von Dieter Bickenbach | 17. August 2016 | Blog

Der Job als interner Organisationsentwickler war die letzten 5 Jahre wirklich spannend. Nie zuvor habe ich in so kurzer Zeit so viel gelernt. Ich hatte plötzlich Personalverantwortung. Ich musste lernen, aktiv an massiven Veränderungsprozessen mitzuwirken bzw. sie zum Teil sogar zu treiben – und zwar so, dass sich alle Beteiligten am nächsten Tag noch in die Augen schauen konnten. Aber nach fünf Jahren war auch noch etwas anderes deutlich geworden: Es waren immer wieder dieselben Hürden, die auf dem Weg lauerten und die sich nicht überwinden ließen. Insofern stand irgendwann die Frage im Raum, wie es weiter ging. Sollte ich bleiben, wo ich war? Sollte ich mir eine neue Herausforderung in einem anderen Unternehmen suchen? Oder sollte ich den Schritt in die Freiberuflichkeit wagen?
Ich stelle mir gerade vor, ich müsste diese Frage heute noch einmal beantworten. Was würde ich tun? Wie könnte ich die Frage beantworten? Mit meinem Wissen und meinen Erfahrungen von heute, wüsste ich das: Klären, was mir besonders wichtig ist und was ich will. Heute weiß ich auch, wie das geht. Mit MyCle habe ich sogar an der Entwicklung einer Methode mitgewirkt, die genau auf diese Art der Fragestellung Antworten produziert. Damals war es ein längerer Suchprozess mit allem, was dazu gehört: Existenzangst, Unsicherheit und glücklicherweise ein paar hilfreichen Tritten in den Hintern.
Eine Unmenge Beratungsangebote
Im Kern wäre die Situation heute vermutlich ähnlich, obwohl sich die Zeiten geändert haben, obwohl es eine Unmenge Beratungsangebote in allen Qualitäten und Preislagen gibt. Das fängt bei Existenzgründungs-Broschüren der Arbeitsagentur an, geht über eine Unmenge Literatur und „How-To“-Onlinekursen bis hin zu gezielten Startup-Angeboten an den Universitäten und den Acceleratoren großer Unternehmen. Nicht zuletzt ist das Angebot an mehr oder minder qualifizierter Gründungsberatung inzwischen kaum noch zu überschauen.
Wenn ich auf die Fragen schaue, die ich klären muss, helfen die meisten dieser Angebote jedoch nicht weiter. Welche Fragen sind das?
- Was setzt mich in Bewegung? Was treibt mich an?
- Was will ich erreichen?
- Warum ist mir gerade das wichtig?
Erst wenn das geklärt ist, wird die Frage nach dem Wie interessant.
- Wie kann ich das realisieren?
- Was brauche ich dafür und was habe ich schon?
Und weil ich irgendwo einmal gelesen habe, dass es in den Artikeln mit diesen „5 Fragen …“-Überschriften immer eine Zugabe geben soll, habe ich noch eine sechste Frage:
- Womit fange ich an? Was tue ich als erstes?
1. Was setzt mich in Bewegung? Was treibt mich an?
Diese Frage ist gleichzeitig sehr einfach und sehr schwierig. Bei der einfachen Seite geht es um Sinn. Sinn motiviert – manchmal bis zur Selbstaufopferung. In der Regel kann ich schnell formulieren, was ich für sinnvoll halte. Die Welt retten. Viel Geld verdienen. Das Wissen vergrößern. Meine Gruppe oder Organisation voranbringen. Der Möglichkeiten gibt es viele.
Etwas schwieriger ist es, den eigenen Bedürfnissen auf die Schliche zu kommen. Die wirklich Wichtigen sind uns nämlich häufig nicht bewusst. Das sind solche Gemeinheiten wie: „nach Aufmerksamkeit lechzen“ oder „es allen Recht machen wollen“. Einfacher ist es zumeist, wenn es um das Bedürfnis nach Sicherheit, Freiheit oder nach Gemeinschaft geht.
Will ich entscheiden, ob Selbständigkeit die richtige Option für mich ist, hilft die Suche nach dem Sinn einerseits und nach den Bedürfnissen, die ich mit der Selbständigkeit bediene oder denen ich damit entgegenwirke. Tue ich das nicht, droht Aufschieberitis und permanente innere Unruhe. Denn insbesondere die unbewussten eigenen Bedürfnisse haben die unangenehme Eigenschaft im gefühlsmäßigen Untergrund zu rumoren.
