Die Frage hinter der Frage – wie Bauchgrummeln weiter hilft

Die Frage hinter der Frage – wie Bauchgrummeln weiter hilft

nachdenklich

Vermutlich kennen Sie das auch. Sie zermartern sich den Kopf, weil sie zu einer Entscheidung kommen müssen. Vielleicht haben Sie sich schon mit mehreren Vertrauten und Experten beraten. Oder sie haben sogar versucht, sich einem formalisierten Prozess, einer Entscheidungsmethode zu unterwerfen. Die Optionen sind klar. Es gibt auch „Gewinner“, also Varianten, die bessere Ergebnisse erzielen als andere. Und trotzdem passt irgendetwas nicht. Der Bauch gibt ein Warnsignal – und zwar ziemlich deutlich.

Jetzt gibt es drei Optionen:

  • Sie entscheiden trotzdem rational im Sinne der „Gewinner“.
  • Oder sie entscheiden aus dem Bauch.
  • Oder sie versuchen herauszufinden, was eigentlich los ist. Denn in der Regel gibt es in diesen Fällen Unklarheit für die Frage hinter der Frage.

Die Frage hinter der Frage

Was das heißt? Ein Beispiel: ich bekam kürzlich eine Anfrage für ein Beratungspaket mit mehreren Elementen, von Trainings über Workshop-Moderationen bis hin zum Coaching – eigentlich genau meine Kragenweite. Und trotzdem rebellierte mein Bauch. Irgendetwas sagte mir, den Auftrag besser nicht anzunehmen. Ich bohrte weiter und merkte, was es war. Ich sollte vordefinierte Formate und Methoden verwenden, von deren Sinnhaftigkeit ich nicht wirklich überzeugt war. Mit anderen Worten poppte hinter der Frage, den Auftrag anzunehmen oder nicht, plötzlich eine ganz andere Frage auf: will ich einen Auftrag annehmen, der nur auf meinem Bankkonto einen spürbaren Effekt hätte?

geld2Entscheidungen sind immer dann einfach, wenn hinter den offensichtlichen Fragen einige grundsätzliche Dinge geklärt sind. Umgekehrt ist es genauso. Sind die grundsätzlichen Dinge unklar, lassen sich die scheinbar einfachen Fragen nicht beantworten. Diese grundsätzlichen Dinge haben etwas damit zu tun,

  • was ich für richtig und für falsch halte,
  • welche stoffliche und geistige Nahrung ich für mein Wohlbefinden brauche,
  • was mich in Bewegung setzt und
  • was ich schließlich erreichen will.

Eine realistische Einschätzung des Status Quo vervollständigt das Ganze. Erst wenn ich daraus einen Rahmen geschaffen habe, wenn ich weiß, was ich will, was mir wichtig ist und was ich dafür ändern muss, kann ich ohne Bauchgrummeln entscheiden – ob ich einen bestimmten Auftrag annehme oder ob ich – auch im Sinne meiner Kunden – besser darauf verzichte.

Sollten Sie also häufiger dem Phänomen begegnen, mit ihren Entscheidungen nicht zufrieden zu sein, lohnt es sich nach bauch2den Fragen hinter der Frage zu suchen. Nutzen Sie Ihr Bauchgefühl als Hinweisgeber. Suchen Sie nach dem Grund für das Grummeln. Ihr Unterbewusstsein will Ihnen implizites Wissen zur Verfügung stellen. Gehen Sie dem auf den Grund, und sie werden sich wundern, was sie alles entdecken. Sie werden sich wundern, wie anschließend ein Gefühl von Gewissheit und Klarheit entsteht, was zu tun ist.

Ich habe den Auftrag übrigens angenommen. Denn interessanterweise tauchte noch eine zweite Frage auf, die etwas mit meinem Rahmen zu tun hat: mir ist Selbstbestimmung wichtig. Dann ist es mein Job, Mittel bereitzustellen, die Entscheidungen ermöglichen und Handlungsfähigkeit herstellen. Wenn nicht reicht, was bereit liegt, muss ich halt nachlegen. Das sollte ich allemal hinbekommen.

Wie gehen Sie mit dem Bauchgrummeln um? Gehen Sie dem nach, oder eher nicht? Entscheiden sie dann rein rational oder aus dem Bauch heraus? Und welche Konsequenzen hatte das? Erzählen Sie uns ihre Geschichten. Das interessiert uns sehr.

 

Über den Autor

Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen.

Als gelernter Politologe und seit 1990 in beratenden Berufen tätig, ist er als Geschäftsführer des Geschäftswarenladens für den Überblick und das Ganze und für das Vorankommen zuständig.
Wollen Sie in Strategieprozessen wirklich so viele Ressourcen verschwenden?

Wollen Sie in Strategieprozessen wirklich so viele Ressourcen verschwenden?

rundlauf

Letztens in der Abschluss-Runde eines MyCle-Workshops meinte ein Teilnehmer: „Wir haben gerade erst einen Visionsprozess in einem Verein durchgeführt. Alles so, wie man es kennt: Leitbild, Vision, Wertekatalog, strategische Ziele usw. Wenn ich mir überlege, wie lange es gedauert hat, bis wir was Brauchbares hatten…“ Da schlich sich ein Gedanke in meinen Kopf. Kann es sein, dass in Strategie- und Visionsprozessen unglaublich viel Energie und Ressourcen verschwendet werden, weil die richtigen Fragen eigentlich erst am Ende des Prozesses formulierbar sind?

