von Dieter Bickenbach | 07. April 2016 | Blog

„Hallo Andreas,
hat Spaß gemacht, dich mal wieder zu sehen. So hatte die halbstündige Verspätung des Zuges sogar noch einen Sinn. Leider bin ich trotz Verspätung nicht dazu gekommen, dir die Geschichte meiner Galerie zu erzählen. Das hole ich jetzt auf diesem Weg einfach nach. Die Idee, eine Galerie – und dann auch noch eine für zeitgenössische afrikanische Malerei – ist aus einer Freundschaft entstanden. Vor ca. 6 Jahren lernte ich Abdoulaye Guissé, einen Künstler aus dem Senegal, kennen und seine Bilder lieben. Und in einem Moment großer Euphorie versprach ich, seine Werke zu verkaufen. Guissé kam nach Berlin. Wir luden Freunde und Bekannte ein und präsentierten seine Bilder. Das Ergebnis waren einige Verkäufe, die geradezu nach mehr verlangten. Wir fuhren in den Senegal, lernten weitere Maler kennen und kauften ein….“
So beginnt mein Brief an einen Vertrauten, den ich schrieb, um mir mit Hilfe von MyCle – dem Geschäftsverstärker über die Zukunft meiner Galerie „african-painters“ klar zu werden. Sechs Jahre lang war es mir nicht gelungen, das Ding zum Laufen zu bekommen. Gelernt hatte ich viel. Inzwischen habe ich eine Ahnung, wie das Geschäft funktioniert. Aber reichte das, aus einer in Deutschland höchst ungewöhnlichen Spezialisierung ein profitables Geschäft zu machen?
Die Fertigstellung von MyCle kam genau im richtigen Moment. Es musste etwas passieren. Einerseits drohte ein erhebliches finanzielles Risiko. Andererseits begannen die ersten Blätter eines kleinen, aber vielversprechenden Pflänzleins zu sprießen – ein Kunstraum, in dem die ganz eigene Mathematik eines nigerianischen Mathematikers und Journalisten von einer Reihe sehr spannender Künstler gewandelt wurde. Ich schrieb also – wie im MyCle-Zyklus vorgesehen – einen Brief an einen Vertrauten, den ich seit einigen Jahren nicht mehr gesehen hatte. Anschließend analysierte ich den Brief mit MyCle’s Werkzeugen.
Die Analyse brachte eine Überraschung und einen klaren Schwerpunkt. Die Überraschung: ich konnte zunächst die Frage nach dem Sinn der Galerie-Tätigkeit nicht beantworten. Warum hatte ich die Galerie gegründet? Warum bin ich so lange dabei geblieben? Was hat mich angetrieben, soviel Energie hineinzustecken? Warum sollte ich sie weiter führen? Ich musste lange nachdenken, um dahinter zu
kommen. Es sind diese einzigartigen Menschen, gleichzeitig unglaublich kreativ, intellektuell anregend und – in meiner Wahrnehmung – scheinbar hilflos. Was für eine tolle Verbindung von geistiger Auseinandersetzung und Anstachelns meines Helfersyndroms. Es schien, als könnte ich anderen mit meinen Fähigkeiten helfen.
Der Schwerpunkt des Briefes unterschied sich davon klar und deutlich. Mir fehlten (fast) alle Ressourcen, die für dieses Geschäft erforderlich sind. Ich hatte kein künstlerisches oder kunsthistorisches Know How. Ich verstand zu Beginn das Geschäftsmodell der Galerien nicht. Ich hatte keinen Zugang zu den wichtigsten Multiplikatoren in diesem Geschäft, den Kuratoren. Und außer meinem Cousin kannte ich keinen einzigen Sammler. Das wäre vielleicht mit finanziellen Mitteln auszugleichen gewesen, indem ich entsprechenden Sachverstand einkaufte. Aber die standen nicht zur Verfügung. Zu allem Überfluss drohte auch noch ein nicht unerhebliches finanzielles Risiko, dass es abzuwenden galt. Kurzum: es fehlte eigentlich an allem.