2. Was will ich erreichen?
Es ist eigentlich egal, ob wir das jetzt Vision, Ziel oder Perspektive nennen. Wichtig ist, dass wir uns darüber im Klaren sind, was wir verändern wollen und wie das dann ungefähr aussehen soll. Ich beispielsweise sehe eine Unmenge von Leuten, die ihr Leben in die eigene Hand nehmen und tun, was Ihnen gerecht wird. Dabei helfen ihnen die Werkzeuge des geschaeftswarenladens. Wir nennen das Selbstermächtigung.
Darauf kann ich hinarbeiten, Schritt für Schritt und Entscheidung für Entscheidung – egal, welche Schwierigkeiten sich gerade auftun. Das kann ich auch mit anderen Mitteln weiterverfolgen, sollte sich unterwegs herausstellen, dass unsere Produkte, unsere Werkzeuge nicht so angenommen werden, wie erwartet. Schließlich kann es sein, dass Selbstermächtigung doch nicht funktioniert – glaube ich zwar nicht, ist aber möglich. Dann müsste ich eine neue Vision formulieren, die meinen Werten gerecht würde.
3. Warum ist mir gerade das wichtig?
Damit sind wir schon bei der dritten Frage. Denn es sind die erkennbar gelebten Werte, nach denen ich Vision und Sinn auswähle. Und hier ist nicht die Rede von abstrakt oder generisch formulierten Wertekatalogen sondern von den Werten und Normen, die ich – im wahrsten Sinne des Wortes – mit der Muttermilch eingesogen habe oder denen ich mich in sozialen Gruppen unterwerfe. Wenn ich den Papst für Gottes Vertreter auf Erden halte, dann formuliere ich einen anderen Sinn und eine andere Vision, als wenn ich dem schnöden Mammon folge. Interessant wird es, wenn sich die Welten überschneiden, wie bei den verschiedenen katholischen Bankhäusern. Aber das ist eine andere Geschichte.
Ähnlich, wie bei den Bedürfnissen, ist es alles andere als trivial, die Werte zu formulieren, die wir verinnerlicht haben. Dafür gibt es eine Menge psychologischer Gründe, die zu erläutern hier zu weit führen würde. Stellt sich die Frage, wie ich mir selber auf die Spur kommen kann.
Bei MyCle haben wir einen sehr einfachen Weg gefunden, der übrigens auch für die Suche nach den eigenen Bedürfnisse angewandt wird. Ich erzähle meine Geschichte in Form eines Briefes. Anschließend suche ich in diesem Brief nach den in der Geschichte erkennbar gelebten Werten. Das ist natürlich nur eine erste Näherung. Aber im Laufe der Zeit und mit jedem neuen MyCle Zyklus lerne ich immer ein bisschen mehr über mich und meine Werte.
4. Wie kann ich das realisieren?
Jetzt habe ich die Basis gebaut, auf der ich aufsetzen kann. Jetzt kommen die „How-To“-Leitfäden oder auch andere Methoden, wie der Business Model Canvas, Lean Startup oder ähnliches ins Spiel. Jetzt gilt es herauszufinden, wie die Mechanismen von Selbständigkeit funktionieren, welchen ich gerecht werden kann und welchen nicht. Jetzt geht es darum, ob und, wenn ja, wie ich fehlende Fähigkeiten und Eigenschaften kompensieren kann. Ein Beispiel: Wie komme ich als tendenziell eher introvertierter Mensch an Neukunden, wenn ich mich für netzwerken oder Kaltakquise nur begrenzt begeistern kann.
5. Was brauche ich dafür und was habe ich schon?
Womit wir schon bei der fünften Frage wären. Ich brauchte vor allem jemanden mit Zugang zu Kunden. Einmal vor Kunde hat sich dann immer alles von alleine geregelt. Was ich nicht brauchte, war ein USP. Mein Geschäft basierte lange Zeit auf dem direkten persönlichen Kontakt. Da besteht der USP aus der Persönlichkeit, der passenden Chemie mit dem Kunden und den nachgewiesenen Fähigkeiten.
In anderen Fällen sieht das anders aus. Jemand, die eine Arzt-Praxis übernehmen will, braucht vermutlich zunächst einmal Geld. Hab ich’s nicht, muss ich es besorgen.
