Drei Tritte in den Hintern und die Überzeugung, was jetzt richtig ist

Drei Tritte in den Hintern und die Überzeugung, was jetzt richtig ist

„Wissen Sie, konzeptionell habe ich mir mehr von Ihnen versprochen. So wie Sie hier aufgetreten sind, habe ich jedoch die Vermutung, Sie wissen nicht, was Sie wollen. Deshalb tut es mir leid, aber ich muss Ihnen leider absagen.“

Ich hatte meinen schlechtesten Auftritt „ever“ in einem Vorstellungsgespräch hingelegt. Mein Gegenüber hatte recht. Ich war mir nicht sicher. Sollte ich wieder eine Festanstellung suchen und meine gerade gewonnene Freiheit der Freiberuflichkeit wieder aufgeben oder nicht?

Einige Tage später kam der nächste Fingerzeig. Aus einem Gespräch über Kooperationsmöglichkeiten war unvermittelt eine Coaching-Session geworden. Ich hatte offensichtlich so viel Unsicherheit ausgestrahlt, dass meine Gesprächspartnerin immer weiter bohrte, um herauszufinden, was ich eigentlich wollte. Nur auf weniges konnte ich antworten.

Schließlich eine klare Ansage. „Du musst Dir klar werden, was du willst, sonst kann ich nichts für Dich tun.“ Der Geschäftsführer eines Beratungsunternehmens, der mir bis dahin vereinzelt Moderationsaufträge weitergereicht hatte, war angesichts meiner Unbestimmtheit zunächst ungehalten und dann deutlich geworden.

Binnen einer Woche hatte ich drei Tritte in den Allerwertesten bekommen. Auch wenn es schmerzte, ich habe sie gebraucht. Meine Unbestimmtheit war der Grund dafür, dass ich weder das eine, eine Festanstellung, noch das andere, Aufträge als Freiberufler, realisierte. Meine Angst vor der fehlenden Verlässlichkeit der freien Berufe einerseits und mein Unwillen vor seltsamen Chefs in der Festanstellung andererseits haben mich kirre gemacht.

Selbständigkeit? Eine schwierige Entscheidung

Heute weiß ich, dass es anderen in dieser Situation ähnlich geht. Die Frage des Aufbruchs in die Selbständigkeit ist eine der besonders schwierigen Entscheidungen im beruflichen oder geschäftlichen Leben. Die Enge des beruflichen Alltags zwängt uns ein. Gleichzeitig ist die Ungewissheit der Zukunft beängstigend.

Die Entscheidung ist umso schwieriger, weil sie nicht so einfach revidierbar scheint. Wenn ich meine Festanstellung aufgebe, kann ich in den seltensten Fällen einfach wieder zurück in den alten Job. In der Regel würde das auch nicht funktionieren. Ob ich alternativ einen adäquaten neuen Job fände, ist auch nicht gesagt. Wer nimmt in Deutschland schon einen, der als Selbständiger versagt hat? Die sind doch gar nicht in der Lage, sich wieder in eine „normalen“ Arbeitskontext einzuordnen.

Der Plan

Hört sich bekannt an? Dann wird es Sie vielleicht interessieren, wie ich aus dieser tendenziell deprimierenden Situation herausgekommen bin. Zunächst muss ich hinzufügen, dass es zum damaligen Zeitpunkt nicht nur beruflich nicht lief. Privat entschied sich die Frau, mit der ich die letzten 16 Jahre zusammengelebt habe, eigene Wege zu gehen. Es kam also alles zusammen. Umbruch und Neuanfang war angesagt.

Bei mir reichte die gebündelte Energie dreier Tritte in den Hintern. Ich kam nicht daran vorbei, dass ich da was zu klären hatte. Also habe ich alles genutzt, was ich zum damaligen Zeitpunkt in meinem Werkzeugkoffer hatte. Ich habe mich in eine erfolgreiche Zukunft versetzt und versucht eine berufliche und eine private Vision zu entwickeln. Daraus habe ich Ziele abgeleitet und einen umfangreichen Aktivitätenkatalog aufgesetzt. Dann habe ich mir regelmäßige Controlling-Termine in meinen Kalender geschrieben, die zum Teil heute noch aufpoppen.

