Was wäre, wenn wir Apple wären? – Briefe an meinen Enkel (2)

Was wäre, wenn wir Apple wären? – Briefe an meinen Enkel (2)

Sturm

So mein Junge, dann will ich meine Geschichte mal fortsetzen. Wo hatte ich beim letzten Brief aufgehört. Ach richtig, ich hatte mich entschieden. Die Krise war überwunden.

Unterbewusst hatten bestimmt die vielen Stürme der letzten zwei, drei Jahre eine Rolle gespielt. Erst kürzlich musste ich mich gegen Wassermassen aus der U-Bahn kämpfen. Auch meinen Opa und seinen Hof hatte es ziemlich hart erwischt. Das Jahr zuvor hatte ein Hagelsturm die gesamte Maisernte platt gemacht.
Ich hatte mich also entschieden. Ich wollte meinen Beitrag leisten, den Energiehunger der Welt zu decken und gleichzeitig unsere Umwelt als lebensfreundlichen Raum zu erhalten. Ich fand, es reiche nicht mehr aus, den eigenen CO2-Fußabdruck zu reduzieren. Die gesamte Energieversorgung gehörte umgestellt. Meine Vision dafür orientierte sich am Hof meines Opas. Ich sah viele kleine energieautarke Einheiten mit einem Mix unauffälliger kleiner Energieanlagen, die sich bei Bedarf gegenseitig aushelfen konnten.

AppleNach ein wenig Recherche schien es in meinen Augen vor allem um ein Problem zu gehen: Wie ließen sich verbrauchernah natürliche Energiequellen, wie Wind und Sonne, so wandeln und speichern, dass Sie für eine spätere Nutzung jederzeit abrufbar waren? Das allein war es aber noch nicht. Es brauchte noch mehr. Eine MyCle-Impulskarte mit einer einfachen Frage brachte mich weiter: Was wäre, wenn wir Apple wären? Na klar, das ganze System musste aus einem Guss sein. Wie ließen sich die verschiedenen Elemente in einem durchgängigen System so kombinieren, dass sie für ein Einfamilienhaus oder einen Wohnblock nutzbar waren? Welche Elemente würde ich dafür benötigen?

Ein paar Tage und etliche Stunden des Grübelns später begann ich zu ahnen, was ich mir da vorgenommen hatte. Es würde so einiges zusammenkommen. Elemente, wie Mini-Blockheizkraft-Anlagen, Wasserelektrolyse-Anlagen, Vertikalrotoren, Solaranlagen waren zu verkleinern und zu integrieren. Sie mussten architektonisch zu einem harmonischen und ästhetischen Ganzen gemacht werden. Andernfalls würde es erhebliche Schwierigkeiten mit Bauämtern und Nachbarschaft geben. Das ganze musste digital steuerbar und optimierbar sein, bis hin zur Selbstdiagnose der einzelnen Module.

Wie sollten wir das alles hinkriegen? Ich beschloss meine wertvollste Ressource zu nutzen. Ich rief meinen Opa an, schilderte mein Problem und fragte, ob ich bei ihm vorbeischauen und mich mit ihm beraten dürfe. Er freute sich sehr und war sofort bereit, meine Ideen auf den Prüfstand zu stellen. Zum Abschluss des Gesprächs meinte er noch: „Denk an deine MyCle-Box. Ich glaube, die kann uns weiter helfen.“

Es wurde ein ereignisreiches Wochenende mit einigen Überraschungen und Ideen. Die erste: „Da will ich mitmachen.“ Mein Opa war sofort Feuer und Flamme. „Genau sowas habe ich in meinem kleinen und bescheidenen Rahmen quasi als Prototyp entwickelt. Warum sollen wir das nicht in die Welt hinaustragen.“ Die zweite: die Idee des Minimal Viable Product. Weil Opa mitmachen wollte, haben wir gemeinsam einen MyCle-Zyklus bearbeitet. Das Radarchart zeigte überdeutlich, dass der  Anspruch gigantisch, dieRadarchart_Ist Ressourcen aber eher bescheiden waren. Da erinnerte sich mein Opa an die Geschichte einer amerikanischen Ärztin, die auch eine große Vision hatte. Sie wollte die Zeit der Ungewissheit von Frauen mit Verdacht auf Brustkrebs radikal reduzieren – von zwei Monaten auf einen Tag. Dazu brauchte es eine Klinik, in der unterschiedliche Fachrichtungen im Sinne dieser Frauen in völlig neuer Weise kooperierten. Wie ist sie vorgegangen? Schritt für Schritt. Das Ganze vor Augen begann sie klein und addierte Schritt für Schritt neue Elemente. So könnte es auch für uns klappen. Nur womit beginnen. Was konnte unser MVP sein? Wir beschlossen uns zunächst auf die Wasserstoff-Herstellung und –Speicherung zu stürzen. Sie schien ein zentrales Element mit eigenem Marktpotenzial zu sein. Wenn es gelänge eine dezentral einsetzbare Klein-Anlage zu geringen Kosten zu schaffen, wäre die theoretisch in allen Haushalten mit Solaranlagen sofort einsetzbar. Sie würde außerdem Anreiz zum Kauf marktreifer Brennstoffzellen sein.

