunft“ deshalb gewählt habe, weil er eine Möglichkeit des Einstiegs in die Arbeit  mit MyCle ist.

 

Über den Autor

Steffen Moldenhauer ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens, Interimsmanager und Sanierungsexperte.

Als gelernter Banker und mit 15 Jahren Management-Erfahrung in Konzernen und mittleren Unternehmen trägt er wesentlich dazu bei, dass die Zahlen stimmen.

Warum Strategiearbeit Unschärfe braucht

Warum Strategiearbeit Unschärfe braucht

Gipfel

 

Sie hatten vor zwei Jahren einen Leitsatz formuliert, der ihnen Identität geben sollte. Nach zwei Tagen heftiger und kontroverser Diskussion haben sie sich als das „Premium unserer Marke“ definiert. Nun wollten sie überprüfen, wie weit sie gekommen sind. Hatten sie erreicht, was sie sich vorgenommen haben? Hat der Leitsatz Orientierung gegeben und weitergeholfen? Die Selbsteinschätzung war eher kritisch. Es schien wieder die übliche Umsetzungslücke entstanden zu sein. Die konkrete Abfrage brachte aber ein völlig anderes Ergebnis. Ca. 80% der Vorhaben waren realisiert worden – und zusätzlich noch einiges mehr. Was war geschehen? Wie konnte die Selbstwahrnehmung so sehr danebenliegen?

Um das zu erklären, muss ich etwas weiter ausholen. Das Tochterunternehmen eines Mehrmarkenkonzerns war vor ca. drei Jahren gegründet worden. Sie sollten ein neues Produkt in den Markt bringen, das für die eigene Marke eher ungewöhnlich war. Es war von Anfang an quasi als die „S-Klasse“ der Produktpalette angelegt worden. Das war sehr ungewöhnlich, da für Premium andere Marken des Hauses zuständig waren. Und mit der eigenen Marke wird eher solide „Hausmannskost“ denn ein Premium-Produkt verbunden.

Nachdem das erste Jahr von Pionierarbeit eines aus mehreren Konzernbereichen zusammengewürfelten „Haufens“ geprägt war, ging es im zweiten Jahr um Konsolidierung und die Entwicklung einer eigenen Identität. Sie sollte Rahmen und Handlungshilfe für die konkrete Arbeit vor Ort werden. Denn es galt eine schwierige Aufgabe zu erledigen, die üblichen Ansätzen zuwider lief.

1_WarumDie Führungsmannschaft schloss sich zwei Tage mit einem Moderator ein und arbeitete an einem gemeinsamen Verständnis der eigenen Identität – zwei Tage mit viel Kreativität und Spaß auf der einen und heftigen und kontroversen Diskussionen auf der anderen Seite. Begriffe wurden geklärt, Rahmenbedingungen ausgeleuchtet und unterschiedliche Perspektiven auf Gemeinsamkeiten, Prioritäten und mögliche Kompromisse geprüft. Schließlich wurde alles in einem Satz kondensiert: „Wir sind das Premium unserer Marke.“ (Die reale Fassung klingt deutlich weniger seltsam.) Für den einen bedeutete das: „Wir etablieren Premium in unserer Marke.“, für die andere: „Wir schaffen für Kunden ein Premium-Erlebnis.“ Nach den sehr intensiven Diskussionen hatte das jeder verstanden, für das eigene Fachgebiet genauso wie für die der anderen.

Dann kam der Alltagstest. Am darauffolgenden Montag begann der übliche Trott. Irgendwie war nie genug Zeit. All die guten Ideen schienen unterzugehen. Das übliche Defizit in der Umsetzung eben.

Und doch geschah eine Menge, wie sich zwei Jahre später herausstellte. Alle liefen in die gleiche Richtung. Alle waren in der Lage, Schwierigkeiten aus der Welt zu schaffen oder Hindernisse zu überwinden. Das gelang auch, wenn sich Rahmenbedingungen veränderten oder Umwege erforderlich wurden. Denn Sinn und Perspektive waren klar beschrieben, nachvollziehbar und boten Orientierung für die tägliche Arbeit. Das geschah so selbstverständlich, dass die handelnden Personen sich dessen oft gar nicht mehr bewusst waren – daher die grobe Selbstunterschätzung.2_Was-ist-anders