Es war ein großartiger Plan, nur habe ich mich nicht daran gehalten. Das war aber nicht weiter schlimm. Etwas Anderes war wichtiger. All diese Aktivitäten haben dazu geführt, dass ich für mich eine Entscheidung treffen konnte. Ich bin zwar nicht mit großer Euphorie in die Selbständigkeit aufgebrochen. Es war eher, wie Sascha Lobo es einmal beschrieb: „Eigentlich braucht man, um Unternehmer zu werden, nur einen ganz kurzen Moment etwas weniger Angst als sonst. Und dann geht es von allein weiter und man kann nichts mehr dagegen tun.“

Nachdem ich die Überzeugung gewonnen hatte, was jetzt richtig war, kamen die Aufträge. Woran das lag? Ich weiß es nicht. Vermutlich habe ich deutlich mehr Entschlossenheit und Vertrauenswürdigkeit und deutlich weniger Unsicherheit und Unentschiedenheit ausgestrahlt. Vermutlich war ich auch fokussierter und habe Gelegenheiten erkannt und ergriffen, die ich vorher übersehen habe.

Mein Resumee

Inzwischen bin ich seit 17 Jahren selbständig. Es hat sich immer wieder herausgestellt, dass es vor allem darum geht, eigene Klarheit zu gewinnen. Dabei geht es nicht um richtige oder falsche Entscheidungen. Es geht darum, die Überzeugung zu gewinnen, was jetzt richtig ist. Und das sieht jedes Mal anders aus, abhängig vom jeweiligen Kontext. Heute würde ich mit der Situation anders umgehen – auch und vor allem deshalb, weil wir im geschaeftswarenladen ein Instrument genau für diese schwierigen und richtungsweisenden Entscheidungen entwickelt haben. Aber das ist eine andere Geschichte.

Kennen Sie das auch? Stehen oder standen Sie schon einmal vor einer solchen Situation? Was tun Sie, um diese Überzeugung zu entwickeln? Wenn Sie Lust haben, machen Sie unseren Entscheidungstypen-Test. Kommen Sie sich selbst auf die Spur und entdecken Sie, was Sie brauchen, um aus innerer Überzeugung entscheiden zu können.

<!-- [et_pb_line_break_holder] --><!-- [et_pb_line_break_holder] -->Über den Autor<!-- [et_pb_line_break_holder] -->Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen.<!-- [et_pb_line_break_holder] --><!-- [et_pb_line_break_holder] -->Als gelernter Politologe und seit 1990 in beratenden Berufen tätig, ist er als Geschäftsführer des Geschäftswarenladens für den Überblick und das Ganze und für das Vorankommen zuständig.<!-- [et_pb_line_break_holder] -->
Die 4 schwierigsten unternehmerischen Entscheidungen

Die 4 schwierigsten unternehmerischen Entscheidungen

Auch unter Unternehmern, Freiberuflern und Managern ist die Bereitschaft, sich freiwillig der Unsicherheit und dem Abenteuer auszusetzen, eher die Ausnahme.

Soll ich meinen Ausflug in die Kunstwelt beenden, ja oder nein? Sechs Jahre lang hatte ich mich mit mir vollkommen fremden Welten, dem schwarzen Kontinent und der Kunstwelt, auseinandergesetzt. Sechs Jahre lang war ich unglaublich klugen, spannenden und liebenswerten Menschen begegnet. Nur der wirtschaftliche Erfolg stellte sich einfach nicht ein. Erst der Tod eines lieben Menschen und – in meinen Augen – großartigen Philosophen und großer wirtschaftlicher Druck, ließ mich eine Entscheidung treffen. Ich gab meine Galerie für zeitgenössische afrikanische Malerei auf.
Inzwischen weiß ich, dass ich nicht der einzige bin, dem diese Art der Entscheidung schwerfällt. Etwas aufzugeben, gehört zu den schwierigsten geschäftlichen Entscheidungen, denen wir uns als Selbständige oder Unternehmer stellen müssen.

