Selbstorganisation und MyCle – passt überraschend gut zusammen!

Selbstorganisation und MyCle – passt überraschend gut zusammen!

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Als wir vor einigen Jahren damit begannen, einen Do-it-Yourself Werkzeugkasten für Strategiearbeit zu entwickeln, wäre ich nie im Leben darauf gekommen, wie dicht dran wir am Thema Selbstorganisation sind. Wissend, dass professionelle Werkzeuge die Arbeit erleichtern und die Qualität verbessern, wollten wir den Profis in den Unternehmen, ihre Kernaufgabe, das Entscheiden unter Unsicherheit, vereinfachen. Das ist uns gelungen. Vor zwei Wochen bin ich dann bei der Lektüre von Frédéric Lalouxs „Reinventing Organizations“ auf folgenden Satz gestoßen:

„Wir sollten eher wie Bauern denken: 20 Jahre in die Zukunft schauen und nur für den nächsten Tag planen.“

Ich war verblüfft, wie sehr das unserem Ansatz emergenter Strategiearbeit entsprach, die Perspektive zu klären und zunächst nur den nächsten Schritt festzulegen. Bei näherem Hinsehen ist diese Nähe indes gar nicht so verwunderlich. Irgendwie begleitet mich das Thema seit meinem Studium, Ende der 70er Jahre bei diesem Projekt einer linken Tageszeitung ohne Hierarchie und ohne Chefredaktion, Anfang der 90er als aufrechter Streiter für Beteiligungsrechte der Belegschaften, Ende der 90er in meiner Ausbildung als Organisationsentwickler und aktuell bei der Begegnung mit Konzepten, wie Holacracy und den „teal organizations“.

wiebauerndenken_instagram1Es scheint, als ob der Zweifel an der Wirksamkeit von Beratung die Elemente und theoretischen Konstrukte wieder an die Oberfläche des Bewusstseins gespült hat, die notwendige Voraussetzung für Selbstorganisation sind:

  • bewusster Umgang mit dem gültigen Werte- und Normenrahmen,
  • Kenntnis der eigenen und der gemeinsamen Bedürfnisse,
  • die Beantwortung der Sinnfrage,
  • ein gemeinsames Bild einer zu gestaltenden Zukunft und
  • eine realistische Einschätzung der eigenen Situation.

Wir haben – „versehentlich“ – ein Werkzeug geschaffen, das ganz wesentlich zur Einführung von Selbstorganisation beitragen kann. Selbstorganisation braucht Sinn als Triebkraft. Sie braucht eine Vision als Landmarke für die Richtung. Sie braucht einen gemeinsamen Werterahmen mit einigen gesetzten Fixpunkten, nämlich Vertrauen und Fehlertoleranz. Sie muss individuelle und gemeinsame Bedürfnisse bedienen, weil sich sonst starke Fliehkräfte entwickeln.

MyCle bietet als Verfahren einfachste Hilfsmittel, die schnell und unkompliziert eine gemeinsame Basis für genau diese Aspekte schafft und gleichzeitig die Unterschiede in der Haltung der beteiligten Personen transparent macht. Insofern bietet MyCle so einiges, was Selbstorganisation voran bringt.

Neben diesen notwendigen Voraussetzungen braucht Selbstorganisation aber noch einiges mehr. Zuvorderst ist die Fähigkeit zu nennen, mit Konflikten umzugehen. Dazu braucht es Feedback-Mechanismen und eine bewusste und permanente Auseinandersetzungen mit gruppendynamischen Prozessen. Dazu braucht es aber auch Menschen, die auf Grundlage von Vertrauen und Fehlertoleranz bereit sind, unangenehme, auch persönliche Konflikte anzusprechen, auszutragen und zu lösen. Klar formulierte Erwartungen an die handelnden Personen helfen da weiter. Zusätzlich ist aber konfliktloesung1permanente Achtsamkeit und vermutlich auch individuelle Unterstützung und Stärkung gefragt – und zwar auf beiden Seiten: für die, die Konflikte benennen, und die, die angesprochen werden.

Alles, was ich über informelle Regeln und Normen weiß und erlebt habe, deutet darauf hin, dass hier ein kritischer Erfolgsfaktor für Selbstorganisation liegt. Davon auszugehen, das Problem ließe sich über ein paar Spielregeln in „Governance und Tactical Meetings“ zu behandeln, wie das beispielsweise Holacracy tut, scheint mir naiv und gefährlich.

Also: wenn Sie sich an Selbstorganisation heranwagen, nutzen Sie MyCle, um  die Grundlagen zu legen. Vergessen Sie aber nicht Feedback- und Konfliktlösungsmechanismen auszubilden. Und vielleicht ist sogar der systematische Einsatz von Mediatoren angesagt.

Was halten Sie von Selbstorganisation? Haben Sie praktische Erfahrung damit? Was braucht Selbstorganisation Ihres Erachtens, um zu funktionieren?

 

Über den Autor

Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen.