Tolle Idee, aber es war schnell klar, dass uns noch wesentliches fehlte: Know How. Das war der Moment, wo die Frage nach meiner näheren Zukunft eine vorläufige Antwort erhielt. Ich würde doch noch ein Studium beginnen. Ich wollte wissen, wie es gehen könnte, und ich wollte Leute kennen lernen, die kompetent sind und mitmachen würden. Wir konnten parallel ja schon beginnen. Zeit war nicht unser Problem. Die konnten wir uns einteilen, wie wir wollten – dachte ich damals jedenfalls. Denn es gab noch eine dritte Überraschung an diesem Wochenende: die hübsche Nachbarin.

Aber wie ich deine Oma kennlernte, erzähle ich dir in meinem nächsten Brief.

 

Über den Autor

Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen.

Als gelernter Politologe und seit 1990 in beratenden Berufen tätig, ist er gemeinsam mit Steffen Moldenhauer als Geschäftsführer des Geschäftswarenladens für den Überblick und das Ganze und für das Vorankommen zuständig.
Vergeßt Strategic Management – Warum emergente Strategien besser funktionieren!

Vergeßt Strategic Management – Warum emergente Strategien besser funktionieren!

StrategieentwicklungMythos

Es wird mir ein ewiges Rätsel bleiben. Aber ich frage mich doch, warum sich der Mythos so hartnäckig hält, dass nur eine systematisch entwickelte und geplante Strategie eine gute Strategie ist. Dabei sind deren Schwächen unübersehbar und bekannt. Werden sie nicht genügend hartnäckig verfolgt, kommt es zur vielbeschworenen Umsetzungslücke oder -schwäche.In der Regel beginnt dann die Suche nach dem Schuldigen, zumeist der Chef oder der beteiligte Berater. Oder die Ziele werden so konsequent verfolgt, dass illegale Handlungen plötzlich zulässig sind, und in der Folge das Unternehmen gefährden. Soll in der jüngeren Vergangenheit ja schon vorgekommen sein.

Dabei ist die Lösung des Problems längst bekannt. Man muss nur die richtigen Zutaten zusammen mischen und bekommt ein höchst bekömmliches Gericht.

Zutat Nr. 1: Emergente Strategien

Schon vor langer Zeit hat Henry Mintzberg einem Phänomen einen Namen gegeben, das nicht nur in Mintzberg-Grafikkleinen Unternehmen zu beobachten ist: die emergente Strategie. Es gibt im Unternehmensalltag immer wieder Entscheidungen, die nicht formal geplant und gesteuert werden. Sie tauchen auf und werden realisiert. In der Regel sind sie trotzdem seltsam stringent. Konsequenterweise bezeichnet er emergente Strategien als „ein Muster in einem Strom von Entscheidungen“.

Zutat Nr. 2: Scrum

Die agile Softwareentwicklung im Allgemeinen und Scrum im speziellen zeigt uns, wie massive, hochkomplexe und schließlich nicht mehr handhabbare Verfahren mit einfachsten Mitteln ersetzt werden können. Anstatt viel Energie in das sogenannte Front-Loading zu geben, also zu Beginn alle Anforderungen möglichst vollständig zu erheben, entstand die Idee eines organisierten Lernprozesses. Aus einer Produktvision wird ein erstes Inkrement herausgelöst. Dieses Minimal Viable Product wird entwickelt und getestet. An ihm wird gelernt. Lösungen werden verworfen, neue Ideen entstehen, und es geht in die nächste Runde.

Dabei erweisen sich kleine, einfache Tools, wie die Kanban-Tafel und einfache Schätzverfahren, als deutlich hilfreicher und prägnanter als komplexe Systeme, wie MS-Project oder ähnliches.

Zutat 3: Design Thinking

Ähnliches gibt es im Design Thinking. Das Minimal Viable Product ist in der Denke der Design-Entwicklung der Prototyp. Prototypen entstehen, um darüber zu sprechen. Sie werden in vielen Iterationen verworfen, überarbeitet und weiter entwickelt. Die Idee dahinter: scheitere früh und oft – bis die Gestalt entstanden ist.