Qualitative Untersuchung über Entscheidungsverhalten

Vor ca. neun Monaten begannen wir eine qualitative Untersuchung über das Entscheidungsverhalten von Unternehmern, Freiberuflern und angestellten Managern. Wir wollten wissen, welche Entscheidungen ihnen schwerfallen, und welche Lösungsstrategien sie dann verfolgen.
Die Ergebnisse waren nicht wirklich erstaunlich, aber erkenntnisreich.
Wie kaum anders zu erwarten, hielten sich alle drei Gruppen für gute Entscheider. Auf einer Schulnotenskala war die Zwei die schlechteste Note bei der Selbsteinschätzung. Trotzdem gibt es ein paar sehr spezifische Entscheidungssituationen, die unseren Befragungsteilnehmern schwer fielen.

Die (scheinbare) Sicherheit des Bekannten aufgeben

Frodo Beutlin wollte sein geliebtes Auenland nicht verlassen. Es musste schon Großes in Bewegung geraten, um ihn zu veranlassen, als Ringträger eine wichtige Rolle in der Welt zu übernehmen. Er stolperte von einem Abenteuer ins nächste, bis er die ultimative Prüfung bestand und den Ring vernichtete. Erst danach konnte er als gereifter und gewachsener Held in die Heimat zurückkehren.
Nach diesem Muster, der sogenannten Heldenreise, werden viele Mythen gestrickt, nicht zuletzt der des risikobereiten Unternehmers. Das wirkliche Leben ist normalerweise viel profaner. Unternehmer sind im Normalfall glücklicherweise nicht so risikobereit, wie immer wieder beschrieben. Sie achten vielmehr darauf, dass sie sich das Risiko gerade leisten können. So erhalten sie sich die Chance, aus Fehlentscheidungen zu lernen.
Aber eines lässt sich übertragen. Auch den Teilnehmern unserer Befragung fiel es schwer, die (scheinbare) Sicherheit des Bekannten aufzugeben. Soll ich meinen Job hinschmeißen und den Schritt in die Selbstständigkeit wagen? Soll ich ein eingeführtes und bisher ausreichend erfolgreiches Angebot durch ein Neues ersetzen? Soll ich meinen Job wechseln? Diese Fragen haben einem Großteil unserer Befragungsteilnehmer schlaflose Nächte bereitet. Entgegen dem schon erwähnten Mythos ist die Bereitschaft, sich freiwillig der Unsicherheit und dem Abenteuer auszusetzen, eher die Ausnahme. Das bedarf der Anstrengung. Gängige Muster und Routinen sind nicht mehr gültig. Wir müssen nach neuen Lösungen für zum Teil unbekannte Probleme suchen. Wir müssen wieder lernen „langsam“ zu denken, um es in den Kategorien von Daniel Kahneman zu formulieren. Das ist für viele ein großer Schritt aus der Komfortzone. Es ist nicht nur anstrengend, ich muss mich auch noch meinen Ängsten stellen.

