Wollen Sie in Strategieprozessen wirklich so viele Ressourcen verschwenden?

Wollen Sie in Strategieprozessen wirklich so viele Ressourcen verschwenden?

rundlauf

Letztens in der Abschluss-Runde eines MyCle-Workshops meinte ein Teilnehmer: „Wir haben gerade erst einen Visionsprozess in einem Verein durchgeführt. Alles so, wie man es kennt: Leitbild, Vision, Wertekatalog, strategische Ziele usw. Wenn ich mir überlege, wie lange es gedauert hat, bis wir was Brauchbares hatten…“ Da schlich sich ein Gedanke in meinen Kopf. Kann es sein, dass in Strategie- und Visionsprozessen unglaublich viel Energie und Ressourcen verschwendet werden, weil die richtigen Fragen eigentlich erst am Ende des Prozesses formulierbar sind?

Es scheint wie die Katze, die sich in den Schwanz beißt. Da gilt die Prämisse, dass nur der den Weg findeenergie_blog2, der sein Ziel kenne*. Gleichzeitig ist der Prozess, der darauf zielt, die Ziele zu definieren, oft seltsam ziellos. Er soll das Neue (er-)finden, weiß aber nicht, wie das aussehen soll. Kurzerhand wird die eigene Unsicherheit durch allerlei wichtige Aktivitäten kompensiert: PESTEL-Analysen, Marktforschung, SWOT-Analysen, Trendforschung, Szenario-Analysen und viel weitere spannende Aktivitäten – in der Hoffnung, hier Antworten zu finden.

Wenn ich nicht weiß, wonach ich suche, werde ich’s auch nicht erkennen

Das Problem dabei: Wenn ich nicht weiß, wonach ich suche, werde ich’s auch nicht erkennen – es sei denn ich stolpere versehentlich drüber. Das ist so, weil eine der größten Stärken des Menschen die Erkennung von Mustern ist. Was ich wahrnehme und erkenne, ist vor allem, was ich immer schon wahrgenommen und erkannt habe, weil ich mich mangels Alternativen am Vergangenen, am Erfahrenen und am Geltenden orientiere. Unpassende Signale werden schlicht übersehen oder solange passend gemacht, wie es eben geht. So gesehen sind Analysen, in denen vergangene Daten aufbereitet und fortgeschrieben werden, folgerichtig und ausgesprochen sinnvoll.

ziellos_blog2Wenn ich Zukunft erfinden will – und darum geht es in Strategie- und Visionsprozessen – muss ich jedoch zunächst herausfinden, was ich will, was mir wichtig ist, was mich in Bewegung setzt. Das gilt für Unternehmen, für Vereine und auch für jeden einzelnen Menschen. Wie wäre es also, die Prozessschritte zu drehen? Nicht die Analysen dürfen am Anfang stehen sondern die Frage, „was ich warum ändern will“. Das braucht vorerst keine Analysen. Das braucht lediglich das in der Regel reichlich vorhandene explizite und implizite Wissen. Stellt sich unterwegs heraus, dass Wissen fehlt, kann gezielt danach geforscht werden. Dann weiß ich, wonach ich suche und kann es auch finden.

Der Strategieprozess könnte von viel überflüssiger und sinnfreier Geschäftigkeit entschlackt werden, wenn sich der Unternehmer und das Top-Management zunächst darüber klar würden, was sie wirklich wollen. Der Rest ergibt sich dann fast von alleine.

Die Erwartung: Neues Führungspersonal soll eine Idee haben, wohin es geht

Und wenn wir ehrlich sind, ist genau das unsere Erwartung an neues Führungspersonal. Von neuen CEOs ebenso wie von neuen Amtsinhabern wird verlangt, dass er oder sie eine Idee hat, wohin die Reise geht und wie das zu realisieren ist. Darauf verweist witzigerweise auch die einschlägige Literatur über erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer, deren Rezepte zu kopieren sich lohne. Sie werden alle auf dieselbe Weise beschrieben: sie wussten, was sie wollten.

Die, die es nicht wissen, setzen ihre Strategen in Marsch und kaufen für viel Geld Beratung aller Art ein. Sie lassen sich zdf_blog3Zahlen, Daten, Fakten zuarbeiten, die sie schlussendlich auch nicht wirklich weiter bringen. Die eigentliche Frage ist nach wie vor offen: Was will ich, was wollen wir wirklich und warum gerade das?