6. Womit fange ich an? Was tue ich als erstes?
Bleibt schließlich die Frage: Womit beginnen? Jetzt sind wir wieder über das Stadium der Leitfäden, der Lehrbücher und der Online-Kurse hinaus. Jetzt muss ich wieder entscheiden. Da stehe ich ganz allein. Unsere Erfahrung zeigt jedoch, dass diese Entscheidung jetzt einfach ist.
Warum ist das so? Die Entscheidungsforschung hilft uns weiter. Die Beantwortung der fünf Fragen hat zwei wichtige Aspekte miteinander verbunden: das Bauchgefühl, das sich auch als unbewusstes Wissen begreifen lässt, und die rationale Auseinandersetzung mit dem Thema. Dabei ist eine Art Kriterienrahmen entstanden, der bei allen weiteren Entscheidungen hilft.
Das Schwierigste jetzt ist, sich zu beschränken. Gerade am Anfang möchte ich am liebsten alles auf einmal machen. Geht aber nicht. Also: Schritt für Schritt geht’s weiter!
Bleibt festzuhalten: Für diese Art von Fragen helfen mir nur wenige Beratungsangebote wirklich weiter. Außer MyCle kann ich mir nur einen guten Coach als Unterstützung vorstellen. Eine, die die richtigen Fragen stellt, die mir hilft, mir selber auf die Schliche zu kommen und die mich anleitet, das Problem in rationaler Weise aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Also eine, die genau das tut, was ich mir mit MyCle selber erarbeite.
Wie würden Sie sich diesen sechs Fragen nähern?
PS: Sollte es jemanden irritieren. In der weiblichen Form einiger Bezeichnungen ist die männliche natürlich enthalten.
Über den Autor
Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen.
Als gelernter Politologe und seit 1990 in beratenden Berufen tätig, ist er gemeinsam mit Steffen Moldenhauer als Geschäftsführer des Geschäftswarenladens für den Überblick und das Ganze und für das Vorankommen zuständig.
von Dieter Bickenbach | 28. Juli 2016 | Blog

So mein Junge, dann will ich meine Geschichte mal fortsetzen. Wo hatte ich beim letzten Brief aufgehört. Ach richtig, ich hatte mich entschieden. Die Krise war überwunden.
Unterbewusst hatten bestimmt die vielen Stürme der letzten zwei, drei Jahre eine Rolle gespielt. Erst kürzlich musste ich mich gegen Wassermassen aus der U-Bahn kämpfen. Auch meinen Opa und seinen Hof hatte es ziemlich hart erwischt. Das Jahr zuvor hatte ein Hagelsturm die gesamte Maisernte platt gemacht.
Ich hatte mich also entschieden. Ich wollte meinen Beitrag leisten, den Energiehunger der Welt zu decken und gleichzeitig unsere Umwelt als lebensfreundlichen Raum zu erhalten. Ich fand, es reiche nicht mehr aus, den eigenen CO2-Fußabdruck zu reduzieren. Die gesamte Energieversorgung gehörte umgestellt. Meine Vision dafür orientierte sich am Hof meines Opas. Ich sah viele kleine energieautarke Einheiten mit einem Mix unauffälliger kleiner Energieanlagen, die sich bei Bedarf gegenseitig aushelfen konnten.
Nach ein wenig Recherche schien es in meinen Augen vor allem um ein Problem zu gehen: Wie ließen sich verbrauchernah natürliche Energiequellen, wie Wind und Sonne, so wandeln und speichern, dass Sie für eine spätere Nutzung jederzeit abrufbar waren? Das allein war es aber noch nicht. Es brauchte noch mehr. Eine MyCle-Impulskarte mit einer einfachen Frage brachte mich weiter: Was wäre, wenn wir Apple wären? Na klar, das ganze System musste aus einem Guss sein. Wie ließen sich die verschiedenen Elemente in einem durchgängigen System so kombinieren, dass sie für ein Einfamilienhaus oder einen Wohnblock nutzbar waren? Welche Elemente würde ich dafür benötigen?
Ein paar Tage und etliche Stunden des Grübelns später begann ich zu ahnen, was ich mir da vorgenommen hatte. Es würde so einiges zusammenkommen. Elemente, wie Mini-Blockheizkraft-Anlagen, Wasserelektrolyse-Anlagen, Vertikalrotoren, Solaranlagen waren zu verkleinern und zu integrieren. Sie mussten architektonisch zu einem harmonischen und ästhetischen Ganzen gemacht werden. Andernfalls würde es erhebliche Schwierigkeiten mit Bauämtern und Nachbarschaft geben. Das ganze musste digital steuerbar und optimierbar sein, bis hin zur Selbstdiagnose der einzelnen Module.
