Ein Leben voller Energie – Briefe an meinen Enkel (1)

Ein Leben voller Energie – Briefe an meinen Enkel (1)

Energie

Alles begann im Jahre 1995. Meine Schwester und ich verbrachten die Ferien auf dem Hof meines Großvaters. Ich war gerade sechs geworden. Eines Abends saßen wir am Lagerfeuer, buken Stockbrot und grillten Würstchen, als mein Opa begann, Geschichten zu erzählen. Ich kann mich nicht mehr so recht daran erinnern, worum es ging. Zwei Sachen blieben mir aber in Erinnerung: seine Wut auf die Atomenergie und seine Begeisterung für seine eigenen kleinen Projekte. Die verschafften ihm und seinem Hof fast vollständige Unabhängigkeit vom Strom aus der Steckdose – und das war in 1995. Er war beseelt von der Idee, dass viele kleine Einheiten eine große Menge Energie erzeugen konnten, und hatte angefangen diese Idee auf seinem Hof in die Tat umzusetzen.Eine genial einfache Idee ist hängen geblieben. Mit einem schier endlosen Schlauch auf dem Garagendach hat er warmes Wasser erzeugt.

Irgendwie muss er damals einen Samen in meinem Bewusstsein gesetzt haben, der viele Jahre später aufging und mein Leben völlig umkrempeln sollte. Das war 2018. Damals war ich 27 und in einer ähnlichen Situation, wie du heute, mein lieber Babacar. Ich musste mein Leben neu ordnen, weil ich meine Stelle als Elektrotechniker bei einem der drei großen Energiekonzerne verloren hatte. Sie hatten die sogenannte Energiewende völlig verpennt und versuchten sich, zu retten. Dabei bin ich – wie ich damals dachte – auf der Strecke geblieben. Ich konnte ja nicht ahnen, dass sie mir mit der Entlassung den größten Gefallen meines Lebens getan haben.

Wie dem auch sei, als ich den Entlassungsbriefe in der Hand hielt, war ich völlig fertig. Bis dahin war immer alles glatt gegangen. Nach der Schule habe ich sofort eine Lehrstelle gefunden. Nach der Ausbildung wurde ich übernommen. Zwischendurch bin ich einer äußerst hübschen und liebenswerten jungen Frau begegnet, Ärgerdie ich heiraten wollte. Die Entlassung machte alles kaputt – dachte ich. Ich geriet in eine tiefe Krise. Mir fehlte die Energie und das Selbstbewusstsein, mir etwas Neues zu suchen. Meine Freundin konnte irgendwann mein Selbstmitleid nicht mehr ertragen und hat mich verlassen. Langsam begann ein Teufelskreis. Jede kleine Niederlage senkte das Selbstbewusstsein, erzeugt eine neue Niederlage, senkte das Selbstbewusstsein usw. usf.

Die Rettung war mein Opa. Er zitierte mich zu sich und wusch mir den Kopf. Er ließ keine Ausrede gelten. Die Kernbotschaft war eindeutig: werde dir endlich klar darüber, was du wirklich willst. Aber dabei beließ er es nicht. Er hatte noch eine Überraschung. Er stellte eine schwarze Papp-Box auf den Tisch und machte die überaus klare Ansage, dass ich mich morgen direkt an die Arbeit machen solle: „In der Box findest du alles, was du brauchst, um dir darüber klar zu werden, was du willst und wohin du willst. Bearbeite die verschiedenen Aufgaben, und ich verspreche dir, dass es dir hinterher besser geht. Und da du ein Meister der Ausrede bist, erwarte ich von dir, dass du die nächsten zwei Tage hier auf meinem Hof bleibst und an deiner Zukunft arbeitest.“ Du kannst dir gar nicht vorstellen, was er mit dieser Ansprache und Hilfestellung ausgelöst hat.

Ich öffnete die Box und wurde ziemlich schnell aufgefordert, einen Brief zu schreiben. Meine erste Reaktion war: „Was ist das denn für ein Blödsinn? Wer schreibt den heute noch Briefe?“ Ich musste das wohl laut ausgesprochen haben. Denn mein Opa sagte nur: „Tu es einfach.“ Ich fing an und schrieb mir den ganzen Ärger von der Seele. Als ich noch einmal auf die Instruktionskarte guckte, entdeckte ich ein paar interessante Fragen, die ich übersehen hatte: Gibt es Ideen für die zukünftige Ausrichtung? Wie wird Erfolg gemessen? Das brachte mich dazu, den Blick ein wenig mehr nach vorne zu richten. Das erste Aha-Erlebnis hatte ich bei der Analyse des Briefes. Es war unübersehbar, dass mir einerseits Werte wie verantwortlicher Umgang mit der Umwelt und Gerechtigkeit sehr wichtig waren, ich andererseits aber noch keinen einzigen Gedanken darauf verschwendet hatte, wie ich dazu beitragen könnte. Mein Opa setzte noch einen drauf. „Du bist doch eigentlich ein ziemlicher Draufgänger. Trau dich was. Wenn‘s schief geht, biTunn ich auch noch da.“ Aber was könnte das sein? Als ich mich umsah, kam mir eine Idee. Der Hof war nämlich inzwischen nicht nur völlig energieautark. Mein Opa verdiente wegen des Energieeinspeisungsgesetzes eine Menge Geld mit seiner verrückten Idee aus den frühen Achtzigern. Was wäre, wenn ich dazu beitragen könnte, diesen Gedanken weiter zu treiben? Was wäre, wenn ich mich – wie mein Opa – dem vollständigen Umstieg auf erneuerbare Energien verschriebe. Schließlich war ich Elektrotechniker, also vom Fach.