Und jetzt kommt MyCle ins Spiel. Denn genau das leistet MyCle. Ein Zyklus mit MyCle und mir ist klar, was ich will – alleine oder im (Management-)Team, auf Grundlage des vorhandenen Wissens und mit oder ohne Moderation. Ein bis zwei Tage sind dafür nötig. Danach herrscht Klarheit, was und wohin ich will und warum – als CEO, als selbständiger Freiberufler, als Top-Management-Team und auch als Individuum. Danach weiß ich, wonach noch zu suchen ist und was als nächstes zu tun ist. Das mag eine Analyse, die Überarbeitung des Geschäftsmodells, die Weiterentwicklung vorhandener Produkte oder die Neupositionierung sein. Und wenn es mehrere Runden dafür braucht, dann gehe ich einfach mehrere Zyklen. Denn wenn ich weiß, was ich will, kann ich das Neue erkennen, weil ich jetzt die richtigen Fragen stelle. Nach jedem Zyklus bin ich ein Stück weiter und habe weitere Klärung erreicht. Schritt für Schritt entsteht eine funktionierende Strategie – ohne Umsetzungslücke und mit viel weniger Aufwand.

Wenn Sie interessiert, wie das geht, kontaktieren Sie uns.

*Übrigens: Ursprünglich stammt der am Anfang erwähnte Aphorismus aus einem Gedicht von Christian Morgenstern und heißt: „Wer vom Ziel nicht weiß, kann den Weg nicht haben“. Da geht es weniger um das Ziel, das es zu erreichen gilt. Es geht darum, die Suche zu wagen.

 

Über den Autor

Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen.

Als gelernter Politologe und seit 1990 in beratenden Berufen tätig, ist er als Geschäftsführer des Geschäftswarenladens für den Überblick und das Ganze und für das Vorankommen zuständig.

Was wäre, wenn wir Apple wären? – Briefe an meinen Enkel (2)

Was wäre, wenn wir Apple wären? – Briefe an meinen Enkel (2)

Sturm

So mein Junge, dann will ich meine Geschichte mal fortsetzen. Wo hatte ich beim letzten Brief aufgehört. Ach richtig, ich hatte mich entschieden. Die Krise war überwunden.

Unterbewusst hatten bestimmt die vielen Stürme der letzten zwei, drei Jahre eine Rolle gespielt. Erst kürzlich musste ich mich gegen Wassermassen aus der U-Bahn kämpfen. Auch meinen Opa und seinen Hof hatte es ziemlich hart erwischt. Das Jahr zuvor hatte ein Hagelsturm die gesamte Maisernte platt gemacht.
Ich hatte mich also entschieden. Ich wollte meinen Beitrag leisten, den Energiehunger der Welt zu decken und gleichzeitig unsere Umwelt als lebensfreundlichen Raum zu erhalten. Ich fand, es reiche nicht mehr aus, den eigenen CO2-Fußabdruck zu reduzieren. Die gesamte Energieversorgung gehörte umgestellt. Meine Vision dafür orientierte sich am Hof meines Opas. Ich sah viele kleine energieautarke Einheiten mit einem Mix unauffälliger kleiner Energieanlagen, die sich bei Bedarf gegenseitig aushelfen konnten.

AppleNach ein wenig Recherche schien es in meinen Augen vor allem um ein Problem zu gehen: Wie ließen sich verbrauchernah natürliche Energiequellen, wie Wind und Sonne, so wandeln und speichern, dass Sie für eine spätere Nutzung jederzeit abrufbar waren? Das allein war es aber noch nicht. Es brauchte noch mehr. Eine MyCle-Impulskarte mit einer einfachen Frage brachte mich weiter: Was wäre, wenn wir Apple wären? Na klar, das ganze System musste aus einem Guss sein. Wie ließen sich die verschiedenen Elemente in einem durchgängigen System so kombinieren, dass sie für ein Einfamilienhaus oder einen Wohnblock nutzbar waren? Welche Elemente würde ich dafür benötigen?

Ein paar Tage und etliche Stunden des Grübelns später begann ich zu ahnen, was ich mir da vorgenommen hatte. Es würde so einiges zusammenkommen. Elemente, wie Mini-Blockheizkraft-Anlagen, Wasserelektrolyse-Anlagen, Vertikalrotoren, Solaranlagen waren zu verkleinern und zu integrieren. Sie mussten architektonisch zu einem harmonischen und ästhetischen Ganzen gemacht werden. Andernfalls würde es erhebliche Schwierigkeiten mit Bauämtern und Nachbarschaft geben. Das ganze musste digital steuerbar und optimierbar sein, bis hin zur Selbstdiagnose der einzelnen Module.