Wie sollten wir das alles hinkriegen? Ich beschloss meine wertvollste Ressource zu nutzen. Ich rief meinen Opa an, schilderte mein Problem und fragte, ob ich bei ihm vorbeischauen und mich mit ihm beraten dürfe. Er freute sich sehr und war sofort bereit, meine Ideen auf den Prüfstand zu stellen. Zum Abschluss des Gesprächs meinte er noch: „Denk an deine MyCle-Box. Ich glaube, die kann uns weiter helfen.“
Es wurde ein ereignisreiches Wochenende mit einigen Überraschungen und Ideen. Die erste: „Da will ich mitmachen.“ Mein Opa war sofort Feuer und Flamme. „Genau sowas habe ich in meinem kleinen und bescheidenen Rahmen quasi als Prototyp entwickelt. Warum sollen wir das nicht in die Welt hinaustragen.“ Die zweite: die Idee des Minimal Viable Product. Weil Opa mitmachen wollte, haben wir gemeinsam einen MyCle-Zyklus bearbeitet. Das Radarchart zeigte überdeutlich, dass der Anspruch gigantisch, die
Ressourcen aber eher bescheiden waren. Da erinnerte sich mein Opa an die Geschichte einer amerikanischen Ärztin, die auch eine große Vision hatte. Sie wollte die Zeit der Ungewissheit von Frauen mit Verdacht auf Brustkrebs radikal reduzieren – von zwei Monaten auf einen Tag. Dazu brauchte es eine Klinik, in der unterschiedliche Fachrichtungen im Sinne dieser Frauen in völlig neuer Weise kooperierten. Wie ist sie vorgegangen? Schritt für Schritt. Das Ganze vor Augen begann sie klein und addierte Schritt für Schritt neue Elemente. So könnte es auch für uns klappen. Nur womit beginnen. Was konnte unser MVP sein? Wir beschlossen uns zunächst auf die Wasserstoff-Herstellung und –Speicherung zu stürzen. Sie schien ein zentrales Element mit eigenem Marktpotenzial zu sein. Wenn es gelänge eine dezentral einsetzbare Klein-Anlage zu geringen Kosten zu schaffen, wäre die theoretisch in allen Haushalten mit Solaranlagen sofort einsetzbar. Sie würde außerdem Anreiz zum Kauf marktreifer Brennstoffzellen sein.
Tolle Idee, aber es war schnell klar, dass uns noch wesentliches fehlte: Know How. Das war der Moment, wo die Frage nach meiner näheren Zukunft eine vorläufige Antwort erhielt. Ich würde doch noch ein Studium beginnen. Ich wollte wissen, wie es gehen könnte, und ich wollte Leute kennen lernen, die kompetent sind und mitmachen würden. Wir konnten parallel ja schon beginnen. Zeit war nicht unser Problem. Die konnten wir uns einteilen, wie wir wollten – dachte ich damals jedenfalls. Denn es gab noch eine dritte Überraschung an diesem Wochenende: die hübsche Nachbarin.
Aber wie ich deine Oma kennlernte, erzähle ich dir in meinem nächsten Brief.
Über den Autor
Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen.
Als gelernter Politologe und seit 1990 in beratenden Berufen tätig, ist er gemeinsam mit Steffen Moldenhauer als Geschäftsführer des Geschäftswarenladens für den Überblick und das Ganze und für das Vorankommen zuständig.
von Dieter Bickenbach | 13. Juli 2016 | Blog

Es wird mir ein ewiges Rätsel bleiben. Aber ich frage mich doch, warum sich der Mythos so hartnäckig hält, dass nur eine systematisch entwickelte und geplante Strategie eine gute Strategie ist. Dabei sind deren Schwächen unübersehbar und bekannt. Werden sie nicht genügend hartnäckig verfolgt, kommt es zur vielbeschworenen Umsetzungslücke oder -schwäche.In der Regel beginnt dann die Suche nach dem Schuldigen, zumeist der Chef oder der beteiligte Berater. Oder die Ziele werden so konsequent verfolgt, dass illegale Handlungen plötzlich zulässig sind, und in der Folge das Unternehmen gefährden. Soll in der jüngeren Vergangenheit ja schon vorgekommen sein.
Dabei ist die Lösung des Problems längst bekannt. Man muss nur die richtigen Zutaten zusammen mischen und bekommt ein höchst bekömmliches Gericht.