Das Resümee hätte deutlicher nicht ausfallen können: Wenn ich mir gegenüber ehrlich bin, muss ich erkennen, dass ich den Künstlern mit meinen derzeitigen Ressourcen nicht helfen kann. Entweder ich mache es richtig, oder ich lasse es. „Es richtig machen“ würde heißen, ich gebe meinen Broterwerb auf, stürze mich ins Galeriegeschäft, besorge über alle möglichen Kanäle Geld und suche einen ausgebildeten Kurator als Partner oder Angestellten. Ein niederschmetterndes aber deutliches Ergebnis: Der Sinn war in sich zusammengefallen, und die Ressourcen fehlten.
Eigentlich gab es nur eine vernünftige Entscheidung. MyCle stand nach zwei Jahren Entwicklungszeit kurz vor der Fertigstellung. Das ist mein Turf. Hier arbeitete ich bereits in einer gut funktionierenden Gruppe mit extrem fähigen Leuten. Hier kann ich meine Fähigkeiten viel besser einsetzen. Trotzdem war es schwer, african-painters aufzugeben. Sechs Jahre Arbeit mit Herzblut sollten sich in Nichts auflösen. Da gab es emotional einiges zu verarbeiten.
Heute weiß ich, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. MyCle – der Geschäftsverstärker ist fertig. Er
ist richtig gut geworden. Er entfaltet seine Wirkung und hat in der Zwischenzeit nicht nur mir geholfen, Gewissheit für den nächsten Schritt zu erlangen und die Perspektive richtig zu setzen.
Nachtrag: Zwei Dinge will ich nicht unerwähnt lassen, weil sie zu der Geschichte gehören. Der „Flow of the Zero Spiral“-Kunstraum schien zunächst weiter zu funktionieren. Dann erlitt Lere Shakunle, der Mathematiker mit der großen Affinität zur Kunst, einen schweren Schlaganfall an dem er schließlich verstarb. Ohne ihn, den Spiritus Rektor, hatte das zarte Pflänzlein keine Chance. Der zweite Nachtrag ist von erfreulicherer Art. Es gibt ein einmaliges Nachspiel von african-painters. Die verbliebenen Bilder müssen den derzeitigen Lagerort verlassen. Das wollen wir nutzen, um Ende August eine Art „Tupperware-Party“ zu veranstalten. Im privaten Rahmen werden die Bilder ein letztes Mal gezeigt und können zu vermutlich sehr günstigen Preisen erstanden werden. So schließen wir ab, wie wir begonnen haben – im privaten Kreis und in Anwesenheit von Abdoulaye Guissé, dem senegalesischen Maler, von dem bereits am Anfang die Rede war.

Im Gedenken an Lere Shakunle, einen Großen seiner Art.
Über den Autor
Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen.
Als gelernter Politologe und seit 1990 in beratenden Berufen tätig, ist er gemeinsam mit Steffen Moldenhauer als Geschäftsführer des Geschäftswarenladens für den Überblick und das Ganze und für das Vorankommen zuständig.
von Dieter Bickenbach | 07. April 2016 | Blog

Meikes kleines Café lief seit längerem nicht mehr so gut. Das nahm ein Freund zum Anlass, ihr eine MyCle-Box zu schenken. Er wollte ihr ein Werkzeug geben, mit dem sie selbst Wege aus der Krise finden konnte. Meike freute sich sehr über diese Geste und machte sich an die Arbeit.
Meikes Geschichte:
So, da liegt sie vor mir, meine MyCle-Box. Meine Geschichte habe ich mit Hilfe der MyCle-Aufgaben anschaulich beschreiben können, mein Geschäftsmodell bestmöglich dargestellt. Ich wollte noch mehr Studenten auf 450 Euro-Basis beschäftigen, um Kosten zu sparen. Auch im Wareneinkauf könnte ich sparen. Es würde auch mit günstigeren Kaffeebohnen gehen, und die Auswahl an Kuchen wird am Tiefkühlangebot von Metro ausgerichtet. Verdirbt nicht so schnell und ist günstiger. Aus meiner Sicht hat also alles gepasst.
Und dann kam dieser „Elephanten-Impuls“ und hat mich erstmal verunsichert! Zuerst dachte ich, was soll diese komische Frage.
Was hat ein Elephant mit meinem kleinen Café zu tun?
Frustriert habe ich mir erst mal einen Kaffee gemacht – und mich dann doch auf diesen Impuls eingelassen.
