Agilität in Strategiearbeit und Entscheidungsfindung! Eine Höhere Fachschule in der Schweiz geht neue Wege in der Führungsausbildung

ibW_Logo_farbigNeue Wege in der Führungsausbildung geht die ibW – die höhere Fachschule Südostschweiz. Mit dem Produkt MyCle vom Berliner geschaeftswarenladen setzen sie bei der Qualifizierung von Führungskräften in kleinen und mittelständischen Unternehmen ein neues Hilfsmittel ein. Die Teilnehmer im Fach Strategisches Management waren von der Güte der Ergebnisse und der Einfachheit des Prozesses überrascht.

MyCle ist ein bewusst analoges Verfahren, das einer Person oder einem Team hilft, schwierige unternehmerische Entscheidungen zu treffen. In der Arbeit wird ein Kriterienrahmen geschaffen, der drei Kernelemente enthält: Motive und Werte als Entscheidungsgrundlagen, die Frage nach Sinn und Vision als Perspektive und eine Einschätzung des Status Quo der eigenen Ressourcen und begonnenen Aktivitäten. Am Ende des Bearbeitungszyklus fallen Entscheidungen leicht, weil Kopf und Bauch gemeinsame Sache gemacht haben. Es wird klar, wohin man möchte und welcher Schritt als Nächstes zu gehen ist. Das wird durch einfache Hilfsmittel und die grafische Darstellungen von (Zwischen-)Ergebnissen nachvollziehbar ermöglicht.

Die ibW setzt auf Instrumente, die „den Praxisbezug sicherstellen und branchenneutral sind. Die ersten Erfahrungen haben gezeigt, dass MyCle sehr praxisnah und in der Anwendung sehr effizient und einfach ist. Die Teilnehmenden waren begeistert“, so der Fachvorsteher des Nachdiplomstudiengangs Damian Tomaschett.

MyCle unterstützt die Führungsarbeit, indem es mit strategischen Entscheidungen Unternehmen Schritt für Schritt weiter bringt. Es ist einfach, pragmatisch, flexibel und durch die Fokussierung auf den nächsten Schritt unmittelbar praktisch und entspricht dadurch der Denk- und Arbeitsweise im Mittelstand.

Die nächsten Termine:

Kontakt:

Dieter Bickenbach
Gründer und Geschäftsführer

mail: presse (at) geschaeftswarenladen.info
mobil: +49(179)4698570

 

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Wollen Sie in Strategieprozessen wirklich so viele Ressourcen verschwenden?

Wollen Sie in Strategieprozessen wirklich so viele Ressourcen verschwenden?

rundlauf

Letztens in der Abschluss-Runde eines MyCle-Workshops meinte ein Teilnehmer: „Wir haben gerade erst einen Visionsprozess in einem Verein durchgeführt. Alles so, wie man es kennt: Leitbild, Vision, Wertekatalog, strategische Ziele usw. Wenn ich mir überlege, wie lange es gedauert hat, bis wir was Brauchbares hatten…“ Da schlich sich ein Gedanke in meinen Kopf. Kann es sein, dass in Strategie- und Visionsprozessen unglaublich viel Energie und Ressourcen verschwendet werden, weil die richtigen Fragen eigentlich erst am Ende des Prozesses formulierbar sind?

Es scheint wie die Katze, die sich in den Schwanz beißt. Da gilt die Prämisse, dass nur der den Weg findeenergie_blog2, der sein Ziel kenne*. Gleichzeitig ist der Prozess, der darauf zielt, die Ziele zu definieren, oft seltsam ziellos. Er soll das Neue (er-)finden, weiß aber nicht, wie das aussehen soll. Kurzerhand wird die eigene Unsicherheit durch allerlei wichtige Aktivitäten kompensiert: PESTEL-Analysen, Marktforschung, SWOT-Analysen, Trendforschung, Szenario-Analysen und viel weitere spannende Aktivitäten – in der Hoffnung, hier Antworten zu finden.