Bis hierher ist alles noch im normalen Rahmen. Ich befinde mich vollkommen im Mainstream des vorherrschenden Strategiedenkens. Das Ziel ist klar. Jetzt geht es nur noch darum, es zu realisieren. Nicht von ungefähr kommen an dieser Stelle in der einschlägigen Literatur Abenteurer- und Bergsteiger-Metaphern zum Einsatz. Wenn man sich durch den „Strategie-Dschungel“ gekämpft hat, also die Strategie erst erarbeitet hat, muss man sich nochmal ins „Kloster des Durchdenkens“ zurückziehen, um die Strategie herunter zu brechen. Aber dann geht es ins Basislager, um schließlich den Gipfel zu erstürmen (Dieses Beispiel findet sich bei: Michael Kolbusa, Der Strategie-Scout, Gabler-Verlag, Wiesbaden 2012.). Sehr gerne wird an dieser Stelle auch Laotse zitiert: „Nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg.“ Die Idee dahinter: Ziele lassen uns unser Tun fokussieren – im geschäftlichen Leben in der Regel ein riesiger Vorteil.

Trotzdem ist es Unsinn. Columbus hatte ein klares Ziel vor Augen, als er Spanien verließ. Wie wir heute wissen, erreichte er dieses Ziel nicht wirklich. Trotzdem legte seine Entdeckung die Grundlage für großen Reichtum Spaniens. War das jetzt ein Misserfolg?

Im Fall unserer Konzerntochter ist ähnliches geschehen. Das Leben hat zugeschlagen. Unterwegs haben sich grundlegende Rahmenbedingungen verändert. Plötzlich hat eine Lawine das Basislager zerstört – um im Bild zu bleiben. Ein Erdbeben hat neue Gletscherspalten geöffnet, die mit den vorhandenen Mitteln nicht mehr zu überwinden waren. Und trotzdem sind sich alle einig, gut voran gekommen zu sein. Warum? Weil die Unschärfe des Leitsatzes Flexibilität enthielt und alternative Optionen eröffnete.

3_UnschaerfeWenn es mir darum geht, genau den einen Gipfel zu erklimmen, weil ich ihn unter großen Mühen im Strategie-Dschungel definiert habe, muss ich erst das Basislager wieder aufbauen. Ich brauche neues und besseres Equipment, um die Gletscherspalten zu überwinden. Gehen mir zwischendurch die Ressourcen aus, Pech gehabt. Will ich aber die Schönheit der Aussicht genießen und die Genugtuung über das Erreichte erleben, darf es auch ein anderer Gipfel werden. Ich bleibe flexibel, kann schnell umsteuern und trotzdem erreichen, worum es eigentlich geht.

Strategiearbeit muss über den Sinn eigenen Tuns nachdenken und eine Vision entwickeln. Sie muss die Frage beantworten, warum ich auf einen Berg will. Sie muss ein Bild generieren, was auf dem Berg anders ist als vorher. Aber muss es unbedingt der ganz spezielle Berg sein? Ich meine, in einer Welt, die sich immer schneller dreht, die immer unstetiger wird, tue ich gut daran, eine gewisse Unschärfe zuzulassen und erst unterwegs festzulegen, welcher der richtige Gipfel ist.

 

Über den Autor

Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen.

Als gelernter Politologe und seit 1990 in beratenden Berufen tätig, ist er gemeinsam mit Steffen Moldenhauer als Geschäftsführer des Geschäftswarenladens für den Überblick und das Ganze und für das Vorankommen zuständig.
Jazz oder nie – Erfolg und Wachstum managen

Jazz oder nie – Erfolg und Wachstum managen

1Einstieg

 

Das war mal ein Erlebnis. Vor ein paar Monaten bekam ich einen Anruf meines alten Freundes Sebastian. Er ist seit vielen Jahren ein international gefragter Musiker und Unternehmer in der Szene. Eines seiner letzten Projekte ist eine sehr erfolgreiche Festivalreihe, die sich zum Ziel gesetzt hat, Jazz mit klassischer und elektronischer Musik zu verbinden. Dafür hatte er ein kleines und sehr engagiertes Team um sich geschart. Mit vielen kreativen Ideen und großem Einsatz haben sie xjazz geschaffen – etwas völlig Neues im Berliner Kulturbetrieb. Nach Abschluss des zweiten, sehr erfolgreichen Festivals standen sie vor neuen Herausforderungen. Wie wollten sie mit dem Erfolg und dem damit verbundenen Wachstum umgehen?