Zutat Nr. 4: Lean Startup

Lean Startup hat das Minimal Viable Product und die Idee des frühen Scheiterns in die Startup-Welt transferiert. Die unvermeidbare Unsicherheit bei Entscheidungen wird durch die Idee des gezielten Scheiterns und der Iteration ausgehebelt.

Die fehlende Zutat Nr. 5: MyCle

Es gibt nur eine Zutat, die fehlt: der Rahmen, der die Gewissheit erzeugt, gut zu entscheiden. Sicherheit in RahmenEntscheidungssituationen gibt es nicht. Das liegt in der Natur der Sache. Wenn ich mir aber über den Kontext der Entscheidung, über meine eigenen Motive und handlungsleitende Werte im Klaren bin und eine Perspektive entwickelt habe, kann ich die Gewissheit erlangen, die nötig ist, um meine Umwelt zu gestalten.

Agile Strategiearbeit

Mixe ich diese Elemente zusammen, entsteht ein neues Bild von Strategieentwicklung, die einen neuen Begriff verdient: agile Strategiearbeit. Strategie wird gearbeitet. Sie entsteht

  • Schritt für Schritt im Alltag,
  • emergent als Serie von Entscheidungen,
  • in iterativen Zyklen,
  • ausgerichtet an der Idee einer wünschenswerten Zukunft,
  • unter Berücksichtigung der eigenen Bedürfnisse und Wertvorstellungen.

Sie stellt sich jeden Tag aufs Neue der Auseinandersetzung mit der Umwelt. Sie lässt sich flexibel an veränderte Situationen anpassen. Sie ist in der Lage, neue strategische Ideen und Initiativen einzubauen und auszutesten. Sie ist durchdacht. Sie ist nur eines nicht: sie ist nicht geplant.

Die Herausforderung moderner Strategiearbeit

Diesen Prozess zu organisieren, ist die Herausforderung moderner Strategiearbeit. Wie das mit einfachsten Mitteln, mit wenig Aufwand und ohne Vorkenntnisse funktioniert, haben wir mit MyCle gezeigt, unserer Unternehmensberatung „out of the box“. MyCle ist ein Verfahren über 6 Positionen, in dem der Entscheidungsrahmen für strategische Entscheidungen entsteht – vergegenständlich in einer Box. Ich kläre – als Person, Gruppe oder Organisation – was ich will und warum ich es will. Ich kläre den normativen Rahmen und die vorhandenen Bedürfnisse, die es zu bedienen gilt. Ich bewerte die Situation und MyCle_Zyklenkette_20160217entscheide mich in diesem Rahmen für das erste Handlungsfeld, den nächsten Schritt.

Und dann steige ich auf den Gipfel – Schritt für Schritt, in immer neuen Iterationen der Arbeit mit MyCle. Ob der Gipfel allerdings am Ende derselbe ist, wie der, den ich zu Beginn anvisiert habe, ist eher unwahrscheinlich.

 

Über den Autor

Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen.

Als gelernter Politologe und seit 1990 in beratenden Berufen tätig, ist er gemeinsam mit Steffen Moldenhauer als Geschäftsführer des Geschäftswarenladens für den Überblick und das Ganze und für das Vorankommen zuständig.
Was es heißt, unternehmerisch wie Islands Fussballer zu agieren!

Was es heißt, unternehmerisch wie Islands Fussballer zu agieren!

Fussballer

 

Berlin hat 10 mal so viele Einwohner wie ganz Island. Stellen wir uns vor, der Bezirk Berlin Mitte (ca. 360‘000 Einwohner) hätte es geschafft, aus den Bewohnern eine Fussballmannschaft zusammenzustellen, die in der Europameisterschaft im Viertelfinale steht. Oder in der Schweiz stellt der Kanton Tessin eine Nationalmannschaft zusammen. Das sind die Grössenverhältnisse.

Wow! Das wollen wir auch können. Es stellt sich die Frage: Wie geht das?

Unternehmerisch würde diese Frage lauten: wie schaffen wir es, als kleines oder mittelgrosses Unternehmen gegen die grossen Marktführer anzukommen?

In der Arbeit mit MyCle gibt es die Möglichkeit, sich durch solche Impulse anregen zu lassen. Also habe ich aus dieser Perspektive einmal drei unterschiedliche Aspekte herausgegriffen und in den unternehmerischen Kontext gestellt. Das sind: das Team, die Ressourcen und die Strukturen.

Das Team

FBPost2Wer das Fussballspiel Island gegen England bei der EM 2016 gesehen hat, dem ist sofort klar: das Team hat perfekt funktioniert. Was heisst funktioniert? Es hat harmonisiert, es hatte ein gemeinsames Ziel, und selbst bei dem frühen Gegentor sind die Spieler nicht in ein Frustloch gefallen. Sie waren gemeinsam stark und haben an die eine Sache geglaubt: wir können und wollen gewinnen.