Das Ergebnis war eine wirkliche Überraschung für mich. Aber der Reihe nach, was war passiert?
Ich habe mal nachgeschlagen, was neben Größe und Gewicht sonst noch so typische Elephanten-Eigenschaften sind. Dann habe ich mich gefragt, was wäre, wenn ich als Elephant zu Gast in meinem neuen „Spar-Café“-Konzept wäre. Das fand ich nicht einladend:
- Als sensibler Elephant fühlte ich mich von den gelangweilten, unaufmerksamen und nicht wirklich an mir als Gast interessierten Bedienungen schlecht behandelt. Bestimmt ein Grund, nicht wieder zu kommen.
- Als Feinschmecker mit ausgeprägtem Geschmackssinn war mein Gaumen von der Qualität der Produkte enttäuscht. Meine Intelligenz sagte mir, dass ich in diesem Café übervorteilt werde, dass das Preis-Leistungsverhältnis nicht passt. Und als kommunikative Person lasse ich diese negativen Erfahrungen auch meine Freunde und Bekannte wissen.
Die nächste Frage, die ich mir gestellt habe, war: Was wäre, wenn ich als Elephant mein Café führe.
Das Ergebnis war völlig anders:
- Als sensibler Elephant lege ich Wert auf Aufmerksamkeit und Freundlichkeit gegenüber Gästen. Also sorge ich als intelligenter Elephant für gutes Fachpersonal. Das kostet zwar auf den ersten Blick mehr, rechnet sich aber mehrfach:
Gute Bedienungen …
- sorgen für eine intensive Bindung (neuer) Stammkunden.
- können im Café viel flexibler und selbstständiger eingesetzt werden, so dass ich mich mehr um neue Gäste, Marketing und die administrativen Pflichten kümmern kann. Das spart mir viel Geld z.B. beim Steuerberater.
- bekommen mehr weggearbeitet, so dass ich auch weniger Personal benötige.
- kurbeln den Verkauf an Gäste an, da sie aufmerksam beobachten, wer was wann braucht. Sie sind aktiv, nicht reaktiv.
- Als Feinschmecker habe ich erkannt, dass die gute Qualität wichtiger ist, als die Quantität. Ergo wurden die Kuchen- und Kaffeeportionen geringfügig kleiner – ohne, dass es Proteste gab, denn die Qualität und der Service rechtfertigen den Preis.
- Als intelligenter Elephant habe ich mich noch mit Farb- & Gestaltungskonzepten auseinander gesetzt, die für wenig Geld schnell und einfach ein einladenderes Ambiente schaffen.
Unter dem Strich wich das „Elephantenkonzept“ komplett von meinem „Spar-Café“-Konzept ab. Es fühlte sich viel besser an. Also habe ich mich für den Elephanten entschieden.
Meike geht an die Arbeit:
Die nächsten Schritte waren schnell klar. Ich habe mit meinem Vermieter und mit meinen Lieferanten das neue Konzept diskutiert und um Unterstützung bei der Umsetzung gebeten. Der Vermieter machte mir einen tollen Vorschlag. Er hat mir einen neuen Mietvertrag angeboten. Die Miete wurde um 10% gesenkt. Im Gegenzug erhält er eine 10% Umsatzbeteiligung.
Das neue Personal hat sich schon nach zwei Monaten durch mehr Umsatz und deutlich mehr Stammkunden bezahlt gemacht. Sie arbeiten sehr selbständig, und ich kann mich um neue Produkte und eine bessere Vermarktung kümmern.
Meikes Fazit:
MyCle hat mir ermöglicht auf einfache Weise meine Probleme zu erkennen. Ich konnte mit MyCle verschiedene Varianten austesten und auf Fehler prüfen. Durch den interessanten Perspektivwechsel (Elephant) war ich gezwungen übliche Denkmuster zu hinterfragen und neue Möglichkeiten zu entdecken. Es hat mir geholfen mein Geschäft auf neue, stabile Beine zu stellen.
Danke, MyCle.
Über den Autor
Steffen Moldenhauer ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens, Interimsmanager und Sanierungsexperte.