Zutat Nr. 1: Emergente Strategien
Schon vor langer Zeit hat Henry Mintzberg einem Phänomen einen Namen gegeben, das nicht nur in
kleinen Unternehmen zu beobachten ist: die emergente Strategie. Es gibt im Unternehmensalltag immer wieder Entscheidungen, die nicht formal geplant und gesteuert werden. Sie tauchen auf und werden realisiert. In der Regel sind sie trotzdem seltsam stringent. Konsequenterweise bezeichnet er emergente Strategien als „ein Muster in einem Strom von Entscheidungen“.
Zutat Nr. 2: Scrum
Die agile Softwareentwicklung im Allgemeinen und Scrum im speziellen zeigt uns, wie massive, hochkomplexe und schließlich nicht mehr handhabbare Verfahren mit einfachsten Mitteln ersetzt werden können. Anstatt viel Energie in das sogenannte Front-Loading zu geben, also zu Beginn alle Anforderungen möglichst vollständig zu erheben, entstand die Idee eines organisierten Lernprozesses. Aus einer Produktvision wird ein erstes Inkrement herausgelöst. Dieses Minimal Viable Product wird entwickelt und getestet. An ihm wird gelernt. Lösungen werden verworfen, neue Ideen entstehen, und es geht in die nächste Runde.
Dabei erweisen sich kleine, einfache Tools, wie die Kanban-Tafel und einfache Schätzverfahren, als deutlich hilfreicher und prägnanter als komplexe Systeme, wie MS-Project oder ähnliches.
Zutat 3: Design Thinking
Ähnliches gibt es im Design Thinking. Das Minimal Viable Product ist in der Denke der Design-Entwicklung der Prototyp. Prototypen entstehen, um darüber zu sprechen. Sie werden in vielen Iterationen verworfen, überarbeitet und weiter entwickelt. Die Idee dahinter: scheitere früh und oft – bis die Gestalt entstanden ist.
Zutat Nr. 4: Lean Startup
Lean Startup hat das Minimal Viable Product und die Idee des frühen Scheiterns in die Startup-Welt transferiert. Die unvermeidbare Unsicherheit bei Entscheidungen wird durch die Idee des gezielten Scheiterns und der Iteration ausgehebelt.
Die fehlende Zutat Nr. 5: MyCle
Es gibt nur eine Zutat, die fehlt: der Rahmen, der die Gewissheit erzeugt, gut zu entscheiden. Sicherheit in
Entscheidungssituationen gibt es nicht. Das liegt in der Natur der Sache. Wenn ich mir aber über den Kontext der Entscheidung, über meine eigenen Motive und handlungsleitende Werte im Klaren bin und eine Perspektive entwickelt habe, kann ich die Gewissheit erlangen, die nötig ist, um meine Umwelt zu gestalten.
Agile Strategiearbeit
Mixe ich diese Elemente zusammen, entsteht ein neues Bild von Strategieentwicklung, die einen neuen Begriff verdient: agile Strategiearbeit. Strategie wird gearbeitet. Sie entsteht
- Schritt für Schritt im Alltag,
- emergent als Serie von Entscheidungen,
- in iterativen Zyklen,
- ausgerichtet an der Idee einer wünschenswerten Zukunft,
- unter Berücksichtigung der eigenen Bedürfnisse und Wertvorstellungen.
Sie stellt sich jeden Tag aufs Neue der Auseinandersetzung mit der Umwelt. Sie lässt sich flexibel an veränderte Situationen anpassen. Sie ist in der Lage, neue strategische Ideen und Initiativen einzubauen und auszutesten. Sie ist durchdacht. Sie ist nur eines nicht: sie ist nicht geplant.
Die Herausforderung moderner Strategiearbeit
Diesen Prozess zu organisieren, ist die Herausforderung moderner Strategiearbeit. Wie das mit einfachsten Mitteln, mit wenig Aufwand und ohne Vorkenntnisse funktioniert, haben wir mit MyCle gezeigt, unserer Unternehmensberatung „out of the box“. MyCle ist ein Verfahren über 6 Positionen, in dem der Entscheidungsrahmen für strategische Entscheidungen entsteht – vergegenständlich in einer Box. Ich kläre – als Person, Gruppe oder Organisation – was ich will und warum ich es will. Ich kläre den normativen Rahmen und die vorhandenen Bedürfnisse, die es zu bedienen gilt. Ich bewerte die Situation und
entscheide mich in diesem Rahmen für das erste Handlungsfeld, den nächsten Schritt.