Für Teams in Unternehmen gilt das gleiche. Wenn wir gemeinsame Ziele haben und daraus Gemeinschaft bilden, lassen wir uns von der Grösse eines Gegners nicht beeindrucken. Auch Niederlagen werden akzeptiert. Das Ziel wird jedoch nie aus den Augen verloren. Es sind die weichen Faktoren, das Verhalten im Team, das eine zentrale Rolle spielt.

Die Ressourcen

Ein so kleines Land wie Island hat nicht die grosse Auswahl von Ressourcen, sprich Spieler. Die vorhandenen Spieler sind jedoch selbst motiviert, ehrgeizig und lernfähig. Schon durch die Qualifikation konnten Erfahrungen gesammelt werden. Viele suchen den einzigen besten Spieler oder Mitarbeiter. Letztendlich sind es diejenigen, die zur Verfügung stehen, um das Beste daraus zu machen. Und das haben die Isländer geschafft. Ob es der geniale Einwurf ist, der unbändige Kampfgeist oder der 80 m Sprint – jeder bringt seine Fähigkeiten am Besten in das Team ein.

Gerade bei kleinen und mittelgrossen Unternehmen zählt jeder Mitarbeitende mit seinen Fähigkeiten. Die Auswahl von einzelnen Fachspezialisten ist meist nicht gegeben. Es werden auch allgemeine Aufgaben im Alltag zu bewältigen sein. Die Strukturen sind flach und auf die Ressourcen kann breit zugegriffen werden. Man kennt sich, man versteht sich und unterstützt sich gegenseitig.

Die Strukturen

Das Klima in Island ist für das Fussballspielen nicht gerade ideal. Die Durchschnittstemperatur im Sommer beträgt gerade einmal 12°C und es gibt 180 Schneetage. Das grösste Stadium Laugardalsvöllur fasst rund 15‘000 Zuschauer. Mit viel Fleiss und Energie hat Island trotzdem Strukturen geschaffen, in denen sich der Fussballsport entwickeln kann: einerseits über die Möglichkeit auch bei schlechtem Wetter in Hallen Fussball zu spielen, anderseits auch in der Jugendförderung. Es ist die Summe der verschiedenen Aktivitäten, die zu einem Gesamtergebnis geführt haben. Sicher hat dazu auch beigetragen, dass das Land vor der Finanzblase gut in die Infrastruktur investieren konnte.

Auch Unternehmen haben nicht immer alle Strukturen im Übermass zur Verfügung. Wer jedoch zielorientiert und langfristig denkt, baut Schritt für Schritt eine sehr gute Basis auf. Kontinuität und sorgsame Umgang mit der Infrastruktur sorgt für eine lange Nutzungsdauer.

Was lernen wir daraus?

Was wäre, wenn Sie wie die isländische Fussballnationalmannschaft wären? Als Unternehmen oder TwitterPost2Organisation würden Sie Ihre vorhandenen Ressourcen gezielt und effizient nutzen und auch gezielt in Infrastruktur investieren. Das alleine reicht noch nicht aus. Es geht auch um die Menschen, die Kultur, die notwendig ist, um Vorhandenes richtig einzusetzen. Es braucht das gemeinsame Verständnis und Ziele, was erreicht werden soll. Es braucht ein Team.

Mit MyCle, der Unternehmensberatung „out of the box“, ist es möglich, so eine gemeinsame Grundhaltung und gemeinsame Ziele im Team zu entwickeln. Das bedeutet einerseits Absicherung in den Entscheidungen und andererseits den sinnvollen Einsatz der bestehenden Ressourcen.

Fazit

Island hat in der Qualifikation zur Europameisterschaft schon einige andere Mannschaften geschlagen und u.a. die Niederlande hinter sich gelassen. 2004 hat Island Italien in einem Freundschaftsspiel 2:0 besiegt. Es ist keine Eintagsfliege. Der Fussball in Island hat wirklich kulturelle und strukturelle Erfolgskomponenten. Das gilt übrigens auch für die Handball- und Basketballmannschaften.

Auch Unternehmer dürfen sich nicht auf den Zufall verlassen. Wenn Entscheidungen gemeinsam und verständlich gefällt werden, ist es einfacher und klar, was jeder selbst zur Zielerreichung beitragen kann. Das gibt Kraft mit geringen Energieverlusten.

Einfach eine starke Mannschaft.

Über den Autor

Dr. Michael Hartschen ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens, Innovationsfachmann und Querdenker.