Als gelernter Banker und mit 15 Jahren Management-Erfahrung in Konzernen und mittleren Unternehmen trägt er wesentlich dazu bei, dass die Zahlen stimmen.
von Dieter Bickenbach | 06. April 2016 | Blog

Vor einigen Tagen ist mir mal wieder aufgefallen, wie selbstverständlich immer wieder dasselbe Paradigma wiederholt wird, wenn es um Strategiearbeit geht. Ich las bei XING die Vorankündigung für ein Seminar, in dem die Dozentin interviewt wurde. In den vielleicht 1.000 Worten des Interviews kam mindestens 20 Mal das Wort „systematisch“ vor. Strategien müssen in systematischen Prozessen erarbeitet werden, und sie müssen in sich stimmig und systematisch aufgebaut sein. Wahlweise kommen gerne noch Begriffe wie Struktur, Ableitung oder ähnliches vor. Irgendwie hätte ich mir denken können, dass solch penetrante Einseitigkeit mal wieder meinen Widerspruchsgeist befeuern würde. Hier also die Anti-These: Unsere Welt wird schnelllebiger. Sie wird chaotischer. Was wäre, wenn Systematik und Strukturiertheit in wachsendem Maße Garant für den Misserfolg würden? Was wäre, wenn auch in der Strategiearbeit zunehmend Platz für Chaos, Richtungswechsel, Flexibilität und Tempo sein muss?
„Die Hütte brennt.“ So zitiert die Wirtschaftswoche vor zwei Jahren den E.On Chef Teyssen. Der Grund: Fukushima und, in der Folge, die Energiewende. Ein einziges Ereignis hat alle Wahrheiten über den Haufen geworfen – in einer Welt, in der bis dahin fast alles über Zeiträume von mindestens 10-20 Jahren planbar und vorhersehbar war. Plötzlich verändert sich das Spielfeld grundlegend. Plötzlich kämpfen große Oligopolisten ums Überleben. Plötzlich sind Denkverbote aufgehoben. Es ergeben sich neue Chancen, die weidlich genutzt werden. Kleine lokale Stadtwerke sind in einer Welt aufkeimender dezentraler Energieerzeugung besser aufgestellt, als die großen Vier E.On, RWE, EnBW und Vattenfall.
In anderen alteingesessenen und wichtigen Branchen sind ähnliche Umwälzungen zu erwarten. In der Autobranche geht es plötzlich nicht mehr nur um Motoren sondern um neue Antriebsarten und Software-gesteuerte Ausstattungsmerkmale bis hin zum selbstfahrenden Auto. Die vielen Versuche diverser Siemenschefs, den Konzern neu auszurichten, sind ein offensichtlicher Indikator für wachsende Wettbewerbsintensität in der Elektroindustrie. Die Pharmaindustrie kämpft mit auslaufenden Patenten und steigendem Kostendruck. Und den Handel muss man in einem solchen Zusammenhang eigentlich gar nicht mehr erwähnen. Nicht nur das Wetter wird rauer, chaotischer und wechselhafter.
Das scheint aber an der Lehrmeinung zum Thema Strategiearbeit völlig vorüber gegangen zu sein. Der strategische Planungsprozess, sauber und adrett aufgesetzt, soll nach wie vor im Kern aus der Rückschau Sicherheit für die Zukunft generieren.
Es ist offensichtlich, dass das nicht mehr funktioniert. Es gibt interessante neue Ansätze, wie den Business Model Canvas, das Design Thinking und mit unserem MyCle nun auch eine agile Methode der Strategiearbeit. Und trotzdem wird das alte Bild fortgeschrieben. Warum?
Ich habe ja Spaß an wilden Thesen. Hier also eine davon: Könnte es sein, dass Struktur und Systematik vor allem eines sind: eine beliebte Methode der Unsicherheits- und Angstvermeidung? Chaos steht für Unsicherheit. Die ist oft mit einem Gefühl von eigener Inkompetenz und Machtlosigkeit verbunden. Struktur und Systematik steht dagegen für Sicherheit – allerdings eine sehr trügerische Sicherheit.
Startups und Kleinunternehmer müssen mit der rauen Wirklichkeit umgehen können, oder sie gehen unter. Könnte es sein, dass Konzernlenker das auch lernen müssen. Könnte es sein, dass sie dafür auch einen entsprechenden Unterbau brauchen – einen Unterbau, der bereit und in der Lage ist eigenständig und flexibel zu handeln.