Und dann steige ich auf den Gipfel – Schritt für Schritt, in immer neuen Iterationen der Arbeit mit MyCle. Ob der Gipfel allerdings am Ende derselbe ist, wie der, den ich zu Beginn anvisiert habe, ist eher unwahrscheinlich.
Über den Autor
Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen.
Als gelernter Politologe und seit 1990 in beratenden Berufen tätig, ist er gemeinsam mit Steffen Moldenhauer als Geschäftsführer des Geschäftswarenladens für den Überblick und das Ganze und für das Vorankommen zuständig.
von Michael Hartschen | 29. Juni 2016 | Blog

Berlin hat 10 mal so viele Einwohner wie ganz Island. Stellen wir uns vor, der Bezirk Berlin Mitte (ca. 360‘000 Einwohner) hätte es geschafft, aus den Bewohnern eine Fussballmannschaft zusammenzustellen, die in der Europameisterschaft im Viertelfinale steht. Oder in der Schweiz stellt der Kanton Tessin eine Nationalmannschaft zusammen. Das sind die Grössenverhältnisse.
Wow! Das wollen wir auch können. Es stellt sich die Frage: Wie geht das?
Unternehmerisch würde diese Frage lauten: wie schaffen wir es, als kleines oder mittelgrosses Unternehmen gegen die grossen Marktführer anzukommen?
In der Arbeit mit MyCle gibt es die Möglichkeit, sich durch solche Impulse anregen zu lassen. Also habe ich aus dieser Perspektive einmal drei unterschiedliche Aspekte herausgegriffen und in den unternehmerischen Kontext gestellt. Das sind: das Team, die Ressourcen und die Strukturen.
Das Team
Wer das Fussballspiel Island gegen England bei der EM 2016 gesehen hat, dem ist sofort klar: das Team hat perfekt funktioniert. Was heisst funktioniert? Es hat harmonisiert, es hatte ein gemeinsames Ziel, und selbst bei dem frühen Gegentor sind die Spieler nicht in ein Frustloch gefallen. Sie waren gemeinsam stark und haben an die eine Sache geglaubt: wir können und wollen gewinnen.
Für Teams in Unternehmen gilt das gleiche. Wenn wir gemeinsame Ziele haben und daraus Gemeinschaft bilden, lassen wir uns von der Grösse eines Gegners nicht beeindrucken. Auch Niederlagen werden akzeptiert. Das Ziel wird jedoch nie aus den Augen verloren. Es sind die weichen Faktoren, das Verhalten im Team, das eine zentrale Rolle spielt.
Die Ressourcen
Ein so kleines Land wie Island hat nicht die grosse Auswahl von Ressourcen, sprich Spieler. Die vorhandenen Spieler sind jedoch selbst motiviert, ehrgeizig und lernfähig. Schon durch die Qualifikation konnten Erfahrungen gesammelt werden. Viele suchen den einzigen besten Spieler oder Mitarbeiter. Letztendlich sind es diejenigen, die zur Verfügung stehen, um das Beste daraus zu machen. Und das haben die Isländer geschafft. Ob es der geniale Einwurf ist, der unbändige Kampfgeist oder der 80 m Sprint – jeder bringt seine Fähigkeiten am Besten in das Team ein.
Gerade bei kleinen und mittelgrossen Unternehmen zählt jeder Mitarbeitende mit seinen Fähigkeiten. Die Auswahl von einzelnen Fachspezialisten ist meist nicht gegeben. Es werden auch allgemeine Aufgaben im Alltag zu bewältigen sein. Die Strukturen sind flach und auf die Ressourcen kann breit zugegriffen werden. Man kennt sich, man versteht sich und unterstützt sich gegenseitig.
Die Strukturen
Das Klima in Island ist für das Fussballspielen nicht gerade ideal. Die Durchschnittstemperatur im Sommer beträgt gerade einmal 12°C und es gibt 180 Schneetage. Das grösste Stadium Laugardalsvöllur fasst rund 15‘000 Zuschauer. Mit viel Fleiss und Energie hat Island trotzdem Strukturen geschaffen, in denen sich der Fussballsport entwickeln kann: einerseits über die Möglichkeit auch bei schlechtem Wetter in Hallen Fussball zu spielen, anderseits auch in der Jugendförderung. Es ist die Summe der verschiedenen Aktivitäten, die zu einem Gesamtergebnis geführt haben. Sicher hat dazu auch beigetragen, dass das Land vor der Finanzblase gut in die Infrastruktur investieren konnte.