Wenn ich nicht weiß, wonach ich suche, werde ich’s auch nicht erkennen

Das Problem dabei: Wenn ich nicht weiß, wonach ich suche, werde ich’s auch nicht erkennen – es sei denn ich stolpere versehentlich drüber. Das ist so, weil eine der größten Stärken des Menschen die Erkennung von Mustern ist. Was ich wahrnehme und erkenne, ist vor allem, was ich immer schon wahrgenommen und erkannt habe, weil ich mich mangels Alternativen am Vergangenen, am Erfahrenen und am Geltenden orientiere. Unpassende Signale werden schlicht übersehen oder solange passend gemacht, wie es eben geht. So gesehen sind Analysen, in denen vergangene Daten aufbereitet und fortgeschrieben werden, folgerichtig und ausgesprochen sinnvoll.

ziellos_blog2Wenn ich Zukunft erfinden will – und darum geht es in Strategie- und Visionsprozessen – muss ich jedoch zunächst herausfinden, was ich will, was mir wichtig ist, was mich in Bewegung setzt. Das gilt für Unternehmen, für Vereine und auch für jeden einzelnen Menschen. Wie wäre es also, die Prozessschritte zu drehen? Nicht die Analysen dürfen am Anfang stehen sondern die Frage, „was ich warum ändern will“. Das braucht vorerst keine Analysen. Das braucht lediglich das in der Regel reichlich vorhandene explizite und implizite Wissen. Stellt sich unterwegs heraus, dass Wissen fehlt, kann gezielt danach geforscht werden. Dann weiß ich, wonach ich suche und kann es auch finden.

Der Strategieprozess könnte von viel überflüssiger und sinnfreier Geschäftigkeit entschlackt werden, wenn sich der Unternehmer und das Top-Management zunächst darüber klar würden, was sie wirklich wollen. Der Rest ergibt sich dann fast von alleine.

Die Erwartung: Neues Führungspersonal soll eine Idee haben, wohin es geht

Und wenn wir ehrlich sind, ist genau das unsere Erwartung an neues Führungspersonal. Von neuen CEOs ebenso wie von neuen Amtsinhabern wird verlangt, dass er oder sie eine Idee hat, wohin die Reise geht und wie das zu realisieren ist. Darauf verweist witzigerweise auch die einschlägige Literatur über erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer, deren Rezepte zu kopieren sich lohne. Sie werden alle auf dieselbe Weise beschrieben: sie wussten, was sie wollten.

Die, die es nicht wissen, setzen ihre Strategen in Marsch und kaufen für viel Geld Beratung aller Art ein. Sie lassen sich zdf_blog3Zahlen, Daten, Fakten zuarbeiten, die sie schlussendlich auch nicht wirklich weiter bringen. Die eigentliche Frage ist nach wie vor offen: Was will ich, was wollen wir wirklich und warum gerade das?

Und jetzt kommt MyCle ins Spiel. Denn genau das leistet MyCle. Ein Zyklus mit MyCle und mir ist klar, was ich will – alleine oder im (Management-)Team, auf Grundlage des vorhandenen Wissens und mit oder ohne Moderation. Ein bis zwei Tage sind dafür nötig. Danach herrscht Klarheit, was und wohin ich will und warum – als CEO, als selbständiger Freiberufler, als Top-Management-Team und auch als Individuum. Danach weiß ich, wonach noch zu suchen ist und was als nächstes zu tun ist. Das mag eine Analyse, die Überarbeitung des Geschäftsmodells, die Weiterentwicklung vorhandener Produkte oder die Neupositionierung sein. Und wenn es mehrere Runden dafür braucht, dann gehe ich einfach mehrere Zyklen. Denn wenn ich weiß, was ich will, kann ich das Neue erkennen, weil ich jetzt die richtigen Fragen stelle. Nach jedem Zyklus bin ich ein Stück weiter und habe weitere Klärung erreicht. Schritt für Schritt entsteht eine funktionierende Strategie – ohne Umsetzungslücke und mit viel weniger Aufwand.