Dazu braucht es gar nicht so viel. Es braucht
- eine grob definierte Perspektive,
- Bewusstheit der handelnden Personen über die eigenen handlungsleitenden Motive und
- regelmäßige Reflektionsmomente, in denen wandelnde Umwelten wahrgenommen und Anpassungen vorgenommen werden.
Und es braucht Lenker, die loslassen und nicht über Ziele, sondern über den gemeinsamen Sinn steuern.
Können Sie sich vorstellen, wie anders Strategiearbeit aussehen würde? Können Sie sich vorstellen, wie sich in der Folge, die Arbeit verändert? Ich kann. Ich habe es erlebt.
Über den Autor
Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen.
Als gelernter Politologe und seit 1990 in beratenden Berufen tätig, ist er gemeinsam mit Steffen Moldenhauer als Geschäftsführer des Geschäftswarenladens für den Überblick und das Ganze und für das Vorankommen zuständig.
von Dieter Bickenbach | 06. April 2016 | Blog

Zwei Situationen aus dem Beraterleben:
Mein Unterbewußtsein schlägt mir ein Schnippchen und verlegt einen Workshop in meinem Kopf um zwei Wochen. Als ich dann morgens einen Anruf bekomme, wo ich denn bliebe, lässt sich nichts mehr korrigieren. Ich habe keine Chance in einem einigermaßen angemessenen Zeitraum den Ort des Workshops zu erreichen. Daraufhin findet der Workshop ohne mich statt. Es stellt sich heraus, dass meine Abwesenheit der Gruppe sehr gut getan hat. Sie haben ihre Themen besprochen, schwierige Fragen geklärt, ausgezeichnete Ergebnisse erzielt und waren stolz auf sich selbst und das erreichte. Vermutlich ist es ohne den Experten für Kommunikationsprozesse deutlich besser gelaufen als mit ihm.
Nach mehreren Monaten intensiver Arbeit …
… hat sich in einer Abteilung mit massiven Konflikten zwischen den Teamleitern und in den einzelnen Teams so gut wie nichts getan. Wir haben so einiges probiert: wechselseitig Erwartungen ausgetauscht und verhandelt, Konflikte ausgetragen, gemeinsame Ziele entwickelt, an den Mental Maps gearbeitet und und und. Stattdessen haben sich neue Leute nahtlos in die unschöne Situation einsortiert. Wenn wir ehrlich sind, hat sich keiner mehr als einige Millimeter bewegt. Schluss war, als mein Auftraggeber dem Werben eines anderen Unternehmens nachgegeben hat.
Da stellt sich schnell die Frage, wofür Berater eigentlich gut sind. Die gängige Antwort: Sie werden hinzu gezogen, weil sie Experten sind. Sie wissen einen (Aus-) Weg – so jedenfalls die Zuschreibung. Gleichzeitig hat sich seit den frühen 2000er Jahren eine Ahnung verbreitet, dass dem vielleicht nicht so ist. Interessant liest sich beispielsweise eine Artikelserie des Manager-Magazins aus 2001 auf Grundlage einer Befragung von Unternehmenslenkern. Das Ergebnis: eher durchwachsen. Vor allem wird die Qualit
ät der Arbeit, also das Expertentum, in Frage gestellt.
- „Noch nicht einmal die Hälfte der Befragten sah ihre Erwartungen von den Beratern voll erfüllt.
- Jeder Zweite konstatierte am Ende des Projekts nur eine mäßige Verbesserung seiner Geschäftsergebnisse, jeder Zehnte gar keine.
- Knapp 50 Prozent aller Projekte schnitten mit der Note „befriedigend“ und schlechter ab; ein paar Mal wurden die Berater gar mit „mangelhaft“ abgestraft.
- Bedrückend: Im Fach Kreativität kam keiner der drei Branchenführer über eine 2,5 hinaus.“ (Manager-Magazin, vom 28.07.2001)
Das Ergebnis sind Bullshit-Bingo oder Witze wie dieser: “A consultant is someone who borrows your watch to tell you the time and than walks off with the watch.” (Ein Berater ist jemand, der sich Ihre Uhr leiht, um Ihnen die Zeit zu sagen. Dann macht er sich mit der Uhr davon.)