Auch Unternehmen haben nicht immer alle Strukturen im Übermass zur Verfügung. Wer jedoch zielorientiert und langfristig denkt, baut Schritt für Schritt eine sehr gute Basis auf. Kontinuität und sorgsame Umgang mit der Infrastruktur sorgt für eine lange Nutzungsdauer.
Was lernen wir daraus?
Was wäre, wenn Sie wie die isländische Fussballnationalmannschaft wären? Als Unternehmen oder
Organisation würden Sie Ihre vorhandenen Ressourcen gezielt und effizient nutzen und auch gezielt in Infrastruktur investieren. Das alleine reicht noch nicht aus. Es geht auch um die Menschen, die Kultur, die notwendig ist, um Vorhandenes richtig einzusetzen. Es braucht das gemeinsame Verständnis und Ziele, was erreicht werden soll. Es braucht ein Team.
Mit MyCle, der Unternehmensberatung „out of the box“, ist es möglich, so eine gemeinsame Grundhaltung und gemeinsame Ziele im Team zu entwickeln. Das bedeutet einerseits Absicherung in den Entscheidungen und andererseits den sinnvollen Einsatz der bestehenden Ressourcen.
Fazit
Island hat in der Qualifikation zur Europameisterschaft schon einige andere Mannschaften geschlagen und u.a. die Niederlande hinter sich gelassen. 2004 hat Island Italien in einem Freundschaftsspiel 2:0 besiegt. Es ist keine Eintagsfliege. Der Fussball in Island hat wirklich kulturelle und strukturelle Erfolgskomponenten. Das gilt übrigens auch für die Handball- und Basketballmannschaften.
Auch Unternehmer dürfen sich nicht auf den Zufall verlassen. Wenn Entscheidungen gemeinsam und verständlich gefällt werden, ist es einfacher und klar, was jeder selbst zur Zielerreichung beitragen kann. Das gibt Kraft mit geringen Energieverlusten.
Einfach eine starke Mannschaft.
Über den Autor
Dr. Michael Hartschen ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens, Innovationsfachmann und Querdenker.
Als gelernter Maschinenbau-Ingenieur hat er sich der Innovation und der Einfachheit verschrieben – eine Qualität, die einem Do-it-Yourself-Ansatz mehr als zuträglich ist.
von Dieter Bickenbach | 17. Juni 2016 | Blog

Alles begann im Jahre 1995. Meine Schwester und ich verbrachten die Ferien auf dem Hof meines Großvaters. Ich war gerade sechs geworden. Eines Abends saßen wir am Lagerfeuer, buken Stockbrot und grillten Würstchen, als mein Opa begann, Geschichten zu erzählen. Ich kann mich nicht mehr so recht daran erinnern, worum es ging. Zwei Sachen blieben mir aber in Erinnerung: seine Wut auf die Atomenergie und seine Begeisterung für seine eigenen kleinen Projekte. Die verschafften ihm und seinem Hof fast vollständige Unabhängigkeit vom Strom aus der Steckdose – und das war in 1995. Er war beseelt von der Idee, dass viele kleine Einheiten eine große Menge Energie erzeugen konnten, und hatte angefangen diese Idee auf seinem Hof in die Tat umzusetzen.Eine genial einfache Idee ist hängen geblieben. Mit einem schier endlosen Schlauch auf dem Garagendach hat er warmes Wasser erzeugt.
Irgendwie muss er damals einen Samen in meinem Bewusstsein gesetzt haben, der viele Jahre später aufging und mein Leben völlig umkrempeln sollte. Das war 2018. Damals war ich 27 und in einer ähnlichen Situation, wie du heute, mein lieber Babacar. Ich musste mein Leben neu ordnen, weil ich meine Stelle als Elektrotechniker bei einem der drei großen Energiekonzerne verloren hatte. Sie hatten die sogenannte Energiewende völlig verpennt und versuchten sich, zu retten. Dabei bin ich – wie ich damals dachte – auf der Strecke geblieben. Ich konnte ja nicht ahnen, dass sie mir mit der Entlassung den größten Gefallen meines Lebens getan haben.