Wenn Sie interessiert, wie das geht, kontaktieren Sie uns.

*Übrigens: Ursprünglich stammt der am Anfang erwähnte Aphorismus aus einem Gedicht von Christian Morgenstern und heißt: „Wer vom Ziel nicht weiß, kann den Weg nicht haben“. Da geht es weniger um das Ziel, das es zu erreichen gilt. Es geht darum, die Suche zu wagen.

 

Über den Autor

Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen.

Als gelernter Politologe und seit 1990 in beratenden Berufen tätig, ist er als Geschäftsführer des Geschäftswarenladens für den Überblick und das Ganze und für das Vorankommen zuständig.

Wie Ziele uns vom Weg abbringen!

Wie Ziele uns vom Weg abbringen!

bergsteiger_markusspiske

„Wer Sein Ziel nicht kennt, für den ist kein Weg der Richtige!“ (aus dem Koran) „Wer im Leben kein Ziel hat, verläuft sich.“ (Abraham Lincoln) „Nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg.“ (Laotse) Ich habe noch selten ein Thema gekannt, zu dem es so viel Übereinstimmung gab. Ziele sind, was alle vereint, die alten Weisen, die Religionen, die Politiker, die Psychologen und natürlich nicht zuletzt die Entrepreneure und Berater dieser Welt. Die Bilder dazu kennen Sie auch alle:

  • der Gipfel, der zu erklimmen ist,
  • der Zielkorridor, wenn wir uns noch nicht ganz sicher sind,
  • die Zielscheibe, die dank perfekter Planung immer genau in der Mitte getroffen wird und nicht zuletzt
  • der siegreiche Held.

Zweifel tauchen auf

Irgendwann tauchten Zweifel auf, ob das alles so richtig ist. Beginnen wir mit Ackermanns 25%-Ziel. Es ist vermutlich keine besonders gewagte These, wenn wir heute davon ausgehen, dass die aktuellen Schwierigkeiten der Deutschen Bank mit diesem Ziel zu tun haben. Dann war da die Idee, die Deutsche Bahn an die Börse zu bringen. Seitdem kursiert der immer noch erlebbare Spruch von den vier Feinden der Bahn: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Den aktuellen Spitzenplatz dürfte aber der norddeutsche Autobauer einnehmen, mit dem Ziel bis 2018 der Größte seiner Zunft zu sein.

Wie konnten diese Ziele so sehr in die Irre führen? Kann es sein, dass insbesondere sehr spezifische, messbare und terminierte Ziele etwas an sich haben, das vom Weg abbringt? Kann es sein, dass über der Spezifik der Ziele der Kompass falsch kalibriert wurde? Oder braucht es – wie im „Fluch der Karibik“ – gar ein spezifisches Umfeld, in dem allein der Kompass funktioniert.

Ein Experiment nährt die Zweifel.

kerzenproblemKennen Sie das Experiment mit der Kerze, der Box mit Heftzwecken und dem Tisch?

Die Aufgabe bestand darin, eine Kerze so an der Wand zu befestigen, dass das Kerzenwachs nicht auf den Tisch tropfte. Dieses seit den 30er Jahren bekannte Experiment wurde 1962 um eine Kleinigkeit verändert. Eine Gruppe erhielt einen Bonus, wenn sie die Aufgabe löste, die andere nicht. Das überraschende Ergebnis: Wer bezahlt wurde, löste die Aufgabe im Schnitt langsamer. Das Ergebnis drehte sich in dem Moment, wo das Material ein wenig anders angeordnet wurde und die Box als nutzbares Material und nicht als Behältnis der Reißzwecken erkennbar wurde.

Kann es sein, dass die gängigen Management-Methoden eine Form der Fokussierung begünstigen und fördern, die den Sinn hinter den Zielen vergessen lassen?

Ziele brauchen einen Rahmen

Ich habe eine Vermutung. Ebenso wie Entscheidungen brauchen auch Ziele einen Rahmen.