Wie sollten wir das alles hinkriegen? Ich beschloss meine wertvollste Ressource zu nutzen. Ich rief meinen Opa an, schilderte mein Problem und fragte, ob ich bei ihm vorbeischauen und mich mit ihm beraten dürfe. Er freute sich sehr und war sofort bereit, meine Ideen auf den Prüfstand zu stellen. Zum Abschluss des Gesprächs meinte er noch: „Denk an deine MyCle-Box. Ich glaube, die kann uns weiter helfen.“

Es wurde ein ereignisreiches Wochenende mit einigen Überraschungen und Ideen. Die erste: „Da will ich mitmachen.“ Mein Opa war sofort Feuer und Flamme. „Genau sowas habe ich in meinem kleinen und bescheidenen Rahmen quasi als Prototyp entwickelt. Warum sollen wir das nicht in die Welt hinaustragen.“ Die zweite: die Idee des Minimal Viable Product. Weil Opa mitmachen wollte, haben wir gemeinsam einen MyCle-Zyklus bearbeitet. Das Radarchart zeigte überdeutlich, dass der  Anspruch gigantisch, dieRadarchart_Ist Ressourcen aber eher bescheiden waren. Da erinnerte sich mein Opa an die Geschichte einer amerikanischen Ärztin, die auch eine große Vision hatte. Sie wollte die Zeit der Ungewissheit von Frauen mit Verdacht auf Brustkrebs radikal reduzieren – von zwei Monaten auf einen Tag. Dazu brauchte es eine Klinik, in der unterschiedliche Fachrichtungen im Sinne dieser Frauen in völlig neuer Weise kooperierten. Wie ist sie vorgegangen? Schritt für Schritt. Das Ganze vor Augen begann sie klein und addierte Schritt für Schritt neue Elemente. So könnte es auch für uns klappen. Nur womit beginnen. Was konnte unser MVP sein? Wir beschlossen uns zunächst auf die Wasserstoff-Herstellung und –Speicherung zu stürzen. Sie schien ein zentrales Element mit eigenem Marktpotenzial zu sein. Wenn es gelänge eine dezentral einsetzbare Klein-Anlage zu geringen Kosten zu schaffen, wäre die theoretisch in allen Haushalten mit Solaranlagen sofort einsetzbar. Sie würde außerdem Anreiz zum Kauf marktreifer Brennstoffzellen sein.

Tolle Idee, aber es war schnell klar, dass uns noch wesentliches fehlte: Know How. Das war der Moment, wo die Frage nach meiner näheren Zukunft eine vorläufige Antwort erhielt. Ich würde doch noch ein Studium beginnen. Ich wollte wissen, wie es gehen könnte, und ich wollte Leute kennen lernen, die kompetent sind und mitmachen würden. Wir konnten parallel ja schon beginnen. Zeit war nicht unser Problem. Die konnten wir uns einteilen, wie wir wollten – dachte ich damals jedenfalls. Denn es gab noch eine dritte Überraschung an diesem Wochenende: die hübsche Nachbarin.

Aber wie ich deine Oma kennlernte, erzähle ich dir in meinem nächsten Brief.

 

Über den Autor

Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen.

Als gelernter Politologe und seit 1990 in beratenden Berufen tätig, ist er gemeinsam mit Steffen Moldenhauer als Geschäftsführer des Geschäftswarenladens für den Überblick und das Ganze und für das Vorankommen zuständig.
Was es heißt, unternehmerisch wie Islands Fussballer zu agieren!

Was es heißt, unternehmerisch wie Islands Fussballer zu agieren!

Fussballer

 

Berlin hat 10 mal so viele Einwohner wie ganz Island. Stellen wir uns vor, der Bezirk Berlin Mitte (ca. 360‘000 Einwohner) hätte es geschafft, aus den Bewohnern eine Fussballmannschaft zusammenzustellen, die in der Europameisterschaft im Viertelfinale steht. Oder in der Schweiz stellt der Kanton Tessin eine Nationalmannschaft zusammen. Das sind die Grössenverhältnisse.

Wow! Das wollen wir auch können. Es stellt sich die Frage: Wie geht das?

Unternehmerisch würde diese Frage lauten: wie schaffen wir es, als kleines oder mittelgrosses Unternehmen gegen die grossen Marktführer anzukommen?

In der Arbeit mit MyCle gibt es die Möglichkeit, sich durch solche Impulse anregen zu lassen. Also habe ich aus dieser Perspektive einmal drei unterschiedliche Aspekte herausgegriffen und in den unternehmerischen Kontext gestellt. Das sind: das Team, die Ressourcen und die Strukturen.

Das Team

FBPost2Wer das Fussballspiel Island gegen England bei der EM 2016 gesehen hat, dem ist sofort klar: das Team hat perfekt funktioniert. Was heisst funktioniert? Es hat harmonisiert, es hatte ein gemeinsames Ziel, und selbst bei dem frühen Gegentor sind die Spieler nicht in ein Frustloch gefallen. Sie waren gemeinsam stark und haben an die eine Sache geglaubt: wir können und wollen gewinnen.