Es scheint wie die Katze, die sich in den Schwanz beißt. Da gilt die Prämisse, dass nur der den Weg findeenergie_blog2, der sein Ziel kenne*. Gleichzeitig ist der Prozess, der darauf zielt, die Ziele zu definieren, oft seltsam ziellos. Er soll das Neue (er-)finden, weiß aber nicht, wie das aussehen soll. Kurzerhand wird die eigene Unsicherheit durch allerlei wichtige Aktivitäten kompensiert: PESTEL-Analysen, Marktforschung, SWOT-Analysen, Trendforschung, Szenario-Analysen und viel weitere spannende Aktivitäten – in der Hoffnung, hier Antworten zu finden.

Wenn ich nicht weiß, wonach ich suche, werde ich’s auch nicht erkennen

Das Problem dabei: Wenn ich nicht weiß, wonach ich suche, werde ich’s auch nicht erkennen – es sei denn ich stolpere versehentlich drüber. Das ist so, weil eine der größten Stärken des Menschen die Erkennung von Mustern ist. Was ich wahrnehme und erkenne, ist vor allem, was ich immer schon wahrgenommen und erkannt habe, weil ich mich mangels Alternativen am Vergangenen, am Erfahrenen und am Geltenden orientiere. Unpassende Signale werden schlicht übersehen oder solange passend gemacht, wie es eben geht. So gesehen sind Analysen, in denen vergangene Daten aufbereitet und fortgeschrieben werden, folgerichtig und ausgesprochen sinnvoll.

ziellos_blog2Wenn ich Zukunft erfinden will – und darum geht es in Strategie- und Visionsprozessen – muss ich jedoch zunächst herausfinden, was ich will, was mir wichtig ist, was mich in Bewegung setzt. Das gilt für Unternehmen, für Vereine und auch für jeden einzelnen Menschen. Wie wäre es also, die Prozessschritte zu drehen? Nicht die Analysen dürfen am Anfang stehen sondern die Frage, „was ich warum ändern will“. Das braucht vorerst keine Analysen. Das braucht lediglich das in der Regel reichlich vorhandene explizite und implizite Wissen. Stellt sich unterwegs heraus, dass Wissen fehlt, kann gezielt danach geforscht werden. Dann weiß ich, wonach ich suche und kann es auch finden.

Der Strategieprozess könnte von viel überflüssiger und sinnfreier Geschäftigkeit entschlackt werden, wenn sich der Unternehmer und das Top-Management zunächst darüber klar würden, was sie wirklich wollen. Der Rest ergibt sich dann fast von alleine.

Die Erwartung: Neues Führungspersonal soll eine Idee haben, wohin es geht

Und wenn wir ehrlich sind, ist genau das unsere Erwartung an neues Führungspersonal. Von neuen CEOs ebenso wie von neuen Amtsinhabern wird verlangt, dass er oder sie eine Idee hat, wohin die Reise geht und wie das zu realisieren ist. Darauf verweist witzigerweise auch die einschlägige Literatur über erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer, deren Rezepte zu kopieren sich lohne. Sie werden alle auf dieselbe Weise beschrieben: sie wussten, was sie wollten.

Die, die es nicht wissen, setzen ihre Strategen in Marsch und kaufen für viel Geld Beratung aller Art ein. Sie lassen sich zdf_blog3Zahlen, Daten, Fakten zuarbeiten, die sie schlussendlich auch nicht wirklich weiter bringen. Die eigentliche Frage ist nach wie vor offen: Was will ich, was wollen wir wirklich und warum gerade das?

Und jetzt kommt MyCle ins Spiel. Denn genau das leistet MyCle. Ein Zyklus mit MyCle und mir ist klar, was ich will – alleine oder im (Management-)Team, auf Grundlage des vorhandenen Wissens und mit oder ohne Moderation. Ein bis zwei Tage sind dafür nötig. Danach herrscht Klarheit, was und wohin ich will und warum – als CEO, als selbständiger Freiberufler, als Top-Management-Team und auch als Individuum. Danach weiß ich, wonach noch zu suchen ist und was als nächstes zu tun ist. Das mag eine Analyse, die Überarbeitung des Geschäftsmodells, die Weiterentwicklung vorhandener Produkte oder die Neupositionierung sein. Und wenn es mehrere Runden dafür braucht, dann gehe ich einfach mehrere Zyklen. Denn wenn ich weiß, was ich will, kann ich das Neue erkennen, weil ich jetzt die richtigen Fragen stelle. Nach jedem Zyklus bin ich ein Stück weiter und habe weitere Klärung erreicht. Schritt für Schritt entsteht eine funktionierende Strategie – ohne Umsetzungslücke und mit viel weniger Aufwand.

Wenn Sie interessiert, wie das geht, kontaktieren Sie uns.

*Übrigens: Ursprünglich stammt der am Anfang erwähnte Aphorismus aus einem Gedicht von Christian Morgenstern und heißt: „Wer vom Ziel nicht weiß, kann den Weg nicht haben“. Da geht es weniger um das Ziel, das es zu erreichen gilt. Es geht darum, die Suche zu wagen.

 

Über den Autor

Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen.

Als gelernter Politologe und seit 1990 in beratenden Berufen tätig, ist er als Geschäftsführer des Geschäftswarenladens für den Überblick und das Ganze und für das Vorankommen zuständig.