„Weil individuelle Mobilität genauso wichtig ist, wie der Schutz unserer Umwelt, müssen die CO2-Schleudern von der Straße.“ „Weil in unserer Gesellschaft das Privateigentum einen hohen Stellenwert besitzt, muss ein Unternehmen in erster Linie die wirtschaftlichen Interessen der Shareholder bedienen.“

Zwei sehr unterschiedliche Statements, die aber beide zwei Elemente zusammenbringen: Werte, die dabei helfen zwischen richtig und falsch zu unterscheiden, und Sinn und Zweck als Orientierung. Im ersten Statement ist zusätzlich Sinn in eine Art Vision gewandelt.zielerahmen1

Es ist der Rahmen, der Kontext, aus dem das Verständnis des Ziels erwächst. Im ersten Fall sind Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren mit neuen Mobilitäts- und Energie-Angeboten zu ersetzen. Im zweiten Fall ginge es darum, den Shareholder-Value zu erhöhen. Der eine Rahmen blendet den Inhalt der eigenen Aktivität aus. Der andere schaut nur auf den Inhalt. 

Ohne diesen Rahmen füllen die Ziele das Vakuum und werden zum Selbstzweck. Größter Automobilhersteller der Welt zu werden oder 25% Umsetzrendite werden zum alleinigen Inhalt. Sie Infrage zu stellen ist Häresie. Plötzlich verändert sich im Umkehrschluss sogar der real erlebbare Werterahmen. Aus einem Null-Fehler-Ansatz in der Produktion wird das Fehlen jeglicher Fehlertoleranz auch im täglichen Umgang. Misstrauen und Vermeidung von Verantwortungsübernahme sind die Folge.

Fazit:

Zugegeben, das sind ein paar wilde Thesen. Aber es spricht viel dafür, Zielen ihren sinnvollen Platz zuzuweisen, nämlich dort wo Fokussierung sinnvoll und erfolgversprechend ist. Darunter, dahinter oder daneben muss Platz bleiben für den Rahmen, der den Zielen den Sinn gibt. Es muss die Frage erlaubt sein, ob ich dem Sinn vielleicht besser diene, indem ich einen anderen Gipfel als den Mount Everest erklimme.

Wie halten Sie’s mit Zielen – lieber  visionär und bewusst mit weichen Konturen oder besser fokussiert und SMART?

 

Über den Autor

Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen.

Als gelernter Politologe und seit 1990 in beratenden Berufen tätig, ist er als Geschäftsführer des Geschäftswarenladens für den Überblick und das Ganze und für das Vorankommen zuständig.

Unternehmer werden? 5 Fragen, die ich vorher klären muss

Unternehmer werden? 5 Fragen, die ich vorher klären muss

FinallyFree

Der Job als interner Organisationsentwickler war die letzten 5 Jahre wirklich spannend. Nie zuvor habe ich in so kurzer Zeit so viel gelernt. Ich hatte plötzlich Personalverantwortung. Ich musste lernen, aktiv an massiven Veränderungsprozessen mitzuwirken bzw. sie zum Teil sogar zu treiben – und zwar so, dass sich alle Beteiligten am nächsten Tag noch in die Augen schauen konnten. Aber nach fünf Jahren war auch noch etwas anderes deutlich geworden: Es waren immer wieder dieselben Hürden, die auf dem Weg lauerten und die sich nicht überwinden ließen. Insofern stand irgendwann die Frage im Raum, wie es weiter ging. Sollte ich bleiben, wo ich war? Sollte ich mir eine neue Herausforderung in einem anderen Unternehmen suchen? Oder sollte ich den Schritt in die Freiberuflichkeit wagen?