Es war klar, was als nächstes zu tun war: Das Thema wollte ich mir etwas genauer ansehen. Was war technisch möglich? Was gab es schon? Wie passte die Idee in die Welt von 2018? Was brauchte ich dafür? Sollte ich doch noch studieren? Oder war es besser, mich in die Startup-Szene zu stürzen?

Ich fand sehr schnell Antworten. Aber die, mein lieber Enkel, erzähle ich dir beim nächsten Mal. Jetzt erlaube deinem 84-jährigen Opa sich etwas auszuruhen.

Über den Autor

Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen.

Als gelernter Politologe und seit 1990 in beratenden Berufen tätig, ist er gemeinsam mit Steffen Moldenhauer als Geschäftsführer des Geschäftswarenladens für den Überblick und das Ganze und für das Vorankommen zuständig.
Warum Gabi nicht weiss, was sie will. Und wie Minigolf spielen helfen kann.

Warum Gabi nicht weiss, was sie will. Und wie Minigolf spielen helfen kann.

Anfang

 

Immer wieder werden wir mit Zukunftsfragen konfrontiert. Die für andere zu beantworten, fällt leicht. Jedoch für sich selbst ist das nicht immer einfach. Aussagen wie:

  • Woher soll ich wissen, was ich will?
  • Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht!
  • Wenn das doch so einfach wäre, …

So war es auch bei Gabi. Sie ist kreativ, offen und interessiert sich für vieles. Für ihre Freunde ist sie stets ein guter Ratgeber. Auf einmal wird sie selbst mit der Situation der Zukunftsfrage konfrontiert.

Gabi musste sich aufgrund einer Veränderung erstmals gewisse Zukunftsfragen stellen:

  • Was will ich zukünftig überhaupt machen?
  • Wie stelle ich mir meine Zukunft vor?
  • Was soll in der Zukunft alles geschehen?

Entscheidungen müssen in den kommenden ein bis zwei Jahren gefällt werden. Verschiedene Fragen müssen beantwortet werden, mit denen sie sich vorher noch nie so richtig beschäftigt hat. Und auf einmal geht es um sie selbst und nicht um andere. Denn bisher ist ja alles so einfach gewesen. Es hat sich einfach alles stetig zum Guten entwickelt. Bis jetzt!

Nicht jeder kann einfach und schnell ein Zukunftsbild für sich entwickeln

Gabi kam mit dem Anliegen zu mir und fragte mich, ob ich Ihr weiterhelfen kann. Das freute mich natürlich. Und ja, ich wollte. Die Situationen kenne ich aus vielen Projekten. Es sind häufig die gleichen Blockaden, die solchen Situationen zugrunde liegen und gelöst werden müssen. Es ist beim Minigolf spielen. Wenn man von aussen zuschaut, kann man anderen schnell sagen, was einem gefallen hat und was nicht. Spielt man selbst, sieht die Situation ganz anders aus.

Warum fällt es uns so schwer, Zukunftsbilder zu entwickeln? Weil wir es nicht gewohnt sind und wir keinen eigenen Antrieb dazu hatten. Es gibt noch mehr Gründe.

  • Wir suchen nach einem Gefühl von Sicherheit.
    Was hat sich in der Vergangenheit bewährt – nach dem Motto: Wenn dies passiert, dann hat es das zur Folge. Wenn wir den Kuchen zu lange im Ofen lassen, dann wird er schwarz! Dieses Sicherheitsgefühl brauchen wir zum Überleben. Es basiert auf unseren Erfahrungen in der Vergangenheit.
  • Wir wissen nicht sofort die richtige Antwort oder Lösung!
    Es wird von uns im Alltag häufig verlangt, sofort die richtige Antwort auf Fragen zu haben. Schliesslich sind wir ja Expertin oder Experte auf dem Gebiet. Und auf einmal ist das nicht mehr so. Wir wollen die perfekte Lösung , die perfekte Antwort geben und haben sie nicht sofort parat. Das verunsichert.
  • Alles muss konkret und für andere nachvollziehbar sein!
    Nein, das muss es nicht. Und schon gar nicht bei Zukunftsfragen. Hier muss mit Annahmen gearbeitet werden. Diese Art zu denken und zu handeln, haben wir im Grundsatz durch unsere rationelle Denkweise verlernt. Kinder können das noch sehr gut, z.B. beim Spielen. Da kommen auf einmal ganz tolle Geschichten auf.