Aber irgendwie können wir nicht von ihnen lassen. Sie sind Experten, und Experten wissen Bescheid. Wir sind so sehr auf den Glauben an Expertise getrimmt, dass wir einer Studie der Emory University von 2009 zufolge wichtige Bereiche unseres Gehirns abschalten, wenn wir einem Experten lauschen – die Bereich nämlich, die für unabhängige Entscheidungen zuständig sind.
Was wäre, wenn wir viel mehr wüssten, als wir glauben? Was wäre, wenn Experten dann besonders hilfreich wären, wenn wir unser Hirn gerade nicht abschalten?
Experten tendieren dazu, tief zu bohren, dabei aber den Überblick zu verlieren. Sie können den spezifischen Kontext im besten Fall nur zum Teil erfassen. Der scheinbare Laie oder Amateur hingegen beginnt „meist aus sehr praktischen Gründen, sich für bestimmte Fragestellungen des Alltags zu interessieren und Wissen dazu zusammenzutragen. Zudem steht für sie die Relevanz der Inhalte im Vordergrund.“ (aus einer Rezension des Buches „Citizen Science – das unterschätzte Wissen der Laien) Mit anderen Worten: es empfiehlt sich, das Wissen der Experten zu nutzen, auf Relevanz zu überprüfen, nebenbei die eigenen mentalen Landkarten zu erweitern und schließlich selber abzuwägen und zu entscheiden.
Genau das ist einer der Grundgedanken hinter MyCle – dem Geschäftsverstärker.
Zum Abschluss noch eine sehenswerte Zugabe:ein wirklich tolle Beitrag von Noreena Hertz im Rahmen des TEDSalons London 2010 „How to use experts — and when not to“.
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Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen.
Als gelernter Politologe und seit 1990 in beratenden Berufen tätig, ist er gemeinsam mit Steffen Moldenhauer als Geschäftsführer des Geschäftswarenladens für den Überblick und das Ganze und für das Vorankommen zuständig.
von Dieter Bickenbach | 06. April 2016 | Blog

Die beiden hatten bereits einiges angefangen, um Ihre Idee in die Tat umzusetzen. Es lag nah, das volle Gründerprogramm zu durchlaufen. Denn sie arbeitete in einer gemeinnützigen Gesellschaft, die einige Angebote machte. Interessant war beispielsweise das Gründer-Coaching. Schritt für Schritt bereiteten sie ihren Absprung in die Selbständigkeit vor. Sie recherchierten die rechtlichen Vorgaben. Erste ungewöhnliche Rezepte entstanden. Ein holländischer Ausstatter von Food-Trucks wurde gefunden. Auch der Finanzierungsbedarf konnte über ein Förderprogramm aufgetrieben werden. Etwas fehlte jedoch noch. Die letzte Unsicherheit blieb. Wollten sie es wirklich tun? Ist das Konzept tragfähig genug? Waren sie beide auf derselben Wellenlänge? Waren sie bereit, sich auf das Abenteuer des etwas anderen Food-Trucks einzulassen?
Die Idee dazu war auf einer Radtour durch die Mark Brandenburg entstanden. Drei hungrige Radler waren auf der Suche nach etwas Essbarem. Erst nach längerer Suche fanden sich eine Dorf-Gaststätte mit den üblichen Angeboten, panierte Schnitzel aus der Friteuse, Bockwurst und sogar ein vergleichsweise frischer Salat. Warum nicht die wirklich schönen Radwege durch ein interessantes Essensangebot aufwerten und eine offensichtliche Angebotslücke stopfen.
Jetzt standen die beiden also vor der Frage: Wollen wir es wirklich wagen? Da kam ich mit dem ersten Prototyp von MyCle (gesprochen: [ˈmaɪkəl]) um die Ecke. MyCle hilft bei der Klärung grundsätzlicher und strategischer Fragen der Geschäftsentwicklung – und zwar als Do-it-Yourself Werkzeugkasten. Beide waren von der Idee entzückt. Denn MyCle bot ihnen die Möglichkeit die fundamentale Frage des gemeinsamen Wollens und der gemeinsamen Perspektive zu klären.