Die Herausforderung

xjazz war ein Riesen Erfolg, weit über die Erwartungen hinaus. Die Folge: plötzlich trafen zahlreiche Anfragen aus anderen Städten und Ländern ein. Auch sie wollen ihre Attraktivität mit Hilfe eines xjazz-Festivals verbessern. Auf den ersten Blick war also alles gut. Nur hatte das Team keine Erfahrung, das eigene Konzept skalierbar zu gestalten und von den bisher handelnden Personen unabhängig zu machen. Das war der Punkt an dem ich ins Spiel gekommen bin: Sebastian hatte mich um meine Expertise gebeten.

Der Lösungsansatz

2MaterialNach einem längeren Gespräch haben sich alle Beteiligten ein Experiment mit MyCle geeinigt. Das Team musste an der Strategie und an der Gestaltung des Geschäftsmodelles arbeiten. Das Mittel der Wahl war ein gemeinsamer Workshop über zwei Tage.  Da es auch um eine neue Gesellschafterstruktur gehen sollte, wurde ich gebeten als „neutrale“ Instanz die Moderation zu übernehmen. Das war gar nicht erforderlich, wie sich im Laufe des Workshops herausstellte. Der Rahmen und die Aufgabenstellungen, den MyCle vorgibt, reichten völlig aus.

  • Position 1 – das ist in der Terminologie von MyCle die erste Aufgabe: Alle Teilnehmer hatten im Vorfeld einen Brief aus der Zukunft geschrieben, in dem sie ihre Erlebnisse und geschäftlichen Erfolge der vergangenen Jahre beschrieben hatten.
  • Position 2: Wir haben die Briefe mit Hilfe der Analysewerkzeuge von MyCle in Einzelteile zerlegt und damit wesentliche Erkenntnisse über die Situation der Firma, die Bedürfnisse und Werte des Teams, die Besonderheiten des Geschäftsmodelles und die Vision der Schreiber erhalten.
  • Position 3: Wir haben die Erkenntnisse gemeinsam bewertet und daraus ein Strategie-Radar abgeleitet.
  • Position 4: Anhand des Radars haben wir gemeinsam definiert, wo nachzuarbeiten ist. Das war die Grundlage für
  • Position 1´: die neue, gemeinsame Geschichte. In der neuen Geschichte haben wir das neue, skalierbare Geschäftsmodell detailliert beschrieben.
  • Position 5: Anschließend wurden daraus die notwendigen Aufgaben und Verantwortlichkeiten abgeleitet, um das neue Geschäftsmodell schnell und erfolgreich umzusetzen.

Das Fazit3Arbeit

Ich war fasziniert wie einfach und energiegeladen das Ganze abgelaufen ist. Erwartete Spannungen sind nicht aufgetreten, obwohl die ja der Grund waren, mich als Moderator zu engagieren. Nicht einmal bei der Neuverteilung der Geschäftsanteile, die diskutiert und beschlossen wurden, musste ich eingreifen.

Das Feedback

Das Feedback war entsprechend.

Sebastian: „Ich hätte nicht gedacht, dass wir es schaffen, innerhalb von zwei Tagen ein fertiges Konzept mit Verantwortlichkeiten und neuer Gesellschafterstruktur zu erarbeiten und zu beschließen. Beim Mittagessen an Tag zwei war ich noch unschlüssig, ob wir all die Einzelteile, jemals wieder zu etwas Ganzem zusammenfügen können. Ich war dann total geplättet, dass wir – nicht zuletzt wegen der tollen Impulskarte – innerhalb von 3 Stunden gemeinsam einen neuen Blickpunkt erlangt und unser Geschäftsmodell neu definiert haben. Es war faszinierend, wie einfach und schnell das funktioniert hat. MyCle ist Jazz!“

Paul: „Ich hätte nicht gedacht, dass wir mit dem gleichen Spaß und Engagement an ein so trockenes Thema wie Strategie und Geschäftsmodell rangehen. Schon gar nicht, dass wir es so schnell gelöst bekommen.“

Neugierig auch einmal so ein Erlebnis zu haben? Testen Sie MyCle.

 

Über den Autor

Steffen Moldenhauer ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens, Interimsmanager und Sanierungsexperte.

Als gelernter Banker und mit 15 Jahren Management-Erfahrung in Konzernen und mittleren Unternehmen trägt er wesentlich dazu bei, dass die Zahlen stimmen.