Ich stelle mir gerade vor, ich müsste diese Frage heute noch einmal beantworten. Was würde ich tun? Wie könnte ich die Frage beantworten? Mit meinem Wissen und meinen Erfahrungen von heute, wüsste ich das: Klären, was mir besonders wichtig ist und was ich will. Heute weiß ich auch, wie das geht. Mit MyCle habe ich sogar an der Entwicklung einer Methode mitgewirkt, die genau auf diese Art der Fragestellung Antworten produziert. Damals war es ein längerer Suchprozess mit allem, was dazu gehört: Existenzangst, Unsicherheit und glücklicherweise ein paar hilfreichen Tritten in den Hintern.

Eine Unmenge Beratungsangebote

Im Kern wäre die Situation heute vermutlich ähnlich, obwohl sich die Zeiten geändert haben, obwohl es eine Unmenge Beratungsangebote in allen Qualitäten und Preislagen gibt. Das fängt bei Existenzgründungs-Broschüren der Arbeitsagentur an, geht über eine Unmenge Literatur und „How-To“-Onlinekursen bis hin zu gezielten Startup-Angeboten an den Universitäten und den Acceleratoren großer Unternehmen. Nicht zuletzt ist das Angebot an mehr oder minder qualifizierter Gründungsberatung inzwischen kaum noch zu überschauen.

Wenn ich auf die Fragen schaue, die ich klären muss, helfen die meisten dieser Angebote jedoch nicht weiter. Welche Fragen sind das?

  1. Was setzt mich in Bewegung? Was treibt mich an?
  2. Was will ich erreichen?
  3. Warum ist mir gerade das wichtig?

Erst wenn das geklärt ist, wird die Frage nach dem Wie interessant.

  1. Wie kann ich das realisieren?
  2. Was brauche ich dafür und was habe ich schon?

Und weil ich irgendwo einmal gelesen habe, dass es in den Artikeln mit diesen „5 Fragen …“-Überschriften immer eine Zugabe geben soll, habe ich noch eine sechste Frage:

  1. Womit fange ich an? Was tue ich als erstes?

1. Was setzt mich in Bewegung? Was treibt mich an?

PassionDiese Frage ist gleichzeitig sehr einfach und sehr schwierig. Bei der einfachen Seite geht es um Sinn. Sinn motiviert – manchmal bis zur Selbstaufopferung. In der Regel kann ich schnell formulieren, was ich für sinnvoll halte. Die Welt retten. Viel Geld verdienen. Das Wissen vergrößern. Meine Gruppe oder Organisation voranbringen. Der Möglichkeiten gibt es viele.

Etwas schwieriger ist es, den eigenen Bedürfnissen auf die Schliche zu kommen. Die wirklich Wichtigen sind uns nämlich häufig nicht bewusst. Das sind solche Gemeinheiten wie: „nach Aufmerksamkeit lechzen“ oder „es allen Recht machen wollen“. Einfacher ist es zumeist, wenn es um das Bedürfnis nach Sicherheit, Freiheit oder nach Gemeinschaft geht.

Will ich entscheiden, ob Selbständigkeit die richtige Option für mich ist, hilft die Suche nach dem Sinn einerseits und nach den Bedürfnissen, die ich mit der Selbständigkeit bediene oder denen ich damit entgegenwirke. Tue ich das nicht, droht Aufschieberitis und permanente innere Unruhe. Denn insbesondere die unbewussten eigenen Bedürfnisse haben die unangenehme Eigenschaft im gefühlsmäßigen Untergrund zu rumoren.

2. Was will ich erreichen?

Es ist eigentlich egal, ob wir das jetzt Vision, Ziel oder Perspektive nennen. Wichtig ist, dass wir uns darüber im Klaren sind, was wir verändern wollen und wie das dann ungefähr aussehen soll. Ich beispielsweise sehe eine Unmenge von Leuten, die ihr Leben in die eigene Hand nehmen und tun, was Ihnen gerecht wird. Dabei helfen ihnen die Werkzeuge des geschaeftswarenladens. Wir nennen das Selbstermächtigung.