Es braucht einen Anstoss!

nachvollziehbarDas ist wie beim Minigolf spielen. Wenn man nicht den ersten Schlag macht und versucht, die Hindernisse – sprich Blockaden – zu überwinden, wird man auch nie einen Ball einlochen. Und das ist nun mal Übungssache.

Einlochen heißt hier, ein eigenes Zukunftsbild entwickeln zu können. Wir müssen einfach beginnen, etwas aufs Papier zu bringen, ohne lange darüber nachzudenken – egal ob es nun absolut richtig ist oder nicht. Es ist ein erster Schritt.

Auch bei Gabi war es so. Ich war mir ganz sicher, dass Sie im Innersten genau weiss, wie Ihr Zukunftsbild aussieht. Sie kann es im Moment nur nicht klar fassen und niederschreiben. Kurz gesagt: Gabi braucht einen Anstoss, um wieder frei denken und handeln zu können. Der Anstoss waren verschiedene Fragen:

  • Was weisst Du heute schon, was Du in Zukunft auf gar keinen Fall machen möchtest?
  • Was fällt Dir schwer oder ist mühsam, was macht Dir eigentlich keine Freude?
  • Was macht Dir besonders viel Spass?
  • Wenn Du einen positiven Traum formulieren könntest, wie würde dieser Aussehen?
  • Wenn alles möglich wäre, welche Situation würdest du vorfinden?

Gabi und ich haben unsere Gedanken zu diesen Fragen einfach einmal ausgetauscht. Parallel hat sie sich ein paar Notizen gemacht. Und dann kam die grosse Aufgabe.

Gabi schreibt einen Brief!

Dann kam MyCle ins Spiel. Ich habe Gabi die Aufgabe gegeben, einen Brief aus der Zukunft zu schreiben. Sie sollte sich vorstellen, rückblickend aus der Zukunft in fünf Jahren einer guten Freundin einen Brief zu schreiben . Darin sollte sie beschreiben, welche erfolgreichen und weniger erfolgreichen Erlebnisse sie hatte.

Und Gaby hat es gemacht. Sie hat sich zurückgezogen. Eineinhalb Stunden später kam sie wieder zurück und hat mir den Brief vorgelegt. Wir haben ihn gemeinsam, wie bei MyCle beschrieben, ausgewertet und beurteilt. Daraus haben sich sofort gewisse Massnahmen abgezeichnet. Die Blockade war beseitigt und das Zukunftsbild wurde klarer, vielleicht noch nicht ganz fertig, aber doch konkret und vorstellbar. Gabi konnte die nächsten Schritte selbst gehen.

Die Auflösung

Sie fragen sich jetzt vielleicht, wer ist Gabi und um welches Zukunftsthema ging es? Gabi ist 13 Jahre alt Einlochenund musste sich Gedanken über ihre zukünftige schulische und berufliche Entwicklung machen. Soll sie weiter auf die Schule gehen oder eher eine Ausbildung anfangen. Aber in welchem Bereich soll sie die Ausbildung starten und warum? Gabi hatte Antworten für sich gefunden.

Und es kam noch besser. Sie musste eine Art Multitest für die Bewerbungen machen. Was meinen Sie, über welches Thema Sie in 20 Minuten einen Aufsatz verfassen musste? Richtig! „Wie sieht meine Zukunft aus!“ Sie hat dafür eine fantastische Beurteilung bekommen.

Gabi ist glücklich und zufrieden. Sie hat eigentlich schon so viel über ihre Zukunftspläne gewusst. Sie waren jedoch im Unterbewusstsein versteckt. Und Dank der konkreten Auseinandersetzung mit der Fragestellung und der Hilfe von MyCle, hat Sie nun einen perfekten Weg für sich gefunden. Noch besser: sie weiss jetzt auch, wie sie die Antworten auf diese Frage immer weiter entwickeln kann. Es ist eben wie beim Minigolf: Wenn man einmal den ersten Schlag gemacht hat, entwickelt sich das Spiel immer weiter. Je mehr Übung wir darin haben, desto erfolgreicher werden wir und desto mehr Spass macht es. Wie mit MyCle.

Mein Tipp: Fangen Sie an, Minigolf zu spielen, und denken Sie dabei, wie sich Zukunftsfragen entwickeln können. Viel Erfolg dabei.

 

Über den Autor

Dr. Michael Hartschen ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens, Innovationsfachmann und Querdenker.

Als gelernter Maschinenbau-Ingenieur hat er sich der Innovation und der Einfachheit verschrieben – eine Qualität, die einem Do-it-Yourself-Ansatz mehr als zuträglich ist.