Wie Mathematik zu Kunst und doch kein profitables Geschäft wird

Wie Mathematik zu Kunst und doch kein profitables Geschäft wird

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„Hallo Andreas,
hat Spaß gemacht, dich mal wieder zu sehen. So hatte die halbstündige Verspätung des Zuges sogar noch einen Sinn. Leider bin ich trotz Verspätung nicht dazu gekommen, dir die Geschichte meiner Galerie zu erzählen. Das hole ich jetzt auf diesem Weg einfach nach. Die Idee, eine Galerie – und dann auch noch eine für zeitgenössische afrikanische Malerei – ist aus einer Freundschaft entstanden. Vor ca. 6 Jahren lernte ich Abdoulaye Guissé, einen Künstler aus dem Senegal, kennen und seine Bilder lieben. Und in einem Moment großer Euphorie versprach ich, seine Werke zu verkaufen. Guissé kam nach Berlin. Wir luden Freunde und Bekannte ein und präsentierten seine Bilder. Das Ergebnis waren einige Verkäufe, die geradezu nach mehr verlangten. Wir fuhren in den Senegal, lernten weitere Maler kennen und kauften ein….“

So beginnt mein Brief an einen Vertrauten, den ich schrieb, um mir mit Hilfe von MyCle – dem Geschäftsverstärker über die Zukunft meiner Galerie „african-painters“ klar zu werden. Sechs Jahre lang war es mir nicht gelungen, das Ding zum Laufen zu bekommen. Gelernt hatte ich viel. Inzwischen habe ich eine Ahnung, wie das Geschäft funktioniert. Aber reichte das, aus einer in Deutschland höchst ungewöhnlichen Spezialisierung ein profitables Geschäft zu machen?

complex_spiralDie Fertigstellung von MyCle kam genau im richtigen Moment. Es musste etwas passieren. Einerseits drohte ein erhebliches finanzielles Risiko. Andererseits begannen die ersten Blätter eines kleinen, aber vielversprechenden Pflänzleins zu sprießen – ein Kunstraum, in dem die ganz eigene Mathematik eines nigerianischen Mathematikers und Journalisten von einer Reihe sehr spannender Künstler gewandelt wurde. Ich schrieb also – wie im MyCle-Zyklus vorgesehen – einen Brief an einen Vertrauten, den ich seit einigen Jahren nicht mehr gesehen hatte. Anschließend analysierte ich den Brief mit MyCle’s Werkzeugen.

Die Analyse brachte eine Überraschung und einen klaren Schwerpunkt. Die  Überraschung: ich konnte zunächst die Frage nach dem Sinn der Galerie-Tätigkeit nicht beantworten. Warum hatte ich die Galerie gegründet? Warum bin ich so lange dabei geblieben? Was hat mich angetrieben, soviel Energie hineinzustecken? Warum sollte ich sie weiter führen? Ich musste lange nachdenken, um dahinter zu 3Radarchart_african-painterkommen. Es sind diese einzigartigen Menschen, gleichzeitig unglaublich kreativ, intellektuell anregend und – in meiner Wahrnehmung – scheinbar hilflos. Was für eine tolle Verbindung von geistiger Auseinandersetzung und Anstachelns meines Helfersyndroms. Es schien, als könnte ich anderen mit meinen Fähigkeiten helfen.

Der Schwerpunkt des Briefes unterschied sich davon klar und deutlich. Mir fehlten (fast) alle Ressourcen, die für dieses Geschäft erforderlich sind. Ich hatte kein künstlerisches oder kunsthistorisches Know How. Ich verstand zu Beginn das Geschäftsmodell der Galerien nicht. Ich hatte keinen Zugang zu den wichtigsten Multiplikatoren in diesem Geschäft, den Kuratoren. Und außer meinem Cousin kannte ich keinen einzigen Sammler. Das wäre vielleicht mit finanziellen Mitteln auszugleichen gewesen, indem ich entsprechenden Sachverstand einkaufte. Aber die standen nicht zur Verfügung. Zu allem Überfluss drohte auch noch ein nicht unerhebliches finanzielles Risiko, dass es abzuwenden galt. Kurzum: es fehlte eigentlich an allem.