Darauf kann ich hinarbeiten, Schritt für Schritt und Entscheidung für Entscheidung – egal, welche Schwierigkeiten sich gerade auftun. Das kann ich auch mit anderen Mitteln weiterverfolgen, sollte sich unterwegs herausstellen, dass unsere Produkte, unsere Werkzeuge nicht so angenommen werden, wie erwartet. Schließlich kann es sein, dass Selbstermächtigung doch nicht funktioniert – glaube ich zwar nicht, ist aber möglich. Dann müsste ich eine neue Vision formulieren, die meinen Werten gerecht würde.

3. Warum ist mir gerade das wichtig?

Damit sind wir schon bei der dritten Frage. Denn es sind die erkennbar gelebten Werte, nach denen ich Vision und Sinn auswähle. Und hier ist nicht die Rede von abstrakt oder generisch formulierten Wertekatalogen sondern von den Werten und Normen, die ich – im wahrsten Sinne des Wortes – mit der Muttermilch eingesogen habe oder denen ich mich in sozialen Gruppen unterwerfe. Wenn ich den Papst für Gottes Vertreter auf Erden halte, dann formuliere ich einen anderen Sinn und eine andere Vision, als wenn ich dem schnöden Mammon folge. Interessant wird es, wenn sich die Welten überschneiden, wie bei den verschiedenen katholischen Bankhäusern. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ähnlich, wie bei den Bedürfnissen, ist es alles andere als trivial, die Werte zu formulieren, die wir verinnerlicht haben. Dafür gibt es eine Menge psychologischer Gründe, die zu erläutern hier zu weit führen würde. Stellt sich die Frage, wie ich mir selber auf die Spur kommen kann.Werte2

Bei MyCle haben wir einen sehr einfachen Weg gefunden, der übrigens auch für die Suche nach den eigenen Bedürfnisse angewandt wird. Ich erzähle meine Geschichte in Form eines Briefes. Anschließend suche ich in diesem Brief nach den in der Geschichte erkennbar gelebten Werten. Das ist natürlich nur eine erste Näherung. Aber im Laufe der Zeit und mit jedem neuen MyCle Zyklus lerne ich immer ein bisschen mehr über mich und meine Werte.

4. Wie kann ich das realisieren?

Jetzt habe ich die Basis gebaut, auf der ich aufsetzen kann. Jetzt kommen die „How-To“-Leitfäden oder auch andere Methoden, wie der Business Model Canvas, Lean Startup oder ähnliches ins Spiel. Jetzt gilt es herauszufinden, wie die Mechanismen von Selbständigkeit funktionieren, welchen ich gerecht werden kann und welchen nicht. Jetzt geht es darum, ob und, wenn ja, wie ich fehlende Fähigkeiten und Eigenschaften kompensieren kann. Ein Beispiel: Wie komme ich als tendenziell eher introvertierter Mensch an Neukunden, wenn ich mich für netzwerken oder Kaltakquise nur begrenzt begeistern kann.

5. Was brauche ich dafür und was habe ich schon?

Womit wir schon bei der fünften Frage wären. Ich brauchte vor allem jemanden mit Zugang zu Kunden. Einmal vor Kunde hat sich dann immer alles von alleine geregelt. Was ich nicht brauchte, war ein USP. Mein Geschäft basierte lange Zeit auf dem direkten persönlichen Kontakt. Da besteht der USP aus der Persönlichkeit, der passenden Chemie mit dem Kunden und den nachgewiesenen Fähigkeiten.

In anderen Fällen sieht das anders aus. Jemand, die eine Arzt-Praxis übernehmen will, braucht vermutlich zunächst einmal Geld. Hab ich’s nicht, muss ich es besorgen.

6. Womit fange ich an? Was tue ich als erstes?

Wohin2Bleibt schließlich die Frage: Womit beginnen? Jetzt sind wir wieder über das Stadium der Leitfäden, der Lehrbücher und der Online-Kurse hinaus. Jetzt muss ich wieder entscheiden. Da stehe ich ganz allein. Unsere Erfahrung zeigt jedoch, dass diese Entscheidung jetzt einfach ist.