Lieb gewordene Vorhaben beenden

Können Sie sich vorstellen, dass der Berliner Flughafen nicht zu Ende gebaut wird? Egal, was es kostet, irgendwann wird er seinen Betrieb aufnehmen. Dessen bin ich mir sicher. Warum? Weil den beteiligten Akteuren die Größe fehlt, ihren Misserfolg und ihr Scheitern einzugestehen. Ein Teilnehmer unserer Befragung hat – auf viel kleinerem Niveau – ein ähnliches Phänomen beschrieben: „Ich habe vor einigen Jahren mein Unternehmen verkauft. Die schwierige Entscheidung war „Verkaufen oder Weitermachen“. „Verkaufen“ war auch ein Stück „Scheitern“.“
Einer großen Gruppe unserer Befragungsteilnehmer und auch mir persönlich ging es genauso. Dafür gibt es inzwischen einen wissenschaftlichen Begriff: die Verlustaversion, auch bekannt als „Sunk Cost“-Effekt. Daniel Kahneman und Amos Tversky bezeichnen damit „die Tendenz, Verluste höher zu gewichten als Gewinne.“ (Wikipedia, Verlustaversion) Der bekannte Spruch, „dem schlechten Geld gutes hinterher zu werfen“ beschreibt das gleiche Phänomen. Es ist schwierig, sich einzugestehen, dass all die Mühen umsonst gewesen sein sollen. Wir machen auch dann weiter, wenn es längst vernünftiger wäre, aufzuhören.

Personalentscheidungen – vor allem Entlassungen

„Siemens will Stellen abbauen – jede Menge. Für die Angestellten ein Schlag in die Magengrube. Allein in Görlitz sollen 720 Menschen ihre Arbeit verlieren.“ Mit diesen Worten beginnt ein Beitrag des Nachrichtenmagazins exakt vom MDR. Die drei Sätze machen das ganze Ausmaß der Schwierigkeiten von Personalentscheidungen, und hier insbesondere von Kündigungen, deutlich.
Insofern ist es nicht verwunderlich, dass auch in unserer Befragung das Thema Personalentscheidungen eine gewichtige Rolle spielt. Die drei Sätze verdeutlichen bereits, worum es geht. Anders als bei den ersten zwei Themen geraten unsere Befragungsteilnehmer bei diesem Problem häufig in Konflikt mit dem eigenen Wertesystem. Sie stellen sich ihrer Verantwortung für ihre Mitarbeiter und suchen lange nach anderen Lösungen. Für viele ist eine Kündigung selbst dann noch ein Problem, wenn die eigene Existenz gefährdet ist. Die Frage dahinter lautet: Habe ich das Recht dermaßen massiv in die Lebenswelt derer einzugreifen, für die ich Verantwortung übernommen habe?

Investitionsentscheidungen

Ein Fehler kann eine Führungskraft den Arbeitsplatz kosten. Deshalb gilt oft: Entscheidungen erst mal breit absichern. (FAZ)
„Der Verantwortungsbereich der Vorstände ist so gewachsen, dass die Topmanager teilweise wie gelähmt sind, aus Angst sich sonst rechtlich angreifbar zu machen“, sagt Michael Hendricks. (Handelsblatt)
Zwei Zitate, die auf den vierten Typ schwieriger Entscheidungen hinweisen. Es geht um Investitionen. Interessanterweise wird dieses Thema fast ausschließlich von angestellten Managern genannt. Ihr Dilemma wird im folgenden Satz aus einem Lehrbuch der Betriebswirtschaft deutlich: „Wer falsche Ziele verfolgt, löst falsche Probleme; wer falsche Maßnahmen ergreift, erreicht seine Ziele nicht.“ (Jürgen Wild, Grundlagen der Unternehmensplanung, 1982) Angestellte Manager werden daran gemessen, die „richtigen“ Entscheidungen zu treffen. D.h., es gilt mit der Investition ein geplantes Ergebnis zu erreichen. Misserfolg ist in dieser Welt nicht etwa eine Lernchance sondern Versagen.

Fazit:

Auch wenn Unternehmer, Freiberufler und angestellte Manager in Entscheidungsfragen sehr von sich überzeugt sind, geraten sie immer wieder in Situationen, die schwierig sind. Das ist der Fall,

  • wenn Ziel-Konflikte zwischen unterschiedlichen individuellen Bedürfnissen einerseits oder zwischen individuellen Bedürfnissen und dem (wirtschaftlichen) Umfeld andererseits auftreten. Etwa, wenn der Wunsch nach Aufbruch und Abenteuer mit dem Wunsch nach Sicherheit streitet oder wenn dem Wunsch, großartigen Künstler zu unterstützen, fehlende Ressourcen in Form von Know-how und Finanzkraft gegenüberstehen.
  • wenn ich mich in Situationen wiederfinde, in denen meine bisherigen Vorstellungen von richtig und falsch nicht mehr passen. Etwa, wenn ich als ehemaliger Gewerkschafter vor der Frage stehen, Abmahnungen auszusprechen oder Mitarbeiter zu kündigen.
  • wenn Fehler nicht zulässig sind und ich durch jede größere Entscheidung die Position gefährde, die ich mir gegebenenfalls über Jahre aufgebaut habe.