Wie dem auch sei, als ich den Entlassungsbriefe in der Hand hielt, war ich völlig fertig. Bis dahin war immer alles glatt gegangen. Nach der Schule habe ich sofort eine Lehrstelle gefunden. Nach der Ausbildung wurde ich übernommen. Zwischendurch bin ich einer äußerst hübschen und liebenswerten jungen Frau begegnet,
die ich heiraten wollte. Die Entlassung machte alles kaputt – dachte ich. Ich geriet in eine tiefe Krise. Mir fehlte die Energie und das Selbstbewusstsein, mir etwas Neues zu suchen. Meine Freundin konnte irgendwann mein Selbstmitleid nicht mehr ertragen und hat mich verlassen. Langsam begann ein Teufelskreis. Jede kleine Niederlage senkte das Selbstbewusstsein, erzeugt eine neue Niederlage, senkte das Selbstbewusstsein usw. usf.
Die Rettung war mein Opa. Er zitierte mich zu sich und wusch mir den Kopf. Er ließ keine Ausrede gelten. Die Kernbotschaft war eindeutig: werde dir endlich klar darüber, was du wirklich willst. Aber dabei beließ er es nicht. Er hatte noch eine Überraschung. Er stellte eine schwarze Papp-Box auf den Tisch und machte die überaus klare Ansage, dass ich mich morgen direkt an die Arbeit machen solle: „In der Box findest du alles, was du brauchst, um dir darüber klar zu werden, was du willst und wohin du willst. Bearbeite die verschiedenen Aufgaben, und ich verspreche dir, dass es dir hinterher besser geht. Und da du ein Meister der Ausrede bist, erwarte ich von dir, dass du die nächsten zwei Tage hier auf meinem Hof bleibst und an deiner Zukunft arbeitest.“ Du kannst dir gar nicht vorstellen, was er mit dieser Ansprache und Hilfestellung ausgelöst hat.
Ich öffnete die Box und wurde ziemlich schnell aufgefordert, einen Brief zu schreiben. Meine erste Reaktion war: „Was ist das denn für ein Blödsinn? Wer schreibt den heute noch Briefe?“ Ich musste das wohl laut ausgesprochen haben. Denn mein Opa sagte nur: „Tu es einfach.“ Ich fing an und schrieb mir den ganzen Ärger von der Seele. Als ich noch einmal auf die Instruktionskarte guckte, entdeckte ich ein paar interessante Fragen, die ich übersehen hatte: Gibt es Ideen für die zukünftige Ausrichtung? Wie wird Erfolg gemessen? Das brachte mich dazu, den Blick ein wenig mehr nach vorne zu richten. Das erste Aha-Erlebnis hatte ich bei der Analyse des Briefes. Es war unübersehbar, dass mir einerseits Werte wie verantwortlicher Umgang mit der Umwelt und Gerechtigkeit sehr wichtig waren, ich andererseits aber noch keinen einzigen Gedanken darauf verschwendet hatte, wie ich dazu beitragen könnte. Mein Opa setzte noch einen drauf. „Du bist doch eigentlich ein ziemlicher Draufgänger. Trau dich was. Wenn‘s schief geht, bi
n ich auch noch da.“ Aber was könnte das sein? Als ich mich umsah, kam mir eine Idee. Der Hof war nämlich inzwischen nicht nur völlig energieautark. Mein Opa verdiente wegen des Energieeinspeisungsgesetzes eine Menge Geld mit seiner verrückten Idee aus den frühen Achtzigern. Was wäre, wenn ich dazu beitragen könnte, diesen Gedanken weiter zu treiben? Was wäre, wenn ich mich – wie mein Opa – dem vollständigen Umstieg auf erneuerbare Energien verschriebe. Schließlich war ich Elektrotechniker, also vom Fach.
Es war klar, was als nächstes zu tun war: Das Thema wollte ich mir etwas genauer ansehen. Was war technisch möglich? Was gab es schon? Wie passte die Idee in die Welt von 2018? Was brauchte ich dafür? Sollte ich doch noch studieren? Oder war es besser, mich in die Startup-Szene zu stürzen?
Ich fand sehr schnell Antworten. Aber die, mein lieber Enkel, erzähle ich dir beim nächsten Mal. Jetzt erlaube deinem 84-jährigen Opa sich etwas auszuruhen.
Über den Autor
Dieter Bickenbach ist Mitgründer und Gesellschafter des geschaeftswarenladens und Initiator der Idee, den Berater überflüssig zu machen.
Als gelernter Politologe und seit 1990 in beratenden Berufen tätig, ist er gemeinsam mit Steffen Moldenhauer als Geschäftsführer des Geschäftswarenladens für den Überblick und das Ganze und für das Vorankommen zuständig.