Warum ist das so? Die Entscheidungsforschung hilft uns weiter. Die Beantwortung der fünf Fragen hat zwei wichtige Aspekte miteinander verbunden: das Bauchgefühl, das sich auch als unbewusstes Wissen begreifen lässt, und die rationale Auseinandersetzung mit dem Thema. Dabei ist eine Art Kriterienrahmen entstanden, der bei allen weiteren Entscheidungen hilft.

Das Schwierigste jetzt ist, sich zu beschränken. Gerade am Anfang möchte ich am liebsten alles auf einmal machen. Geht aber nicht. Also: Schritt für Schritt geht’s weiter!

Bleibt festzuhalten: Für diese Art von Fragen helfen mir nur wenige Beratungsangebote wirklich weiter. Außer MyCle kann ich mir nur einen guten Coach als Unterstützung vorstellen. Eine, die die richtigen Fragen stellt, die mir hilft, mir selber auf die Schliche zu kommen und die mich anleitet, das Problem in rationaler Weise aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Also eine, die genau das tut, was ich mir mit MyCle selber erarbeite.

Wie würden Sie sich diesen sechs Fragen nähern?

PS: Sollte es jemanden irritieren. In der weiblichen Form einiger Bezeichnungen ist die männliche natürlich enthalten.

 

Über den Autor

Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen.

Als gelernter Politologe und seit 1990 in beratenden Berufen tätig, ist er gemeinsam mit Steffen Moldenhauer als Geschäftsführer des Geschäftswarenladens für den Überblick und das Ganze und für das Vorankommen zuständig.

 

Was wäre, wenn wir Apple wären? – Briefe an meinen Enkel (2)

Was wäre, wenn wir Apple wären? – Briefe an meinen Enkel (2)

Sturm

So mein Junge, dann will ich meine Geschichte mal fortsetzen. Wo hatte ich beim letzten Brief aufgehört. Ach richtig, ich hatte mich entschieden. Die Krise war überwunden.

Unterbewusst hatten bestimmt die vielen Stürme der letzten zwei, drei Jahre eine Rolle gespielt. Erst kürzlich musste ich mich gegen Wassermassen aus der U-Bahn kämpfen. Auch meinen Opa und seinen Hof hatte es ziemlich hart erwischt. Das Jahr zuvor hatte ein Hagelsturm die gesamte Maisernte platt gemacht.
Ich hatte mich also entschieden. Ich wollte meinen Beitrag leisten, den Energiehunger der Welt zu decken und gleichzeitig unsere Umwelt als lebensfreundlichen Raum zu erhalten. Ich fand, es reiche nicht mehr aus, den eigenen CO2-Fußabdruck zu reduzieren. Die gesamte Energieversorgung gehörte umgestellt. Meine Vision dafür orientierte sich am Hof meines Opas. Ich sah viele kleine energieautarke Einheiten mit einem Mix unauffälliger kleiner Energieanlagen, die sich bei Bedarf gegenseitig aushelfen konnten.

AppleNach ein wenig Recherche schien es in meinen Augen vor allem um ein Problem zu gehen: Wie ließen sich verbrauchernah natürliche Energiequellen, wie Wind und Sonne, so wandeln und speichern, dass Sie für eine spätere Nutzung jederzeit abrufbar waren? Das allein war es aber noch nicht. Es brauchte noch mehr. Eine MyCle-Impulskarte mit einer einfachen Frage brachte mich weiter: Was wäre, wenn wir Apple wären? Na klar, das ganze System musste aus einem Guss sein. Wie ließen sich die verschiedenen Elemente in einem durchgängigen System so kombinieren, dass sie für ein Einfamilienhaus oder einen Wohnblock nutzbar waren? Welche Elemente würde ich dafür benötigen?