Entscheidungen werden immer dann schwierig, wenn mein gewohnter Entscheidungsrahmen nicht anwendbar ist. All die bewussten und unbewussten Kriterien, die meinen Entscheidungen zu Grunde liegen, funktionieren nur im gewohnten Rahmen. In einem neuen, einem veränderten oder auch in einem sich verändernden Kontext muss ich meinen Entscheidungsrahmen, meine Kriterien anpassen. Etwa, wenn ein neuer Wettbewerber den Markt aufmischt oder wenn ich meine Aktivitäten auf ein neues Geschäftsfeld ausweite.

Wie lässt sich dieses Dilemma lösen? Auch danach haben wir gefragt und interessante Strategien identifiziert. Mehr dazu gibt es im zweiten Teil dieses Artikels. Hier nur ein erster Hinweis: in der Regel gibt es keinen Zusammenhang zwischen Problem und Lösungsstrategie – mit einer Ausnahme. Vermutlich ahnen sie schon, welche das ist.

 

<!-- [et_pb_line_break_holder] --><!-- [et_pb_line_break_holder] -->Über den Autor<!-- [et_pb_line_break_holder] -->Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen.<!-- [et_pb_line_break_holder] --><!-- [et_pb_line_break_holder] -->Als gelernter Politologe und seit 1990 in beratenden Berufen tätig, ist er als Geschäftsführer des Geschäftswarenladens für den Überblick und das Ganze und für das Vorankommen zuständig.<!-- [et_pb_line_break_holder] -->
Wollen Sie in Strategieprozessen wirklich so viele Ressourcen verschwenden?

Wollen Sie in Strategieprozessen wirklich so viele Ressourcen verschwenden?

rundlauf

Letztens in der Abschluss-Runde eines MyCle-Workshops meinte ein Teilnehmer: „Wir haben gerade erst einen Visionsprozess in einem Verein durchgeführt. Alles so, wie man es kennt: Leitbild, Vision, Wertekatalog, strategische Ziele usw. Wenn ich mir überlege, wie lange es gedauert hat, bis wir was Brauchbares hatten…“ Da schlich sich ein Gedanke in meinen Kopf. Kann es sein, dass in Strategie- und Visionsprozessen unglaublich viel Energie und Ressourcen verschwendet werden, weil die richtigen Fragen eigentlich erst am Ende des Prozesses formulierbar sind?

Es scheint wie die Katze, die sich in den Schwanz beißt. Da gilt die Prämisse, dass nur der den Weg findeenergie_blog2, der sein Ziel kenne*. Gleichzeitig ist der Prozess, der darauf zielt, die Ziele zu definieren, oft seltsam ziellos. Er soll das Neue (er-)finden, weiß aber nicht, wie das aussehen soll. Kurzerhand wird die eigene Unsicherheit durch allerlei wichtige Aktivitäten kompensiert: PESTEL-Analysen, Marktforschung, SWOT-Analysen, Trendforschung, Szenario-Analysen und viel weitere spannende Aktivitäten – in der Hoffnung, hier Antworten zu finden.