Gesagt, getan. Sie schrieben jeder einen Brief, wo sie sich in fünf Jahren sehen. Sie analysierten den Brief nach den Vorgaben der Methodik und entdeckten genau die Gemeinsamkeiten, die sie brauchten. Es entstand die Gewissheit, dass jetzt der richtige Zeitpunkt war. Das letzte Quentchen Energie bildete sich, jetzt nach Holland zu fahren und den Truck wirklich ausbauen zu lassen.
Genau das leistet MyCle. Etwas zu unternehmen, ist immer eine Wette auf die Zukunft. MyCle hilft
Gewissheit zu erlangen, was als nächstes zu tun ist. Das kann völlig unterschiedliche Dimensionen annehmen. Mir wurde mit Hilfe von MyCle beispielsweise klar, dass ich meine Galerie – ja ich war Besitzer einer Galerie – schließen und mich auf mein wirkliches Kerngeschäft konzentrieren musste. War nicht einfach, im Nachhinein betrachtet aber genau die richtige Entscheidung. MyCle leistet auf ganz einfache Weise etwas, für das große Unternehmen einen wohlklingenden Namen und unglaublich komplizierte Verfahren entwickelt haben: strategisches Management. Denn im Kern ist das strategische Management nichts anderes als der Versuch, einen Rahmen für Entscheidungen in Unsicherheit zu schaffen. MyCle hilft mit ganz einfachen Mitteln einen solchen Rahmen zu schaffen.
Sie schreiben einen Brief. Sie schauen sich genau an, was alles in diesem Brief steckt – erfahrungsgemäß steckt da eine Menge drin. Sie kommen auf den Punkt. Sie bewerten die Situation und entwickeln ein Bild davon, was sich ändern soll oder muss. Sie erkennen auf einen Blick die wichtigsten Handlungsfelder und entwickeln Ideen, wo Sie ansetzen können. Dann legen sie los. Und wenn sie schon nach dem ersten Schritt wissen, was als nächste ansteht, dann tun Sie’s einfach. Testen Sie, ob es funktioniert. Wenn nicht, wiederholen Sie nochmal einen der vorherigen Schritte, modifizieren das eine oder andere Element und testen wieder. Wenn Sie merken, irgendetwas hat sich verändert, irgendetwas funktioniert besser als erwartet oder auch nicht, beginnen Sie den Zyklus einfach wieder von vorn – auf einem neuen Level. Denn inzwischen haben Sie viel erlebt und viel gelernt. Auch das Umfeld hat sich weiter entwickelt. Sie passen sich einfach und schnell an die neue Situation an.
Vielleicht verstehen Sie jetzt, warum wir behaupten: Strategiearbeit kann einfach sein und flexible bleiben. MyCle bringt Agilität in die Strategiearbeit. Darauf sind wir stolz.
Können Sie sich das vorstellen. Probieren Sie’s einfach aus. Wir zeigen MyCle morgen Abend am 12.06.2015 zum ersten Mal live und in Farbe im Rahmen der Nachtschicht im Bikini-Haus in Berlin. Dort werden wir von ca. 20-24 Uhr im Popup-Shop von Go-Startup zu finden sein. Wenn Sie nicht vorbei schauen können, schauen Sie sich MyCle auf www.selfconsultancy.de an und nehmen Sie Kontakt zu uns auf.
Inzwischen haben die beiden übrigens ihre zweite Saison begonnen. Es gab einiges zu lernen. So musste beispielsweise die Ursprungsidee, sich an Radwegen zu platzieren, aufgegeben werden. Warum? Die meisten Radfahrer sind einfach vorbeigefahren. Viele hatten sich halt noch ein Stück Weg vorgenommen, bevor sie Pause machten. Die Kooperation mit einem Campingplatz stellte sich hingegen als gute Idee heraus. Und auch ein paar andere Ideen entwickeln sich langsam. Mehr auf ihrer Website und bei Facebook.
Über den Autor
Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen.
Als gelernter Politologe und seit 1990 in beratenden Berufen tätig, ist er gemeinsam mit Steffen Moldenhauer als Geschäftsführer des Geschäftswarenladens für den Überblick und das Ganze und für das Vorankommen zuständig.