Als gelernter Maschinenbau-Ingenieur hat er sich der Innovation und der Einfachheit verschrieben – eine Qualität, die einem Do-it-Yourself-Ansatz mehr als zuträglich ist.

Ein Leben voller Energie – Briefe an meinen Enkel (1)

Ein Leben voller Energie – Briefe an meinen Enkel (1)

Energie

Alles begann im Jahre 1995. Meine Schwester und ich verbrachten die Ferien auf dem Hof meines Großvaters. Ich war gerade sechs geworden. Eines Abends saßen wir am Lagerfeuer, buken Stockbrot und grillten Würstchen, als mein Opa begann, Geschichten zu erzählen. Ich kann mich nicht mehr so recht daran erinnern, worum es ging. Zwei Sachen blieben mir aber in Erinnerung: seine Wut auf die Atomenergie und seine Begeisterung für seine eigenen kleinen Projekte. Die verschafften ihm und seinem Hof fast vollständige Unabhängigkeit vom Strom aus der Steckdose – und das war in 1995. Er war beseelt von der Idee, dass viele kleine Einheiten eine große Menge Energie erzeugen konnten, und hatte angefangen diese Idee auf seinem Hof in die Tat umzusetzen.Eine genial einfache Idee ist hängen geblieben. Mit einem schier endlosen Schlauch auf dem Garagendach hat er warmes Wasser erzeugt.

Irgendwie muss er damals einen Samen in meinem Bewusstsein gesetzt haben, der viele Jahre später aufging und mein Leben völlig umkrempeln sollte. Das war 2018. Damals war ich 27 und in einer ähnlichen Situation, wie du heute, mein lieber Babacar. Ich musste mein Leben neu ordnen, weil ich meine Stelle als Elektrotechniker bei einem der drei großen Energiekonzerne verloren hatte. Sie hatten die sogenannte Energiewende völlig verpennt und versuchten sich, zu retten. Dabei bin ich – wie ich damals dachte – auf der Strecke geblieben. Ich konnte ja nicht ahnen, dass sie mir mit der Entlassung den größten Gefallen meines Lebens getan haben.

Wie dem auch sei, als ich den Entlassungsbriefe in der Hand hielt, war ich völlig fertig. Bis dahin war immer alles glatt gegangen. Nach der Schule habe ich sofort eine Lehrstelle gefunden. Nach der Ausbildung wurde ich übernommen. Zwischendurch bin ich einer äußerst hübschen und liebenswerten jungen Frau begegnet, Ärgerdie ich heiraten wollte. Die Entlassung machte alles kaputt – dachte ich. Ich geriet in eine tiefe Krise. Mir fehlte die Energie und das Selbstbewusstsein, mir etwas Neues zu suchen. Meine Freundin konnte irgendwann mein Selbstmitleid nicht mehr ertragen und hat mich verlassen. Langsam begann ein Teufelskreis. Jede kleine Niederlage senkte das Selbstbewusstsein, erzeugt eine neue Niederlage, senkte das Selbstbewusstsein usw. usf.

Die Rettung war mein Opa. Er zitierte mich zu sich und wusch mir den Kopf. Er ließ keine Ausrede gelten. Die Kernbotschaft war eindeutig: werde dir endlich klar darüber, was du wirklich willst. Aber dabei beließ er es nicht. Er hatte noch eine Überraschung. Er stellte eine schwarze Papp-Box auf den Tisch und machte die überaus klare Ansage, dass ich mich morgen direkt an die Arbeit machen solle: „In der Box findest du alles, was du brauchst, um dir darüber klar zu werden, was du willst und wohin du willst. Bearbeite die verschiedenen Aufgaben, und ich verspreche dir, dass es dir hinterher besser geht. Und da du ein Meister der Ausrede bist, erwarte ich von dir, dass du die nächsten zwei Tage hier auf meinem Hof bleibst und an deiner Zukunft arbeitest.“ Du kannst dir gar nicht vorstellen, was er mit dieser Ansprache und Hilfestellung ausgelöst hat.