Für Teams in Unternehmen gilt das gleiche. Wenn wir gemeinsame Ziele haben und daraus Gemeinschaft bilden, lassen wir uns von der Grösse eines Gegners nicht beeindrucken. Auch Niederlagen werden akzeptiert. Das Ziel wird jedoch nie aus den Augen verloren. Es sind die weichen Faktoren, das Verhalten im Team, das eine zentrale Rolle spielt.

Die Ressourcen

Ein so kleines Land wie Island hat nicht die grosse Auswahl von Ressourcen, sprich Spieler. Die vorhandenen Spieler sind jedoch selbst motiviert, ehrgeizig und lernfähig. Schon durch die Qualifikation konnten Erfahrungen gesammelt werden. Viele suchen den einzigen besten Spieler oder Mitarbeiter. Letztendlich sind es diejenigen, die zur Verfügung stehen, um das Beste daraus zu machen. Und das haben die Isländer geschafft. Ob es der geniale Einwurf ist, der unbändige Kampfgeist oder der 80 m Sprint – jeder bringt seine Fähigkeiten am Besten in das Team ein.

Gerade bei kleinen und mittelgrossen Unternehmen zählt jeder Mitarbeitende mit seinen Fähigkeiten. Die Auswahl von einzelnen Fachspezialisten ist meist nicht gegeben. Es werden auch allgemeine Aufgaben im Alltag zu bewältigen sein. Die Strukturen sind flach und auf die Ressourcen kann breit zugegriffen werden. Man kennt sich, man versteht sich und unterstützt sich gegenseitig.

Die Strukturen

Das Klima in Island ist für das Fussballspielen nicht gerade ideal. Die Durchschnittstemperatur im Sommer beträgt gerade einmal 12°C und es gibt 180 Schneetage. Das grösste Stadium Laugardalsvöllur fasst rund 15‘000 Zuschauer. Mit viel Fleiss und Energie hat Island trotzdem Strukturen geschaffen, in denen sich der Fussballsport entwickeln kann: einerseits über die Möglichkeit auch bei schlechtem Wetter in Hallen Fussball zu spielen, anderseits auch in der Jugendförderung. Es ist die Summe der verschiedenen Aktivitäten, die zu einem Gesamtergebnis geführt haben. Sicher hat dazu auch beigetragen, dass das Land vor der Finanzblase gut in die Infrastruktur investieren konnte.

Auch Unternehmen haben nicht immer alle Strukturen im Übermass zur Verfügung. Wer jedoch zielorientiert und langfristig denkt, baut Schritt für Schritt eine sehr gute Basis auf. Kontinuität und sorgsame Umgang mit der Infrastruktur sorgt für eine lange Nutzungsdauer.

Was lernen wir daraus?

Was wäre, wenn Sie wie die isländische Fussballnationalmannschaft wären? Als Unternehmen oder TwitterPost2Organisation würden Sie Ihre vorhandenen Ressourcen gezielt und effizient nutzen und auch gezielt in Infrastruktur investieren. Das alleine reicht noch nicht aus. Es geht auch um die Menschen, die Kultur, die notwendig ist, um Vorhandenes richtig einzusetzen. Es braucht das gemeinsame Verständnis und Ziele, was erreicht werden soll. Es braucht ein Team.

Mit MyCle, der Unternehmensberatung „out of the box“, ist es möglich, so eine gemeinsame Grundhaltung und gemeinsame Ziele im Team zu entwickeln. Das bedeutet einerseits Absicherung in den Entscheidungen und andererseits den sinnvollen Einsatz der bestehenden Ressourcen.

Fazit

Island hat in der Qualifikation zur Europameisterschaft schon einige andere Mannschaften geschlagen und u.a. die Niederlande hinter sich gelassen. 2004 hat Island Italien in einem Freundschaftsspiel 2:0 besiegt. Es ist keine Eintagsfliege. Der Fussball in Island hat wirklich kulturelle und strukturelle Erfolgskomponenten. Das gilt übrigens auch für die Handball- und Basketballmannschaften.

Auch Unternehmer dürfen sich nicht auf den Zufall verlassen. Wenn Entscheidungen gemeinsam und verständlich gefällt werden, ist es einfacher und klar, was jeder selbst zur Zielerreichung beitragen kann. Das gibt Kraft mit geringen Energieverlusten.

Einfach eine starke Mannschaft.

Über den Autor

Dr. Michael Hartschen ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens, Innovationsfachmann und Querdenker.

Als gelernter Maschinenbau-Ingenieur hat er sich der Innovation und der Einfachheit verschrieben – eine Qualität, die einem Do-it-Yourself-Ansatz mehr als zuträglich ist.