Sinn_300pxDas Resümee hätte deutlicher nicht ausfallen können: Wenn ich mir gegenüber ehrlich bin, muss ich erkennen, dass ich den Künstlern mit meinen derzeitigen Ressourcen nicht helfen kann. Entweder ich mache es richtig, oder ich lasse es. „Es richtig machen“ würde heißen, ich gebe meinen Broterwerb auf, stürze mich ins Galeriegeschäft, besorge über alle möglichen Kanäle Geld und suche einen ausgebildeten Kurator als Partner oder Angestellten. Ein niederschmetterndes aber deutliches Ergebnis: Der Sinn war in sich zusammengefallen, und die Ressourcen fehlten.

Eigentlich gab es nur eine vernünftige Entscheidung. MyCle stand nach zwei Jahren Entwicklungszeit kurz vor der Fertigstellung. Das ist mein Turf. Hier arbeitete ich bereits in einer gut funktionierenden Gruppe mit extrem fähigen Leuten. Hier kann ich meine Fähigkeiten viel besser einsetzen. Trotzdem war es schwer, african-painters aufzugeben. Sechs Jahre Arbeit mit Herzblut sollten sich in Nichts auflösen. Da gab es emotional einiges zu verarbeiten.

Heute weiß ich, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. MyCle – der Geschäftsverstärker ist fertig. Er aufgeben_300pxist richtig gut geworden. Er entfaltet seine Wirkung und hat in der Zwischenzeit nicht nur mir geholfen, Gewissheit für den nächsten Schritt zu erlangen und die Perspektive richtig zu setzen.

Nachtrag: Zwei Dinge will ich nicht unerwähnt lassen, weil sie zu der Geschichte gehören. Der „Flow of the Zero Spiral“-Kunstraum schien zunächst weiter zu funktionieren. Dann erlitt Lere Shakunle, der Mathematiker mit der großen Affinität zur Kunst, einen schweren Schlaganfall an dem er schließlich verstarb. Ohne ihn, den Spiritus Rektor, hatte das zarte Pflänzlein keine Chance. Der zweite Nachtrag ist von erfreulicherer Art. Es gibt ein einmaliges Nachspiel von african-painters. Die verbliebenen Bilder müssen den derzeitigen Lagerort verlassen. Das wollen wir nutzen, um Ende August eine Art „Tupperware-Party“ zu veranstalten. Im privaten Rahmen werden die Bilder ein letztes Mal gezeigt und können zu vermutlich sehr günstigen Preisen erstanden werden. So schließen wir ab, wie wir begonnen haben – im privaten Kreis und in Anwesenheit von Abdoulaye Guissé, dem senegalesischen Maler, von dem bereits am Anfang die Rede war.

Lere_und_Abdoulaye

Im Gedenken an Lere Shakunle, einen Großen seiner Art.

 

Über den Autor

Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen.

Als gelernter Politologe und seit 1990 in beratenden Berufen tätig, ist er gemeinsam mit Steffen Moldenhauer als Geschäftsführer des Geschäftswarenladens für den Überblick und das Ganze und für das Vorankommen zuständig.

 

Was macht ein Elephant im Café? – ein Impuls

Was macht ein Elephant im Café? – ein Impuls

Impulskarten

 

Meikes kleines Café lief seit längerem nicht mehr so gut. Das nahm ein Freund zum Anlass, ihr eine MyCle-Box zu schenken. Er wollte ihr ein Werkzeug geben, mit dem sie selbst Wege aus der Krise finden konnte. Meike freute sich sehr über diese Geste und machte sich an die Arbeit.

Meikes Geschichte:

So, da liegt sie vor mir, meine MyCle-Box. Meine Geschichte habe ich mit Hilfe der MyCle-Aufgaben anschaulich beschreiben können, mein Geschäftsmodell bestmöglich dargestellt. Ich wollte noch mehr Studenten auf 450 Euro-Basis beschäftigen, um Kosten zu sparen. Auch im Wareneinkauf könnte ich sparen. Es würde auch mit günstigeren Kaffeebohnen gehen, und die Auswahl an Kuchen wird am Tiefkühlangebot von Metro ausgerichtet. Verdirbt nicht so schnell und ist günstiger. Aus meiner Sicht hat also alles gepasst.

Und dann kam dieser „Elephanten-Impuls“ und hat mich erstmal verunsichert! Zuerst dachte ich, was soll diese komische Frage.

Was hat ein Elephant mit meinem kleinen Café zu tun?Elefant

Frustriert habe ich mir erst mal einen Kaffee gemacht – und mich dann doch auf diesen Impuls eingelassen.