Wenn ich nicht weiß, wonach ich suche, werde ich’s auch nicht erkennen

Das Problem dabei: Wenn ich nicht weiß, wonach ich suche, werde ich’s auch nicht erkennen – es sei denn ich stolpere versehentlich drüber. Das ist so, weil eine der größten Stärken des Menschen die Erkennung von Mustern ist. Was ich wahrnehme und erkenne, ist vor allem, was ich immer schon wahrgenommen und erkannt habe, weil ich mich mangels Alternativen am Vergangenen, am Erfahrenen und am Geltenden orientiere. Unpassende Signale werden schlicht übersehen oder solange passend gemacht, wie es eben geht. So gesehen sind Analysen, in denen vergangene Daten aufbereitet und fortgeschrieben werden, folgerichtig und ausgesprochen sinnvoll.

ziellos_blog2Wenn ich Zukunft erfinden will – und darum geht es in Strategie- und Visionsprozessen – muss ich jedoch zunächst herausfinden, was ich will, was mir wichtig ist, was mich in Bewegung setzt. Das gilt für Unternehmen, für Vereine und auch für jeden einzelnen Menschen. Wie wäre es also, die Prozessschritte zu drehen? Nicht die Analysen dürfen am Anfang stehen sondern die Frage, „was ich warum ändern will“. Das braucht vorerst keine Analysen. Das braucht lediglich das in der Regel reichlich vorhandene explizite und implizite Wissen. Stellt sich unterwegs heraus, dass Wissen fehlt, kann gezielt danach geforscht werden. Dann weiß ich, wonach ich suche und kann es auch finden.

Der Strategieprozess könnte von viel überflüssiger und sinnfreier Geschäftigkeit entschlackt werden, wenn sich der Unternehmer und das Top-Management zunächst darüber klar würden, was sie wirklich wollen. Der Rest ergibt sich dann fast von alleine.

Die Erwartung: Neues Führungspersonal soll eine Idee haben, wohin es geht

Und wenn wir ehrlich sind, ist genau das unsere Erwartung an neues Führungspersonal. Von neuen CEOs ebenso wie von neuen Amtsinhabern wird verlangt, dass er oder sie eine Idee hat, wohin die Reise geht und wie das zu realisieren ist. Darauf verweist witzigerweise auch die einschlägige Literatur über erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer, deren Rezepte zu kopieren sich lohne. Sie werden alle auf dieselbe Weise beschrieben: sie wussten, was sie wollten.

Die, die es nicht wissen, setzen ihre Strategen in Marsch und kaufen für viel Geld Beratung aller Art ein. Sie lassen sich zdf_blog3Zahlen, Daten, Fakten zuarbeiten, die sie schlussendlich auch nicht wirklich weiter bringen. Die eigentliche Frage ist nach wie vor offen: Was will ich, was wollen wir wirklich und warum gerade das?

Und jetzt kommt MyCle ins Spiel. Denn genau das leistet MyCle. Ein Zyklus mit MyCle und mir ist klar, was ich will – alleine oder im (Management-)Team, auf Grundlage des vorhandenen Wissens und mit oder ohne Moderation. Ein bis zwei Tage sind dafür nötig. Danach herrscht Klarheit, was und wohin ich will und warum – als CEO, als selbständiger Freiberufler, als Top-Management-Team und auch als Individuum. Danach weiß ich, wonach noch zu suchen ist und was als nächstes zu tun ist. Das mag eine Analyse, die Überarbeitung des Geschäftsmodells, die Weiterentwicklung vorhandener Produkte oder die Neupositionierung sein. Und wenn es mehrere Runden dafür braucht, dann gehe ich einfach mehrere Zyklen. Denn wenn ich weiß, was ich will, kann ich das Neue erkennen, weil ich jetzt die richtigen Fragen stelle. Nach jedem Zyklus bin ich ein Stück weiter und habe weitere Klärung erreicht. Schritt für Schritt entsteht eine funktionierende Strategie – ohne Umsetzungslücke und mit viel weniger Aufwand.

Wenn Sie interessiert, wie das geht, kontaktieren Sie uns.

*Übrigens: Ursprünglich stammt der am Anfang erwähnte Aphorismus aus einem Gedicht von Christian Morgenstern und heißt: „Wer vom Ziel nicht weiß, kann den Weg nicht haben“. Da geht es weniger um das Ziel, das es zu erreichen gilt. Es geht darum, die Suche zu wagen.