Ein paar Tage und etliche Stunden des Grübelns später begann ich zu ahnen, was ich mir da vorgenommen hatte. Es würde so einiges zusammenkommen. Elemente, wie Mini-Blockheizkraft-Anlagen, Wasserelektrolyse-Anlagen, Vertikalrotoren, Solaranlagen waren zu verkleinern und zu integrieren. Sie mussten architektonisch zu einem harmonischen und ästhetischen Ganzen gemacht werden. Andernfalls würde es erhebliche Schwierigkeiten mit Bauämtern und Nachbarschaft geben. Das ganze musste digital steuerbar und optimierbar sein, bis hin zur Selbstdiagnose der einzelnen Module.

Wie sollten wir das alles hinkriegen? Ich beschloss meine wertvollste Ressource zu nutzen. Ich rief meinen Opa an, schilderte mein Problem und fragte, ob ich bei ihm vorbeischauen und mich mit ihm beraten dürfe. Er freute sich sehr und war sofort bereit, meine Ideen auf den Prüfstand zu stellen. Zum Abschluss des Gesprächs meinte er noch: „Denk an deine MyCle-Box. Ich glaube, die kann uns weiter helfen.“

Es wurde ein ereignisreiches Wochenende mit einigen Überraschungen und Ideen. Die erste: „Da will ich mitmachen.“ Mein Opa war sofort Feuer und Flamme. „Genau sowas habe ich in meinem kleinen und bescheidenen Rahmen quasi als Prototyp entwickelt. Warum sollen wir das nicht in die Welt hinaustragen.“ Die zweite: die Idee des Minimal Viable Product. Weil Opa mitmachen wollte, haben wir gemeinsam einen MyCle-Zyklus bearbeitet. Das Radarchart zeigte überdeutlich, dass der  Anspruch gigantisch, dieRadarchart_Ist Ressourcen aber eher bescheiden waren. Da erinnerte sich mein Opa an die Geschichte einer amerikanischen Ärztin, die auch eine große Vision hatte. Sie wollte die Zeit der Ungewissheit von Frauen mit Verdacht auf Brustkrebs radikal reduzieren – von zwei Monaten auf einen Tag. Dazu brauchte es eine Klinik, in der unterschiedliche Fachrichtungen im Sinne dieser Frauen in völlig neuer Weise kooperierten. Wie ist sie vorgegangen? Schritt für Schritt. Das Ganze vor Augen begann sie klein und addierte Schritt für Schritt neue Elemente. So könnte es auch für uns klappen. Nur womit beginnen. Was konnte unser MVP sein? Wir beschlossen uns zunächst auf die Wasserstoff-Herstellung und –Speicherung zu stürzen. Sie schien ein zentrales Element mit eigenem Marktpotenzial zu sein. Wenn es gelänge eine dezentral einsetzbare Klein-Anlage zu geringen Kosten zu schaffen, wäre die theoretisch in allen Haushalten mit Solaranlagen sofort einsetzbar. Sie würde außerdem Anreiz zum Kauf marktreifer Brennstoffzellen sein.

Tolle Idee, aber es war schnell klar, dass uns noch wesentliches fehlte: Know How. Das war der Moment, wo die Frage nach meiner näheren Zukunft eine vorläufige Antwort erhielt. Ich würde doch noch ein Studium beginnen. Ich wollte wissen, wie es gehen könnte, und ich wollte Leute kennen lernen, die kompetent sind und mitmachen würden. Wir konnten parallel ja schon beginnen. Zeit war nicht unser Problem. Die konnten wir uns einteilen, wie wir wollten – dachte ich damals jedenfalls. Denn es gab noch eine dritte Überraschung an diesem Wochenende: die hübsche Nachbarin.

Aber wie ich deine Oma kennlernte, erzähle ich dir in meinem nächsten Brief.

 

Über den Autor

Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen.

Als gelernter Politologe und seit 1990 in beratenden Berufen tätig, ist er gemeinsam mit Steffen Moldenhauer als Geschäftsführer des Geschäftswarenladens für den Überblick und das Ganze und für das Vorankommen zuständig.