Ich öffnete die Box und wurde ziemlich schnell aufgefordert, einen Brief zu schreiben. Meine erste Reaktion war: „Was ist das denn für ein Blödsinn? Wer schreibt den heute noch Briefe?“ Ich musste das wohl laut ausgesprochen haben. Denn mein Opa sagte nur: „Tu es einfach.“ Ich fing an und schrieb mir den ganzen Ärger von der Seele. Als ich noch einmal auf die Instruktionskarte guckte, entdeckte ich ein paar interessante Fragen, die ich übersehen hatte: Gibt es Ideen für die zukünftige Ausrichtung? Wie wird Erfolg gemessen? Das brachte mich dazu, den Blick ein wenig mehr nach vorne zu richten. Das erste Aha-Erlebnis hatte ich bei der Analyse des Briefes. Es war unübersehbar, dass mir einerseits Werte wie verantwortlicher Umgang mit der Umwelt und Gerechtigkeit sehr wichtig waren, ich andererseits aber noch keinen einzigen Gedanken darauf verschwendet hatte, wie ich dazu beitragen könnte. Mein Opa setzte noch einen drauf. „Du bist doch eigentlich ein ziemlicher Draufgänger. Trau dich was. Wenn‘s schief geht, biTunn ich auch noch da.“ Aber was könnte das sein? Als ich mich umsah, kam mir eine Idee. Der Hof war nämlich inzwischen nicht nur völlig energieautark. Mein Opa verdiente wegen des Energieeinspeisungsgesetzes eine Menge Geld mit seiner verrückten Idee aus den frühen Achtzigern. Was wäre, wenn ich dazu beitragen könnte, diesen Gedanken weiter zu treiben? Was wäre, wenn ich mich – wie mein Opa – dem vollständigen Umstieg auf erneuerbare Energien verschriebe. Schließlich war ich Elektrotechniker, also vom Fach.

Es war klar, was als nächstes zu tun war: Das Thema wollte ich mir etwas genauer ansehen. Was war technisch möglich? Was gab es schon? Wie passte die Idee in die Welt von 2018? Was brauchte ich dafür? Sollte ich doch noch studieren? Oder war es besser, mich in die Startup-Szene zu stürzen?

Ich fand sehr schnell Antworten. Aber die, mein lieber Enkel, erzähle ich dir beim nächsten Mal. Jetzt erlaube deinem 84-jährigen Opa sich etwas auszuruhen.

Über den Autor

Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen.

Als gelernter Politologe und seit 1990 in beratenden Berufen tätig, ist er gemeinsam mit Steffen Moldenhauer als Geschäftsführer des Geschäftswarenladens für den Überblick und das Ganze und für das Vorankommen zuständig.
Eine Privatinsolvenz, Münchhausens Zopf und ein wenig Hilfestellung

Eine Privatinsolvenz, Münchhausens Zopf und ein wenig Hilfestellung

Header_Privatinsolvenz

Nachdem Peter M.* lange Jahre sehr erfolgreich als Personaler in einem Konzern gearbeitet hatte, wollte er sich selbständig machen. Er war erfahren. Er kannte sein Geschäft aus dem ff. Er hatte auch Rücklagen für die Anfangszeit gebildet. Da sollte es doch nicht so schwer sein, als freiberuflicher HR-Interim-Manager und Berater ins Geschäft zu kommen. Aber manchmal ist einfach der Wurm drin.

Es ging schief, was nur schief gehen konnte. Zu den Misserfolgen in der Auftragsakquisition gesellten sich bald Unsicherheit und Existenzangst. Die Abwärtsspirale setzte sich in Gang. Nach einigen Jahren drohte die Privatinsolvenz. Was nun?

Wie der Zufall es will, lief er einer der Co-Gründerinnen des geschaeftswarenladens, Elke Konieczek, über den Weg. Sie empfahl ihm, einen Versuch mit MyCle zu wagen. Angesichts seiner Situation war das allerdings schwierig. So richtig drauf einlassen konnte er sich zu Beginn nicht, brauchte ein wenig Anschubhilfe. Nachdem er jedoch einmal in Bewegung gekommen war, entwickelte sich erstaunliches. Am besten lassen wir ihn selber sprechen.

Frage: Wie kam es dazu, dass du MyCle genutzt hast?

Antwort: Ich war auf der Suche, wie es bei mir beruflich weitergehen sollte und habe mich mit unterschiedlichen Leuten ausgetauscht. Eine davon warst Du. Du hast mir von MyCle erzählt und angeboten, es für mich einzusetzen.

Frage: Was waren die Motivatoren/Auslöser?

Antwort: Neugierde, Vertrauen in den Anbieter von MyCle, Wunsch nach Unterstützung. Reizvoll war für mich, dass hier ein Produkt vorliegt, das in meinen Augen „Hilfe zur Selbsthilfe“ anbietet, man viel alleine arbeiten kann. Damit ist man zeit-, orts- und personenunabhängig und kann im eigenen Tempo, am eigenen Ort (an dem man sich vielleicht besonders wohl fühlt …) damit arbeiten.

Frage: Wie erging es dir mit MyCle? Was sind deine Erkenntnisse? Was konkret hat es dir gebracht?