 

Über den Autor

Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen.

Als gelernter Politologe und seit 1990 in beratenden Berufen tätig, ist er als Geschäftsführer des Geschäftswarenladens für den Überblick und das Ganze und für das Vorankommen zuständig.

Eine Privatinsolvenz, Münchhausens Zopf und ein wenig Hilfestellung

Eine Privatinsolvenz, Münchhausens Zopf und ein wenig Hilfestellung

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Nachdem Peter M.* lange Jahre sehr erfolgreich als Personaler in einem Konzern gearbeitet hatte, wollte er sich selbständig machen. Er war erfahren. Er kannte sein Geschäft aus dem ff. Er hatte auch Rücklagen für die Anfangszeit gebildet. Da sollte es doch nicht so schwer sein, als freiberuflicher HR-Interim-Manager und Berater ins Geschäft zu kommen. Aber manchmal ist einfach der Wurm drin.

Es ging schief, was nur schief gehen konnte. Zu den Misserfolgen in der Auftragsakquisition gesellten sich bald Unsicherheit und Existenzangst. Die Abwärtsspirale setzte sich in Gang. Nach einigen Jahren drohte die Privatinsolvenz. Was nun?

Wie der Zufall es will, lief er einer der Co-Gründerinnen des geschaeftswarenladens, Elke Konieczek, über den Weg. Sie empfahl ihm, einen Versuch mit MyCle zu wagen. Angesichts seiner Situation war das allerdings schwierig. So richtig drauf einlassen konnte er sich zu Beginn nicht, brauchte ein wenig Anschubhilfe. Nachdem er jedoch einmal in Bewegung gekommen war, entwickelte sich erstaunliches. Am besten lassen wir ihn selber sprechen.

Frage: Wie kam es dazu, dass du MyCle genutzt hast?

Antwort: Ich war auf der Suche, wie es bei mir beruflich weitergehen sollte und habe mich mit unterschiedlichen Leuten ausgetauscht. Eine davon warst Du. Du hast mir von MyCle erzählt und angeboten, es für mich einzusetzen.

Frage: Was waren die Motivatoren/Auslöser?

Antwort: Neugierde, Vertrauen in den Anbieter von MyCle, Wunsch nach Unterstützung. Reizvoll war für mich, dass hier ein Produkt vorliegt, das in meinen Augen „Hilfe zur Selbsthilfe“ anbietet, man viel alleine arbeiten kann. Damit ist man zeit-, orts- und personenunabhängig und kann im eigenen Tempo, am eigenen Ort (an dem man sich vielleicht besonders wohl fühlt …) damit arbeiten.

Frage: Wie erging es dir mit MyCle? Was sind deine Erkenntnisse? Was konkret hat es dir gebracht?

Aufsatzpunkt1Antwort: Ich musste mich erst einmal einfinden, brauchte den richtigen Ort, den richtigen Zeitpunkt und die nötige Ruhe, um den „Karton“ zu öffnen, die Dinge zu sortieren und einzusteigen. Einzelne Dinge waren für mich auch nicht sofort verständlich.

Ich habe mit Hilfe von MyCle (aber auch der sehr wertvollen zusätzlichen Begleitung durch eine Beraterin) einen Aufsatzpunkt gefunden. Er hat mich sachlich/strukturell, aber auch emotional in die Lage versetzt, meine verwirrte Position zu verlassen. Ich konnte strukturiert, konstruktiv mit Erfolgsansätzen nach vorne schauen und arbeiten.

Konkrete Ergebnisse (nach den einzelnen Prozessschritten gemäß MyCle) gab es einige.