Als gelernter Politologe und seit 1990 in beratenden Berufen tätig, ist er als Geschäftsführer des Geschäftswarenladens für den Überblick und das Ganze und für das Vorankommen zuständig.
Oktober 2016: Wie mit MyCle Dieselgate zu einer Chance wurde (eine fiktive Geschichte)

Oktober 2016: Wie mit MyCle Dieselgate zu einer Chance wurde (eine fiktive Geschichte)

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Damit hatten sie nicht gerechnet. Das Digital Lab von Volkswagen war von Anfang an innovativ unterwegs. Das war ja schließlich auch der Auftrag. Dass ausgerechnet diese Innovation eine solche Welle erzeugen sollte, war allerdings nicht absehbar. Dabei hatten sie in ihren neuen Räumen in Berlin nur einen gemeinsamen Wertekatalog und eine gemeinsamen Vision erarbeitet. Und sie haben darüber gesprochen, mit den Kollegen und ihren Chefs. Sie haben erzählt, wie schnell sie mit einfachsten Mitteln zu genau den Ergebnissen gekommen sind, die sie sich gewünscht haben. Das hat Aufmerksamkeit erregt. Dann kam jemand auf eine naheliegende Idee.

Frisch installiert wollte die Leitung des Digital Labs in Berlin auch nach innen von Anfang Zeichen setzen. Sie hatten den Auftrag bekommen, wie ein Startup zu agieren und wollten das auch tun. Deshalb versammelte sich eine kleine Gruppe von 5 Personen und beschrieb gemeinsam, was kulturell und visionär anders sein und werden sollte.

ErgebnisSie haben Briefe „zurück aus der Zukunft“ geschrieben, die Inhalte analysiert und schnell erkannt, welche gemeinsamen Werte und Bedürfnisse sie verbinden. Sehr spannend war die Diskussion über ihre Vision. Denn hier flossen Einschätzungen über die Entwicklung der Mobilität und die Bedeutung der Software-Entwicklung in diesem Prozess ein. Am Ende des zweitägigen Workshops stand der Wertekatalog und die Vision war formuliert. Und fast nebenbei war deutlich geworden, was als nächstes passieren musste. Das Ergebnis hat sie überrascht, weil sie in der Vergangenheit andere Erfahrungen gemacht hatten: viele Workshops mit schönen Worten und wenig alltagstauglichen Ergebnissen. Genau davon haben sie erzählt.

Und dann hatte Anfang 2016 jemand eine Idee: „Lasst uns den Abgas-Skandal nutzen. Wir haben jetzt die Chance, einige wesentliche Probleme anzufassen. Wir brauchen schnellere Prozesse mit hoher Stabilität und Reproduzierbarkeit. Wir brauchen Persönlichkeiten, die führen – die es wagen, Fehler zu machen und daraus lernen. Und wir haben Manager, die über lange Jahre gelernt haben, mit dem Dilemma einer Fehler-intoleranten Führungskultur einerseits und einem Konsens-orientierten Anspruch gegenüber Mitarbeitern und Gewerkschaften klar zu kommen. Wir brauchen Führung, nicht Management. Das bedeutet ein verändertes Verhalten. Wie kriegen wir das hin?“

In einem IT-Umfeld lag die Antwort fast auf der Hand: „Wir müssen auch hier mit agilen Methoden arbeiten. Wir brauchen eine gemeinsame Perspektive und die Konzentration auf den jeweils nächsten Schritt.“ Die gemeinsame Perspektive sollte den Rahmen schaffen und die Orientierung bieten, die Entscheidungen in Unsicherheit – eine der Kernaufgaben von Führung – möglich machen. Die Konzentration auf den nächsten Schritt war wichtig, um überzogene Planungs- und Abstimmungsaktivitäten zu vermeiden und schnell erste Resultate zu erzeugen. Sollten unerwartete Hindernisse auftauchen, böte die gemeinsame Perspektive die Möglichkeit sich immer wieder neu auszurichten.
Jemand erinnerte sich, dass die Kollegen des Digital Labs genau davon erzählt haben. Sie haben eine Perspektive geschaffen und sich auf den nächsten Schritt konzentriert. „Wie haben die das gemacht? Kann uns die Methode weiter helfen?“

Das war der Moment, an dem MyCle und der geschaeftswarenladen ins Spiel kam. Natürlich konnten wir. fiktiveGeschichteEine Hauptabteilung wurde als Pilot definiert. In einer Workshop-Reihe arbeiteten über alle Hierarchieebenen jeweils der Chef mit seinen direkt Berichtenden zwei Tage mit MyCle. Sie definierten den real existierenden gemeinsamen Werterahmen für ihren Verantwortungsbereich. Sie wurden sich ihrer eigenen Bedürfnisse bewusst und entwickelten ein neues Verständnis füreinander. Sie formulierten nicht nur eine Vision sondern beantworteten auch die Sinnfrage über den rein funktionalen und ökonomischen Rahmen hinaus. Es entstanden Orientierungsmarken, von denen die Mitarbeiter später sagten, sie wären für die täglichen Entscheidungen extrem hilfreich. Und nicht zuletzt klärte sich fast von allein, was konkret in nächster Zeit anstand. Weil klar war, welche Bedeutung das hatte und wer dafür verantwortlich war, musste nicht lange danach gesucht werden, wer das – jetzt auch noch – erledigen sollte.

Als nächstes soll die Workshop-Reihe auf die gesamte Konzern-IT erweitert werden. Und auch Audi ist schon hellhörig geworden.

 

Über den Autor

Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen.

Als gelernter Politologe und seit 1990 in beratenden Berufen tätig, ist er gemeinsam mit Steffen Moldenhauer als Geschäftsführer des Geschäftswarenladens für den Überblick und das Ganze und für das Vorankommen zuständig.