Aufsatzpunkt1Antwort: Ich musste mich erst einmal einfinden, brauchte den richtigen Ort, den richtigen Zeitpunkt und die nötige Ruhe, um den „Karton“ zu öffnen, die Dinge zu sortieren und einzusteigen. Einzelne Dinge waren für mich auch nicht sofort verständlich.

Ich habe mit Hilfe von MyCle (aber auch der sehr wertvollen zusätzlichen Begleitung durch eine Beraterin) einen Aufsatzpunkt gefunden. Er hat mich sachlich/strukturell, aber auch emotional in die Lage versetzt, meine verwirrte Position zu verlassen. Ich konnte strukturiert, konstruktiv mit Erfolgsansätzen nach vorne schauen und arbeiten.

Konkrete Ergebnisse (nach den einzelnen Prozessschritten gemäß MyCle) gab es einige.

  • Den Brief zu schreiben, hat mich befreit. Er hat mir wichtige Dinge ins Bewusstsein geholt und war eine gute Grundlage, mit meinem Thema und dem Brief als „Plattform“ loslegen zu können.
  • Die Auswertung des Briefes war hilfreich, die Dinge, die ja in einem Brief erfahrungsgemäß sehr persönlich und emotional sind, auf die Sachebene zu bringen und strukturiert bearbeiten zu können.
    Es wäre mir allerdings sehr schwer gefallen, diese Auswertung allein durchzuführen. Deshalb hat es mir ungemein geholfen, mit Dir telefonieren zu können, um die Dinge zu sortieren. Du hast mir geholfen, Dinge zu verstehen, sie in eine Ordnung zu überführen und mit Hilfe der von MyCle vorgegebenen Kriterien zu ordnen.
  • Ein Schlüsselkriterium war für mich der Punkt „Ressourcen“, zumal Du mir dabei gehpositive Ressourcenolfen hast, dies positiv zu sehen. Ich konnte einen Perspektivwechsel vornehmen.
    In der gemeinsamen Aufbereitung mit Dir konnte ich erkennen, wie viele „positive“ Ressourcen ich habe – und zwar auf sehr vielen unterschiedlichen Ebenen, banal finanziell, aber auch in Form von Menschen, die für verschiedene Fragestellungen meine Helfer sind oder sein können.

Frage: Wo stehst du heute und was sind aktuelle Perspektiven?

Antwort: Ich habe auf einmal sehr viel Energie bekommen. Es gelang mir, an Hand von einzelnen Themen klarer zu denken und schrittweise wieder zu handeln. Beispielsweise habe ich in einer Bewerbung meine beruflichen WSchrittweiseünsche in Worte fassen können – egal, ob die Bewerbung erfolgreich war oder sie mir nur dazu diente, mir über meine Vorstellungen klar zu werden.

Ich konnte inzwischen klar beantworten, dass ich selbständig bleiben will. Ich habe einen neuen Auftrag erhalten, bin dabei, Altlasten (vor allem finanziell) abzutragen und kann mich meiner Vergangenheit viel besser stellen – die Verantwortung dafür übernehmen und mich nach vorne ausrichten.

Dann hatte ich die Idee, MyCle mit einer Zielvereinbarung mit mir selbst zu koppeln. Das hat mir geholfen, die Sache emotionaler anzugehen und in meinem persönlichen Fall auch zielorientierter/konkreter.

Frage: Würdest du MyCle weiter empfehlen?

Antwort: Jederzeit; ich halte es allerdings für wichtig, im Sinne einer „Auftragsklärung“ zu schauen, wo der einzelne Nutzer gerade steht. Bezogen auf meine eigene Situation war ich emotional sehr angespannt. Wenn das geklärt ist und als Ressource zur Verfügung steht, halte ich MyCle für ein sehr gutes und wertvolles Produkt ….:-)

Bleibt festzuhalten:

  1. MyCle ist ein funktionierendes Do it Yourself-Produkt. Aber es gibt Situationen, aus denen man sich selber nur schwer befreien kann. Da hilft ein Impuls durch und das Gespräch mit einem anderen Menschen. Deshalb gibt es im geschaeftswarenladen ein ergänzendes Coaching-Angebot von sehr qualifizierten Leuten.
  2. Es ist immer wieder erstaunlich, wie aus einer Krisensituation eine sich selbst bewahrheitende Prophezeiung entsteht. Wenn ich geklärt habe, was ich will, trete ich ganz anders auf und nehme plötzlich wahr, was mir weiter hilft. Peter war nicht der erste, dem MyCle in dieser Weise weiter geholfen hat.

Wie haben Sie sich aus einer Krisensituation befreit? Wie sind Sie sich selber auf die Schliche gekommen?

* Wir haben uns erlaubt, den Namen zu ändern, da nicht jede Geschichte unbedingt persönlich zugeordnet sein muss und das Internet nur so schwer vergißt.