  • Den Brief zu schreiben, hat mich befreit. Er hat mir wichtige Dinge ins Bewusstsein geholt und war eine gute Grundlage, mit meinem Thema und dem Brief als „Plattform“ loslegen zu können.
  • Die Auswertung des Briefes war hilfreich, die Dinge, die ja in einem Brief erfahrungsgemäß sehr persönlich und emotional sind, auf die Sachebene zu bringen und strukturiert bearbeiten zu können.
    Es wäre mir allerdings sehr schwer gefallen, diese Auswertung allein durchzuführen. Deshalb hat es mir ungemein geholfen, mit Dir telefonieren zu können, um die Dinge zu sortieren. Du hast mir geholfen, Dinge zu verstehen, sie in eine Ordnung zu überführen und mit Hilfe der von MyCle vorgegebenen Kriterien zu ordnen.
  • Ein Schlüsselkriterium war für mich der Punkt „Ressourcen“, zumal Du mir dabei gehpositive Ressourcenolfen hast, dies positiv zu sehen. Ich konnte einen Perspektivwechsel vornehmen.
    In der gemeinsamen Aufbereitung mit Dir konnte ich erkennen, wie viele „positive“ Ressourcen ich habe – und zwar auf sehr vielen unterschiedlichen Ebenen, banal finanziell, aber auch in Form von Menschen, die für verschiedene Fragestellungen meine Helfer sind oder sein können.

Frage: Wo stehst du heute und was sind aktuelle Perspektiven?

Antwort: Ich habe auf einmal sehr viel Energie bekommen. Es gelang mir, an Hand von einzelnen Themen klarer zu denken und schrittweise wieder zu handeln. Beispielsweise habe ich in einer Bewerbung meine beruflichen WSchrittweiseünsche in Worte fassen können – egal, ob die Bewerbung erfolgreich war oder sie mir nur dazu diente, mir über meine Vorstellungen klar zu werden.

Ich konnte inzwischen klar beantworten, dass ich selbständig bleiben will. Ich habe einen neuen Auftrag erhalten, bin dabei, Altlasten (vor allem finanziell) abzutragen und kann mich meiner Vergangenheit viel besser stellen – die Verantwortung dafür übernehmen und mich nach vorne ausrichten.

Dann hatte ich die Idee, MyCle mit einer Zielvereinbarung mit mir selbst zu koppeln. Das hat mir geholfen, die Sache emotionaler anzugehen und in meinem persönlichen Fall auch zielorientierter/konkreter.

Frage: Würdest du MyCle weiter empfehlen?

Antwort: Jederzeit; ich halte es allerdings für wichtig, im Sinne einer „Auftragsklärung“ zu schauen, wo der einzelne Nutzer gerade steht. Bezogen auf meine eigene Situation war ich emotional sehr angespannt. Wenn das geklärt ist und als Ressource zur Verfügung steht, halte ich MyCle für ein sehr gutes und wertvolles Produkt ….:-)

Bleibt festzuhalten:

  1. MyCle ist ein funktionierendes Do it Yourself-Produkt. Aber es gibt Situationen, aus denen man sich selber nur schwer befreien kann. Da hilft ein Impuls durch und das Gespräch mit einem anderen Menschen. Deshalb gibt es im geschaeftswarenladen ein ergänzendes Coaching-Angebot von sehr qualifizierten Leuten.
  2. Es ist immer wieder erstaunlich, wie aus einer Krisensituation eine sich selbst bewahrheitende Prophezeiung entsteht. Wenn ich geklärt habe, was ich will, trete ich ganz anders auf und nehme plötzlich wahr, was mir weiter hilft. Peter war nicht der erste, dem MyCle in dieser Weise weiter geholfen hat.

Wie haben Sie sich aus einer Krisensituation befreit? Wie sind Sie sich selber auf die Schliche gekommen?

* Wir haben uns erlaubt, den Namen zu ändern, da nicht jede Geschichte unbedingt persönlich zugeordnet sein muss und das Internet nur so schwer vergißt.

Über den Autor

Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen.

Als gelernter Politologe und seit 1990 in beratenden Berufen tätig, ist er gemeinsam mit Steffen Moldenhauer als Geschäftsführer des Geschäftswarenladens für den Überblick und das Ganze und für das Vorankommen zuständig.