Das Ergebnis war eine wirkliche Überraschung für mich. Aber der Reihe nach, was war passiert?

Ich habe mal nachgeschlagen, was neben Größe und Gewicht sonst noch so typische Elephanten-Eigenschaften sind. Dann habe ich mich gefragt, was wäre, wenn ich als Elephant zu Gast in meinem neuen „Spar-Café“-Konzept wäre. Das fand ich nicht einladend:

  • Als sensibler Elephant fühlte ich mich von den gelangweilten, unaufmerksamen und nicht wirklich an mir als Gast interessierten Bedienungen schlecht behandelt. Bestimmt ein Grund, nicht wieder zu kommen.
  • Als Feinschmecker mit ausgeprägtem Geschmackssinn war mein Gaumen von der Qualität der Produkte enttäuscht. Meine Intelligenz sagte mir, dass ich in diesem Café übervorteilt werde, dass das Preis-Leistungsverhältnis nicht passt. Und als kommunikative Person lasse ich diese negativen Erfahrungen auch meine Freunde und Bekannte wissen.

Die nächste Frage, die ich mir gestellt habe, war: Was wäre, wenn ich als Elephant mein Café führe.

Das Ergebnis war völlig anders:

  • Als sensibler Elephant lege ich Wert auf Aufmerksamkeit und Freundlichkeit gegenüber Gästen. Also sorge ich als intelligenter Elephant für gutes Fachpersonal. Das kostet zwar auf den ersten Blick mehr, rechnet sich aber mehrfach:
    Gute Bedienungen …

    • sorgen für eine intensive Bindung (neuer) Stammkunden.
    • können im Café viel flexibler und selbstständiger eingesetzt werden, so dass ich mich mehr um neue Gäste, Marketing und die administrativen Pflichten kümmern kann. Das spart mir viel Geld z.B. beim Steuerberater.
    • bekommen mehr weggearbeitet, so dass ich auch weniger Personal benötige.
    • kurbeln den Verkauf an Gäste an, da sie aufmerksam beobachten, wer was wann braucht. Sie sind aktiv, nicht reaktiv.
  • Als Feinschmecker habe ich erkannt, dass die gute Qualität wichtiger ist, als die Quantität. Ergo wurden die Kuchen- und Kaffeeportionen geringfügig kleiner – ohne, dass es Proteste gab, denn die Qualität und der Service rechtfertigen den Preis.
  • Als intelligenter Elephant habe ich mich noch mit Farb- & Gestaltungskonzepten auseinander gesetzt, die für wenig Geld schnell und einfach ein einladenderes Ambiente schaffen.

ImpulskarteUnter dem Strich wich das „Elephantenkonzept“ komplett von meinem „Spar-Café“-Konzept ab. Es fühlte sich viel besser an. Also habe ich mich für den Elephanten entschieden.

Meike geht an die Arbeit:

Die nächsten Schritte waren schnell klar. Ich habe mit meinem Vermieter und mit meinen Lieferanten das neue Konzept diskutiert und um Unterstützung bei der Umsetzung gebeten. Der Vermieter machte mir einen tollen Vorschlag. Er hat mir einen neuen Mietvertrag angeboten. Die Miete wurde um 10% gesenkt. Im Gegenzug erhält er eine 10% Umsatzbeteiligung.

Das neue Personal hat sich schon nach zwei Monaten durch mehr Umsatz und deutlich mehr Stammkunden bezahlt gemacht. Sie arbeiten sehr selbständig, und ich kann mich um neue Produkte und eine bessere Vermarktung kümmern.

Meikes Fazit:

MyCle hat mir ermöglicht auf einfache Weise meine Probleme zu erkennen. Ich konnte mit MyCle verschiedene Varianten austesten und auf Fehler prüfen. Durch den interessanten Perspektivwechsel (Elephant) war ich gezwungen übliche Denkmuster zu hinterfragen und neue Möglichkeiten zu entdecken. Es hat mir geholfen mein Geschäft auf neue, stabile Beine zu stellen.

Danke, MyCle.

 

Über den Autor

Steffen Moldenhauer ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens, Interimsmanager und Sanierungsexperte.

Als gelernter Banker und mit 15 Jahren Management-Erfahrung in Konzernen und mittleren Unternehmen trägt er wesentlich dazu bei, dass die Zahlen stimmen.