Über den Autor

Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen.

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Das Unerwartete geschieht – sicher!

Das Unerwartete geschieht – sicher!

Ereigniskarte_WettbewerberKopiert

Die Überraschung steht mir ins Gesicht geschrieben. Dabei hatten wir so viel Wert auf Geheimhaltung gelegt. Trotzdem steht sie vor mir. Die Maschine ist eine perfekte Kopie der unseren – bis zur Materialnummer des Gussteils. Und was das Furchtbarste ist: sie haben die Schwachstelle beseitigt und die Lösung patentiert.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie wären der Geschäftsführer eines mittelständischen Maschinenbauers. Ihr wichtigster Markt ist China, weshalb Sie sich selbstverständlich auf der asiatischen Leitmesse zeigen. Und dann das: ein chinesischer Wettbewerber hat ihr erfolgreichstes Stück Technik kopiert und sogar eine bekannte Schwachstelle ausgemerzt. Zusätzlich präsentiert die Firma die Maschine zu einem konkurrenzlos günstigen Preis. Erste Konsequenzen spüren Sie unmittelbar. Das Interesse an Ihrer Maschine nimmt bereits auf der Messe ab. Erhebliche Umsatzeinbußen sind absehbar.Das Unerwartete

Das ist nicht unbedingt die disruptive Innovation, kann aber so ähnlich in jeder anderen Branche auch geschehen:

  • die neue App des Wettbewerbers mit verbesserten Features und vereinfachter Benutzerführung,
  • das kreative Beratungskonzept, dem die finanzstarke Agentur ein neues Label aufklebt und unter eigenem Namen vermarktet usw. usf.

Oft sind es noch nicht einmal unbedingt Kopien. Manche Entwicklungen liegen einfach in der Luft und werden gerade an mehreren Stellen parallel voran getrieben.

Was würde passieren? Wären Sie in der Lage, eine solche Bedrohung zu meistern? Was würden Sie tun?

PrüfeRobustheitWir möchten Sie ermutigen, die Robustheit Ihres Unternehmens bzw. Ihrer (strategischen) Vorhaben mit Hilfe solch unerwarteter Ereignisse zu überprüfen. Sind Sie in der Lage gegenzusteuern? Nehmen Sie das Risiko in Kauf, weil es extrem unwahrscheinlich ist? Wie auch immer Ihre Reaktion ist, es lohnt, einen Gedanken darauf zu verschwenden.

Deshalb haben wir bei MyCle Ereigniskarten eingeführt. Sie sind eine ganz einfache Methode, das Unbekannte, das trotzdem geschehen kann, ins Bewusstsein zu holen. Es ist eine einfache Methode, sich der eigenen Handlungsfähigkeit und Ihrer Grenzen zu versichern.

In unserem Beispiel sind der Optionen einige. Wenn die eigene Entwicklungs-Pipeline gut gefüllt ist, kann mit weiteren Neuerungen gekontert werden. Vordergründig nicht so offensichtlich ist eine andere Option: das Aussitzen. Unser Mittelständler könnte darauf setzen, dass Montage und Service den Unterschied macht. Eine dritte Option könnte auf Marktwachstum setzen. Ich habe diese Situation in den Anfängen der Sharing Economy erlebt. Zwei Wettbewerber, die in einem lokalen Markt zunächst hart aufeinander losgehen wollten, profitierten schließlich beide von der Aufmerksamkeit, die sie nur gemeinsam erzeugen konnten. Natürlich sind auch Preissenkungen, Downsizing und viele weitere Reaktionen vorstellbar.

Stellt sich die Frage: Welche Option ist die Richtige? Die Antwort ist immer dieselbe: es hängt vom Kontext DasUnbekannteab. Anders gesagt: im Moment ist die Frage noch nicht relevant. Das Risiko ist noch nicht eingetreten. Im Moment ist wichtig, dass ich über Optionen nachgedacht habe, dass ich welche entdeckt habe und dass ich weiß, wie ich bei unerwarteten Ereignissen reagieren kann.

Welchen unerwarteten Ereignissen sind Sie begegnet? Wie sind Sie damit umgegangen? Schreiben Sie einen Kommentar.

Übrigens: das Beispiel ist im wirklichen Leben so ähnlich geschehen – wie so viele andere Ereignisse, die eigentlich gar nicht hätten auftreten dürfen.

 

Über den Autor

Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen.

Als gelernter Politologe und seit 1990 in beratenden Berufen tätig, ist er gemeinsam mit Steffen Moldenhauer als Geschäftsführer des Geschäftswarenladens für den Überblick und das Ganze und für das Vorankommen zuständig.